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Rente: Bürgerversicherung, Aktien, Eintrittsalter - Das wollen Union, Grüne, SPD und Co.

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Eine „Richtungswahl“ kündigen die Kanzlerkandidaten seit Wochen an - beim Thema Rente könnte es stimmen. Was die sechs Bundestagsparteien fordern:

Berlin/München - Mehr als 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner gibt es derzeit in Deutschland - und ihre Zahl wird weiter steigen. Die Sicherung der Altersversorgung ist daher eines der zentralen Themen der Bundespolitik. Ein Überblick über die wichtigsten rentenpolitischen Forderungen in den Wahlprogrammen der Bundestagsparteien:

Bundestagswahl: Rentenpläne der Union - „Generationenrente“ als vierte Säule

CDU und CSU wollen laut eigenem „Regierungsprogramm“* neben der gesetzlichen, der privaten und der betrieblichen Altersvorsorge eine vierte Säule einführen: die „Generationenrente“. Der Bund soll für Kinder monatlich Beträge in Fonds oder auf persönliche Konten einzahlen - „von Geburt an“, wie es im Wahlprogramm heißt. Höhe und Dauer der Zahlungen sind noch offen.

Für die private, staatlich geförderte Vorsorge plant die Union ein „Standardvorsorgeprodukt“, aus dem die Versicherten allerdings per „Opt-out“ aussteigen können. Der Renteneintritt soll unverändert bei 67 Jahren erfolgen. Unionsinternen Streit gibt es um die Mütterrente: Die CSU will sie unbedingt ausweiten, die CDU findet das zu teuer.

Scholz und die Rente: SPD gibt vor der Wahl einige Versprechen ab

Zentrales Element der Altersvorsorge soll die gesetzliche Rente bleiben - mit einem Rentenniveau von dauerhaft mindestens 48 Prozent. Eine weitere Anhebung des Renteneintrittsalters lehnt die SPD* ab. Vielmehr sollen langjährig Versicherte auch weiterhin abschlagsfrei vorzeitig in Rente gehen können.

Selbstständige sollen in die Rentenversicherung einbezogen werden, ebenso Beamtinnen und Beamte, jedoch ohne dass dies für sie mit Abstrichen bei den Altersbezügen verbunden ist. Betriebsrenten sollen weniger stark mit Sozialbeiträgen belastet werden. Die Riester-Rente soll laut SPD-Wahlprogramm* durch ein neues, unbürokratischeres Angebot ersetzt werden.

Grünen-Pläne vor der Bundestagswahl: „Bürger*innenversicherung“ für die gesetzliche Rente

Das Rentenniveau wollen die Grünen* langfristig auf mindestens 48 Prozent festschreiben. Zu mehr Beitragsstabilität sollen auch ein Rückkehrrecht auf Vollzeit für Teilzeitbeschäftigte, ein höherer Mindestlohn von zwölf Euro sowie eine leichtere Zuwanderung ausländischer Fachkräfte beitragen.

Die gesetzliche Rentenkasse soll zu einer „Bürger*innenversicherung“ für alle ausgebaut werden. Bei der kapitalgedeckten Zusatzvorsorge plädieren die Grünen in ihrem Wahlprogramm* dafür, die Riester-Rente durch einen öffentlich verwalteten Bürgerfonds zu ersetzen. Am Renteneintrittsalter mit 67 wollen die Grünen festhalten, es soll aber mehr Raum für flexible Entscheidungen geben.

Bessere Renten mithilfe von Aktien? FDP und ihre Forderungen vor der Bundestagswahl

Auch die Liberalen wollen den Zeitpunkt des Renteneintritts flexibler gestalten: Wer das 60. Lebensjahr erreicht hat, soll selbst über den Beginn des Ruhestands bestimmen; Voraussetzung dafür ist aber, dass er oder sie bis dahin Rentenansprüche mindestens auf dem Niveau der Grundsicherung erworben hat.

Die private Vorsorge soll nach Ansicht der FDP* durch eine gesetzliche Aktienrente gestärkt werden: Ein geringer Teil der Beiträge soll in einen Fonds unter staatlicher Aufsicht fließen - davon versprechen sich die Liberalen langfristig höhere Erträge als bei anderen Anlageformen. Das Vorhaben taugt als Knackpunkt der Koalitionsverhandlungen* im Hinblick auf die nächste Regierung.

AfD-Rentenpläne: Mehr Geld aus Migrations-, Klima- und EU-Politik

Für eine Flexibilisierung des Renteneintritts spricht sich auch die AfD aus: Jeder soll selbst über den Zeitpunkt bestimmen dürfen - mit entsprechenden Abschlägen. Geringverdiener mit langen Beitragszeiten sollen durch Steuermittel bessergestellt werden.

Die AfD will auch die private Vorsorge ausbauen durch einen staatlich geleiteten Investitionsfonds - dieser soll die Beiträge aber nicht nur in Aktien investieren, sondern etwa auch in Immobilien. Finanzieren will die AfD die Pläne aus ihrem Wahlprogramm* mit Mittelstreichungen in der Migrations-, Klima- und EU-Politik.

Bundestagswahl 20201: Linke zieht mit großen Rentenversprechen in den Wahlkampf

Die Linkspartei* verspricht große Renten-Verbesserungen: Der Ruhestand soll wieder früher beginnen, zugleich soll die Rente steigen. Anstatt der Rente ab 67 sollen die Arbeitnehmer wieder spätestens mit 65 ohne Abschläge in Rente gehen können.

Das Rentenniveau soll wieder auf 53 Prozent steigen und eine solidarische Mindestrente von 1200 Euro soll Altersarmut vermeiden. In eine „Solidarische Erwerbstätigenversicherung“ sollen auch Abgeordnete, Selbstständige und Beamte einzahlen. (AFP) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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