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Internes RKI-Papier durchgesickert: Deutschland offenbar vor Corona-Kurswechsel

Die Inzidenz in Deutschland ist vielerorts einstellig. Das Robert-Koch-Institut rechnet mit weniger Fällen an schweren Corona-Verläufen. Laut einem Bericht bedeutet das nun eine Kehrtwende.

Update vom 12. Juli, 12.47 Uhr: Das Robert-Koch-Institut (RKI) will laut einem Bild-Bericht einen neuen Indikator für den Kurs in der Corona-Krise einführen (siehe Erstmeldung). Die Bundesregierung hat nun bekräftigt, dass sie bei der Beurteilung der Corona-Lage weiterhin die 7-Tage-Inzidenz im Blick behalten wird. Es sei wichtig, weitere Parameter wie die Krankenhauseinweisungen wegen Covid-19 hinzuzuziehen, um die Lage einzuschätzen. „Aber das ist nicht als eine Abkehr von der 7-Tage-Inzidenz zu verstehen“, sagte ein Gesundheitsministeriums-Sprecher am Montag. 

Es sei auch keine Änderung der politischen Strategie damit verbunden, unterstrich der Sprecher. Die Inzidenz sei nach wie vor ein wichtiger Parameter, weil sie unter anderem Trends erkennen lasse. Auf die Frage, ob Maßnahmen wie Schulschließungen künftig weiterhin an die Höhe der Inzidenz gekoppelt werden, verwies der Sprecher auf die Zuständigkeit der Länder im Schulbereich.

Corona-Inzidenz als Parameter für die Politik: Merkel-Sprecher verweist auf Nachbarländer

Regierungssprecher Steffen Seibert fügte hinzu, man sei unter anderem dank der Impfungen in einer recht guten Lage. Wirtschaft und Handel könnten arbeiten, das Kulturleben kehre zurück. „Das heißt aber alles nicht, dass wir schon in einer Situation der Normalität wären, wenn man mit ‚normal‘ vor der Pandemie meint.“

Ein Blick in Nachbarländer mache klar, dass niedrige Fallzahlen schnell wieder explodieren könnten. Damit gingen Risiken einher. Es könnten wieder mehr Menschen krank werden. Das Impfen habe die Gesamtrechnung verändert. „Aber wir sind noch nicht ausreichend gewappnet für den Fall dass die Zahlen wieder wirklich stark ansteigen“, sagte Seibert.

Bericht: RKI will Hospitalisierungen als zusätzlichen Corona-Leitindikator einführen

Unsere Erstmeldung vom 12. Juli: Berlin - Zur Einordnung des Pandemiegeschehens* in Deutschland will das Robert-Koch-Institut (RKI) einem Medienbericht zufolge die Hospitalisierung als zusätzlichen Leitindikator einführen.

Das berichtete die Bild unter Berufung auf eine interne Präsentation des RKI. Eine solche Praxis würde eine Abkehr vom Inzidenzwert als wichtigste Kennzahl der Corona-Politik bedeuten.

RKI plant offenbar Kurs-Änderung für Deutschland: Neue Corona-Indikatoren

Es seien „weiterhin mehrere Indikatoren zur Bewertung notwendig, aber die Gewichtung der Indikatoren untereinander ändert sich“, hieß es laut Bild in dem RKI-Papier. Das Institut begründet die Hinzunahme der Hospitalisierung demnach mit den „Konsequenzen zunehmender Grundimmunität“.

In eine ähnliche Richtung äußerte sich Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Wochenende auf Twitter.

Corona in Deutschland: RKI weiterhin besorgt wegen Delta-Variante

Dem Bericht zufolge rechnet das RKI* mit einer „Abnahme des Anteils schwerer Fälle“ und fordert daher einen „stärkeren Fokus auf die Folgen der Infektion“, darunter schwere Erkrankungen mit Hospitalisierung, Todesfälle und langfristige Folgen.

Die bundesweite 7-Tage-Inzidenz* lag am Sonntag bei 6,2. Auch wenn die Corona-Fallzahlen derzeit niedrig sind, gibt die Ausbreitung der besonders ansteckenden Delta-Variante Anlass zur Sorge. Zuletzt hatte das RKI mitgeteilt, dass die zuerst in Indien festgestellte Variante nun für mehr als 50 Prozent aller Ansteckungen mit dem Coronavirus* in Deutschland* verantwortlich ist.

Rubriklistenbild: © Political-Moments/Imago

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