1. come-on.de
  2. Politik

Kanzler Söder als spektakuläre Koalitions-Wende? Unions-Politiker wollen ihn offenbar in Stellung bringen

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Cindy Boden

Markus Söder bei der Verleihung des Bayerischen Verdienstordens
Markus Söder: CSU-Chef und bald doch Kanzler? (Archivbild) © Frank Hoemann/Sven Simon/Imago

Die Union will nicht in die Opposition, das ist deutlich zu spüren. Doch mit der SPD als Wahl-Gewinnerin bleiben nur wenige Optionen. Nun rückt offenbar Markus Söder in den Fokus.

München/Berlin - Markus Söder* setzt auf Macht. Das zeigte sich bereits im Duell mit Horst Seehofer in Bayern deutlich und auch im Kampf mit Armin Laschet* um die Kanzlerkandidatur. Söder zog April zwar zurück und räumte Laschet nach tagelanger Hängepartie im Wahlkampf die Führungsrolle ein - dennoch machte Söder mit Spitzen und Seitenhiebe immer wieder klar, wen er für den besten Kandidaten hält.

Und so blieb bei manchen in der Union die Hoffnung, dass es für Söder doch noch irgendeinen Weg gibt*, ins Kanzleramt zu kommen. Nach der Bundestagswahl* hört das nun offenbar nicht auf. Ein Bericht des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) lässt aufhorchen.

In der Union soll es Bestrebungen geben, den CSU-Vorsitzenden zu drängen, den entscheidenden Parteien - Grüne und FDP - Verhandlungen anzubieten, um eine „Jamaika-Koalition“ zustande zu bringen*. Und es geht noch weiter: Wenn Söder Erfolg hat, soll er sich sogar für die Wahl zum Bundeskanzler aufstellen lassen. Obwohl er kein Abgeordneter im Bundestag ist, wäre dies möglich.

Bundestagswahl 2021: Hat Söder doch noch eine Machtoption? Grünen-Coup könnte ihm helfen

Doch wie kommen die nicht genannten Personen darauf, das das funktionieren könnte? Da kommt offenbar der Glaube an Söders Machtwillen ins Spiel. In einigen CDU- und CSU-Kreisen werde Söders Festhalten an der Option Schwarz-Grün-Gelb als Zeichen gedeutet, schreibt das RND. Damit habe er sich eine Machtoption offengehalten.

Andere Faktoren könnten ebenfalls relevant werden, etwa die Rolle der Grünen*. Am Montag gab es Berichte, dass Robert Habeck bei Regierungseintritt Vize-Kanzler werden soll - nicht Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock. Der vor der Wahl heiß diskutierte Tausch könnte zum Vorbild für die Union werden. Als „Motivation“ werde das Signal der Grünen bei den Söder-Anhängern gesehen, so das RND. Außerdem hätten Habeck und Söder einen guten Draht zueinander. Das auf Baerbock gemünzte Verdikt „sie hatte ihre Chance“, würde dann wohl auch für Laschet gelten, mit dem die Union in ein historisches Tief fiel.

Druck auf Laschet steigt - CSU geht auf Distanz

Söder äußerte sich zunächst nicht zu den Überlegungen. Dass er für eine „Jamaika-Koalition“ mit Grünen und FDP wirbt, steht jedoch außer Frage. Schon bei der „Elefantenrunde“ in der ARD und im ZDF sprach er über gemeinsame Linien mit der Partei von Christian Lindner, holte teils auch Baerbock ins Boot.

Damit Söder den Vortritt bekommt, müsste Laschet aber Platz machen. In der Debatte um den Fraktionsvorsitz der Union steht der CDU-Chef schon ordentlich unter Druck. Rücktrittsforderungen gab es bereits am Montag. Die CSU - in Gestalt von Albert Füracker, bayerischer Finanzminister und Söder-Vertrauter - teilte ebenfalls offensiv aus*. Und nun soll auch Alexander Dobrindt klar gemacht haben: „Das muss die Woche der Entscheidung werden – über Kurs und personell.“ So jedenfalls zitiert ihn Welt-Journalist Robin Alexander bei Twitter. Damit würde es Widerstand gegen Laschets Plan geben, die Wahl des Fraktionschef zu verschieben, bis eine neue Regierung steht - und sich damit eine Machtposition offenzuhalten. Der Druck auf Laschet wächst. (cibo) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Auch interessant

Kommentare