Infektionsschutzgesetz

Corona-Regeln: Hospitalisierung soll Inzidenz ersetzen - NRW will einheitlichen Wert

Die Inzidenz hat ausgedient, sagt Jens Spahn. Stattdessen soll die Hospitalisierungsrate als neuer Maßstab für Corona-Regeln dienen. Was jetzt gelten soll.

Update vom 27. August, 14.17 Uhr: Die Hospitalisierungs-Inzidenz soll die Inzidenz ersetzen, wenn es darum geht, neue Corona-Regeln herzuleiten. Bis dato hieß es, dass es keinen bundesweit einheitlichen Grenzwert geben soll - wie es bei der jetzigen Inzidenz der Fall ist -, da die regionalen stationären Versorgungskapazitäten unterschiedlich seien. Doch die NRW-Landesregierung hat sich am heutigen Freitag dafür starkgemacht, doch einen einheitlichen Grenzwert zu bestimmen.

Der Vorschlag sieht vor, als Kennzahl die Zahl der zur Behandlung in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen zu verwenden. Der Schwellenwert der Hospitalisierung, ab dem Gegenmaßnahmen greifen, soll unter Berücksichtigung der regionalen stationären Versorgungskapazitäten festgesetzt werden mit dem Ziel, eine drohende Überlastung der Kliniken zu vermeiden.

Corona-Regeln: Hospitalisierung soll die Inzidenz ersetzen - neues Gesetz

[Erstmeldung vom 26. August, 10.55] Hamm - Schon vor Monaten wurden die Stimmen der Inzidenz-Kritiker lauter. Als Maßstab für Regeln in der Corona-Pandemie sei die Inzidenz nicht mehr aussagekräftig, weil die Impfkampagne in Deutschland und Nordrhein-Westfalen inzwischen weit vorangeschritten ist. Das Robert-Koch-Institut (RKI) wollte lange an dem Richtwert festhalten. Das Bundesgesundheitsministerium um Jens Spahn (CDU) hat nun einen „Nachfolger“ für die Corona-Inzidenz gefunden. Ein neues Infektionsschutzgesetz wird kommen. (News zum Coronavirus)

LandDeutschland
KanzlerinAngela Merkel
HauptstadtBerlin
Bevölkerung83,02 Millionen (2019)
BNE pro Kopf57.810 KKP-Dollar (2019)

Corona-Regeln: Neues Infektionsschutzgesetz kommt - Hospitalisierung statt Inzidenz

Der Schlussstrich der Inzidenz, der mit Inkrafttretens des neuen Infektionsschutzgesetzes gezogen wird, ist nur noch eine Frage der Zeit. Der Bundestag hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn aufgefordert, einen neuen Gesetzesvorschlag zu formulieren. Bis Montag soll der Gesetzesvorschlag vorliegen, doch bereits jetzt ist klar, in welche Richtung es gehen wird. Aus der herkömmlichen Inzidenz wird nun die Hospitalisierung, die einen neuen Maßstab bei den Corona-Regeln setzt.

Mit der sogenannten Hospitalisierung setzt das Bundesgesundheitsministerium in seinem Änderungsantrag um, was schon seit geraumer Zeit von vielen Experten gefordert wird. „Wesentlicher Maßstab für die zu ergreifenden Schutzmaßnahmen ist insbesondere die Anzahl der stationär zur Behandlung aufgenommenen Corona-Patienten je 100.000 Einwohnern innerhalb von sieben Tagen“, zitiert das Redaktionsnetzwerk Deutschland aus jenem Antrag.

Es handelt sich bei der Hospitalisierung also streng genommen auch um eine Hospitalisierungs-Inzidenz. Mit anderen Worten geht es dabei um die regionale Krankenhausbelegung. Aus dieser sollen weitere Corona-Schutzmaßnahmen eingeleitet werden, sofern das notwendig ist.

Corona-Regeln: Hospitalisierung statt Inzidenz - es wird keinen einheitlichen Grenzwert mehr geben

Bei der Inzidenz war es so, dass bei Überschreitung des Wertes von über 50 Corona-Neuinfektionen je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen neue Schutzmaßnahmen ergriffen werden müssen. Ein solches Konzept wird es im Zuge des neuen Infektionsschutzgesetzes jedoch nicht mehr geben. Auch wenn eine bestimmte Marke bei der Hospitalisierungs-Inzidenz überschritten werden sollte, muss diese immer gemäß der regionalen stationären Versorgungskapazitäten berücksichtigt werden. Einen einheitlichen Grenzwert gibt es dann also nicht mehr.

Mit der neuen Maßnahme will die Bundesregierung „eine drohende Überlastung der regionalen stationären Versorgung vermeiden“, heißt es. Allerdings könnten noch weitere Parameter zur Bewertung der Corona-Lage herangezogen werden. Lediglich die Inzidenz habe ausgedient, so Jens Spahn. „Um die Pandemie-Lage zu beurteilen, ist die Hospitalisierungsrate sehr viel aussagekräftiger”, erklärte der Gesundheitsminister gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Nicht alle befürworten die Abkehr von der herkömmlichen Corona-Inzidenz. Während RKI-Präsident Lothar Wieler dafür plädierte, diesen Wert nicht außer Acht zu lassen, hat auch Karl Lauterbach vor falschen Signalen gewarnt. „Das halte ich für falsch, weil auch viele derjenigen, die erkranken und nicht ins Krankenhaus müssen, schwer erkranken und langfristige Schäden davontragen“, sagte er dem TV-Sender Phoenix. Angesichts steigender Corona-Fallzahlen befürwortet Lauterbach die Umsetzung der 2G-Regel*. Aktuell gilt in weiten Teilen der Bundesrepublik - unter anderem in NRW - die 3G-Regel. - *wa.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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