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Parteien reagieren auf Wahl-Ergebnis: SPD sieht schon Sieg, CDU kennt „nur ein Motto“

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Von: Marcel Guboff, Erik Hlacer

Wer gewinnt die Bundestagswahl 2021? Auf die ersten Hochrechnungen reagieren die Parteien unterschiedlich. Die CDU ist ernüchtert, die SPD feiert.

Hamm - Die letzten Stimmen zur Bundestagswahl 2021* werden derzeit ausgezählt. Einer Prognose von Infratest dimap zufolge liegen CDU/CSU um Armin Laschet* und SPD um Olaf Scholz gleichauf bei 25,0 Prozent. Die Grünen erreichen danach 15 Prozent, die FDP elf. Die Linke muss aktuell noch um den Einzug in den Bundestag bangen (5 Prozent). Der scheidende NRW-Ministerpräsident Armin Laschet hat sich bereits zu möglichen Koalitionen geäußert. Doch auch weitere Politiker haben die vorläufigen Wahlergebnisse bewertet. Ein Überblick.

WahlBundestagswahl 2021
TerminSonntag, 26. September 2021
OrtDeutschland

Bundestagswahl: Reaktionen auf Ergebnis - SPD sieht Sieg, CDU kennt „nur ein Motto“

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak hat zu den ersten Wahlergebnissen Stellung bezogen. „Wir haben in den vergangenen Wochen eine gute Aufholjagd hingelegt“, erklärte Ziemiak in der ARD, der an den insgesamt bitteren Verlusten der Union dennoch nichts schönreden will. Wenn man das Ergebnis mit dem letzten Wahlergebnis vergleiche, sei klar, dass das schmerze. „Aber bei uns in der Union gibt es nur ein Motto. Erst das Land, dann die Partei.“ Ziemiak geht auch davon aus, dass es noch dauern wird, bis die Bundestagswahl 2021 entschieden sein wird. „Es wird noch ein sehr langer Wahlabend sein. Jetzt kann man noch nicht sagen, wer die Nase vorn haben wird“, prognostiziert der 36-jährige Politiker kurz nach Bekanntwerden der ersten Prognose. Allerdings gibt sich Armin Laschet siegessicher, der gebürtige Aachener interpretiert die Wahl-Ergebnisse als klaren Regierungsauftrag an die Union.

Was bedeuten diese Zahlen für die SPD? „Ich bin erstmal überglücklich. Wir haben uns als SPD zurückgekämpft, die SPD ist wieder da“, sagt SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil im ZDF. „Wir haben mit Olaf Scholz an der Spitze einen Wahlkampf hingelegt, der uns jetzt auf Platz Nummer eins gebracht hat. Das ist ein Wahnsinnserfolg“, wertet Lars Klingbeil das Ergebnis als Sieg. Denn für ihn sei klar, dass die SPD damit den Regierungsauftrag erhalten habe. „Wir wollen, dass Olaf Scholz Kanzler wird.“ Doch alles zu seiner Zeit. „Heute ist erst einmal ein Abend, wo wir feiern wollen. Heute ist ein Abend, wo wir ,Danke‘ sagen.“ Alles Weitere werde dann ab Montag in den Parteigremien entschieden, sobald das endgültige Ergebnis feststeht. Durch die Briefwahl-Ergebnisse sei laut Klingbeil in diesem Jahr ohnehin vieles anders.

Bundestagswahl: Parteien reagieren auf Ergebnis - Grüne und FDP zufrieden

Katrin Göring-Eckardt, Fraktionsvorsitzende der Grünen, ist mit dem Ergebnis zufrieden, wenngleich sich die Partei zuletzt mehr Prozentpunkte erhofft hat. „Wir sind sehr froh darüber. Es war eine Generationenwahl. Die Aufgabe ist größer als das Ergebnis, was wir heute Abend einfahren werden“, bilanziert Göring-Eckardt die ersten Wahlergebnisse. „Wir wollen Klimaschutz und Aufbruch miteinander verbinden“, laute die Marschroute der Grünen - auch in Koalitionsverhandlungen. Aktuell gebe es aber noch keine Aufschlüsse darüber, wie sich die Grünen in den Koalitionsverhandlungen positionieren. Aber: „Die Verhandlungen müssen sehr viel stringenter sein“, fordert Göring-Eckardt mit einem Fingerzeig auf die gescheiterten Jamaika-Koalitionsverhandlungen 2017. „Sie müssen sich um die Sachen drehen, die man dann auch bei Sondierungen verabreden kann. Das Entscheidende wird sein, dass man sich in den Verhandlungen in die Augen schaut und vertraut.“

Volker Wissing, FDP-Generalsekretär, sagte im ZDF: „Wir freuen uns riesig, zum zweiten Mal in Folge ein klar zweistelliges für die Freien Demokraten erzielt zu haben. Das zeigt: Die Wählerinnen und Wähler wollten uns stärken. Klar ist auch: Die Deutschen wollen keine rot-rot-grüne Bundesregierung. Auch das ist ein klares Signal an diesem Wahlabend.“ Auf die Frage nach möglichen Koalitionen sagte Wissing, dass die FDP auf Kurs bleibe. „Wir orientieren uns an unseren Inhalten. Aber klar ist auch, dass eine marktwirtschaftliche Partei, die Freiheit und eine individuelle Entscheidungsfreiheit verteidigt, ganz fest im deutschen Parteiensystem etabliert ist. Jetzt werden wir das erst einmal analysieren. Am Ende kommt es auch darauf an, wie es genau aussieht. Heute ist noch nicht der Zeitpunkt, um über Koalitionen zu sprechen.“

Bundestagswahl: Reaktionen auf Ergebnis - Linke sucht Fehler bei sich selbst

Auch Sarah Wagenknecht hat sich zu den vorläufigen Wahlprognosen geäußert, wonach die Linke gerade einmal auf fünf Prozent kommt und somit um den Einzug ins Parlament ringt. „Natürlich ist das eine bittere Niederlage“, räumt die Bundestagsabgeordnete der Linken ein. Wichtig sei es jetzt, über die Ursachen zu reden. „Wir haben jetzt seit mehreren Jahren maue Ergebnisse. Jetzt müssen wir bangen, überhaupt in den Bundestag zu kommen“, bilanziert Wagenknecht die Situation nüchtern. „Die Linke hat sich in den letzten Jahren immer mehr von dem distanziert, wofür sie eigentlich mal gegründet worden ist - nämlich als Interessenvertretung für normale Arbeitnehmer, Rentnerinnen und Rentner“, geht Wagenknecht auf Fehler-Suche. Doch sie betont auch: „Die Linke wird gebraucht. Die Gefahr ist sehr groß, dass die nächste Regierung die Kosten der Krise und die Schulden, die gemacht wurden, wieder auf die kleinen Leute abwälzt.“

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