1. come-on.de
  2. Politik

„Vierte Welle brechen“: Weltärztebund-Chef fordert erweiterte 2G-Regel

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Tanja Koch

Der Vorsitzende des Weltärztebundes plädiert für schärfere Maßnahmen. Grünen-Fraktionschef Hofreiter macht der Regierung in Sachen Impfungen Vorwürfe.

Berlin – Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, fordert schärfere Corona-*-Beschränkungen und eine Bevorzugung von geimpften Menschen. Die Impfquote mithilfe von mobilen Angeboten zu erhöhen, reiche nicht aus, so Montgomery.

„Ungeimpfte müssten dann einen aktuellen PCR-Tests vorweisen. Ein einfacher Schnelltest dürfte nicht mehr ausreichen“, sagte Montgomery. Eine solche erweiterte 2G-Regel könne den nötigen Anreiz schaffen, sich gegen Sars-CoV-2 impfen zu lassen.

Corona-Ausbreitung im Herbst verhindern: Impffortschritt reicht nicht aus

Die sogenannte 3G-Regel gilt schon jetzt für bestimmte Innenräume wie die Gastronomie sowie Veranstaltungen. Demnach wird lediglich Geimpften, Genesenen oder negativ Getesteten Zugang gewährt. Bei der 2G-Regel hingegen dürfen lediglich Geimpfte oder Genesene teilnehmen beziehungsweise eintreten. Auch diese wird vereinzelt bereits angewandt.

Frank Ulrich Montgomery
Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer und des Deutschen Ärztetages, warnt vor der vierten Corona-Welle. (Archivfoto) © Guido Kirchner/dpa

Laut Bundesregierung und Robert Koch-Institut (RKI) droht ohne deutlich mehr Impfungen* ein drastischer Verlauf der vierten Corona-Welle im Herbst. Rund zwei Drittel der Bevölkerung sind mindestens einmal, etwa 62 % vollständig geimpft. Aufgrund dieses schleppenden Impffortschritts und der steigenden Inzidenzen wächst die Sorge davor, dass im Herbst und Winter neue Einschränkungen nötig werden könnten.

Corona in Deutschland: SPD warnt vor Einschränkungen bei Schulen und Kitas

Aus Sicht von SPD*-Fraktionschef Rolf Mützenich müssen Schulen von derartigen Maßnahmen ausgenommen bleiben. „Schulen und Kitas haben nach den Erfahrungen der vergangenen eineinhalb Jahre mit der Pandemie absolute Priorität. Schulen und Kitas dürfen nicht wieder eingeschränkt werden“, sagte Mützenich der Rheinischen Post. „Wir müssen beim Impfen besser werden, und auch der Impfstoff* für die kleinen Kinder muss kommen.“ Sollten die Warnwerte im Herbst und Winter noch einmal kräftig anziehen, hoffe er auf Flexibilität in den Betrieben, damit Einschränkungen in Schulen und Kitas vermieden werden können.

Vor allem die immer höheren Infektionszahlen unter Schülerinnen und Schülern bereiten derzeit Sorgen. „In der Tat ist das Infektionsgeschehen in der Altersgruppe, die Schulen besucht, derzeit besonders heftig“, sagte der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, der Passauer Neuen Presse. Das bedeute aber nicht, dass entsprechende Schulen deswegen sofort geschlossen werden müssten, so Meidinger.

Corona: Impfkampagne vor die Wand gefahren? Hofreiter macht Regierung Vorwürfe

Der Fraktionschef der Grünen* im Bundestag, Anton Hofreiter, macht der Bundesregierung indes Vorwürfe bezüglich der Impfkampagne. Die Regierung habe in dieser Hinsicht versagt. „Man kann nicht aufhören mit der Pandemiebekämpfung, nur weil man im Wahlkampfmodus ist“, sagte Hofreiter der Heilbronner Stimme und forderte: „Wir müssen noch aktiver auf die Menschen zugehen, es braucht Kreativität und bessere Informationsangebote, um für Impfungen zu werben.“ Er sagte: „Wir könnten dank der Impfstoffe weitgehend unser ganz normales Leben zurückhaben. Jetzt droht aber eine vierte Welle, weil die Bundesregierung die Impfkampagne vor die Wand gefahren hat.“

Sorgen, dass die Deutschen aus Angst vor einer Corona-Infektion noch stärker auf Vorsorgeuntersuchungen bei Ärzten verzichteten, widerspricht die Techniker Krankenkasse sah Sorgen nicht bestätigt. „Die Deutschen sind schon seit Jahren Vorsorgemuffel. Durch die Pandemie wurde das viel zu niedrige Niveau allerdings nicht so dramatisch weiter gesenkt wie befürchtet“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Kasse, Jens Baas, den Zeitungen der Funke Mediengruppe von Donnerstag. So hätten etwa 2019 bei der Kasse 23,8 Prozent der Anspruchsberechtigten eine Untersuchung zur Krebs-Früherkennung genutzt, 2020 mit 22,2 Prozent jedoch nur geringfügig weniger. (Tanja Koch mit dpa) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Auch interessant

Kommentare