Blackout-Gefahr

Regierung droht mit "Abschalt-Verbot"

Berlin - Die Bundesregierung droht Betreibern, die ihre Gas- oder Kohlekraftwerke in Kürze vom Netz nehmen wollen, mit einem vorübergehenden Abschalt-Verbot. Denn: Es besteht offenbar eine Blackout-Gefahr. 

Es gebe für den Winter womöglich eine Lücke von mehreren hundert Megawatt, um eine sichere Versorgung zu garantieren, hieß es in Koalitionskreisen. Da die steigende Ökostrom-Produktion ältere fossile Kraftwerke unrentabel mache, könnten bis zum Winter mehr Anlagen vom Netz gehen als erwartet.

Da es keine Meldepflicht gibt für Abschaltungen, sei die Lage derzeit ungewiss und das Problem womöglich nicht auf freiwilliger Basis zu lösen. Aus dem Bundeswirtschaftsministerium erfuhr die Deutsche Presse-Agentur, das Ministerium setze auf freiwillige Selbstvereinbarungen der Betreiber. Oberste Priorität habe aber die Versorgungssicherheit in Deutschland. „Vor diesem Hintergrund ist das Bundeswirtschaftsministerium jederzeit in der Lage, durch schnelle gesetzliche Änderungen die Versorgung sicherzustellen.“

Betreiber scheinen vor allem auf finanzielle Anreize zu hoffen

Möglich wäre eine Ergänzung des Energiewirtschaftsgesetzes, das derzeit ohnehin im Zuge neuer Haftungsregelungen für die Anbindung der Windparks in Nord- und Ostsee überarbeitet wird. Die Betreiber scheinen vor allem auf finanzielle Anreize zu hoffen, damit sie Anlagen am Netz lassen und so zur Entspannung der Lage beitragen.

Wegen der Stilllegung von acht Atomkraftwerken war bereits im vergangenen Winter die Situation angespannt. Die Bundesnetzagentur hatte vor dem Winter Reservekapazitäten mit einer Leistung von 2071 Megawatt in Deutschland und Österreich festgelegt. Diese fossilen Kraftwerke mussten mehrfach in Anspruch genommen werden.

Wind-und Solaranlagen stellen neuen Rekord auf

Die hohe Solar- und Windstromproduktion senkt seit Monaten die Einkaufspreise für Strom. Gerade mittags werden daher Kohle- oder Gaskraftwerke verdrängt. Wind-und Solaranlagen in Deutschland hatten erst am Freitag so viel Strom produziert wie noch nie. Zwischen 13 und 14 Uhr hätten Wind- und Solaranlagen mit einer Gesamtleistung von 31 500 Megawatt Strom in das deutsche Stromnetz eingespeist, teilte das Internationale Wirtschaftsforum Regenerative Energien (IWR) aus Münster mit. „Das ist ein neuer Rekord in Deutschland.“ Nach den Daten der Leipziger Strombörse sei der Anteil von Wind und Solar auf bis zu 45 Prozent an der Kraftwerksleistung geklettert.

Weniger Produktionsstunden bei viel Sonne und Wind - das bedeutet auch weniger Ertrag für die Betreiber konventioneller Kraftwerke. Im Winter aber werden gerade solche Kraftwerke gebraucht, weil es dann eine geringere Ökostrom-Produktion gibt und mehr Energie verbraucht wird. Verschärfend hinzu kommt, dass auch neue Gaskraftwerke bisher kaum geplant oder gebaut werden, die zur Abfederung des Atomausstiegs bis 2022 dringend gebraucht werden.

Damit kann eine ernsthafte Lücke bei der Versorgung drohen, wenn keine Lösung gefunden wird. Zumal Länder wie Frankreich wegen Eigenbedarf als Stromlieferanten im Winter wegfallen. Stephan Kohler, Geschäftsführer der Deutschen Energie-Agentur, sagte der dpa, besonders im Süden sei die Lage kritisch. Es müsse unbedingt die Höchstspannungsleitung durch den Thüringer Wald nach Bayern rasch fertiggestellt werden. Gerade auch vor dem Hintergrund, dass 2015 das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld abgeschaltet werden soll, und damit weitere konventionelle Kraftwerksleistung wegfallen wird.

dpa

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