Bildungsschock: Pisa-Debakel für Österreich

Wien - Bildungsschock bei unseren Nachbarn: Nach dem verheerenden Abschneiden der österreichischen Schüler bei der Pisa-Studie hat die Regierung eine umfangreiche Bildungsreform angekündigt.

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Das Alpenland diskutiert bereits seit Jahren über eine Veränderung des mehrstufigen Schulsystems, das dem in Deutschland sehr ähnelt. Bei der aktuellen Pisa-Studie haben sich österreichische Kinder und Jugendliche im Vergleich zu 2006 in den Bereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften verschlechtert. Parteien und Verbände reagierten am Dienstag erschüttert. “Es ist dringend notwendig, nun unsere Bildungsreform voranzutreiben“, sagte Bundeskanzler Werner Faymann als Reaktion auf die Ergebnisse. Unterrichtsministerin Claudia Schmied hatte die Resultate bereits am Montagabend als “schlecht, sogar sehr schlecht“ bezeichnet. Österreich nutze das Potenzial seiner Schüler nicht. Sie wolle sofort an der Umsetzung der notwendigen Reformen arbeiten.

Österreichs Kinder und Jugendliche haben in den Bereichen Naturwissenschaften (494 Punkte) und Lesen (470 Punkte) im Vergleich zu anderen Industrienationen unterdurchschnittlich abgeschnitten. Im Bereich Mathematik sind sie mit 496 Punkten gerade noch durchschnittlich. Deutsche und Schweizer Schüler sind in allen Bereichen deutlich besser. Insgesamt seien die Leistungen der Schüler in Österreich noch stark durch das Elternhaus, aber auch den Standort der Schule geprägt, lautete das Urteil der Tester. Kinder aus armen Migrantenfamilien schnitten deutlich schlechter ab, die Schulen könnten dies nicht ausgleichen. Auch wenn alle Verantwortlichen am Dienstag ihren Willen zu Reformen bekräftigten, wird über den Weg nach wie vor gestritten.

Die mit der sozialdemokratischen SPÖ in großer Koalition regierende konservative ÖVP lehnt nach wie vor das Konzept von Gesamtschulen ab. Die Konservativen wollen lieber Grundschulen und Kindergärten stärken. Die SPÖ will dagegen - wie von den Pisa-Testern empfohlen - die frühe Trennung der Kinder in verschiedene Schulformen aufheben. Einig sind sich die Koalitionspartner unter anderem bei mehr Ganztagesbetreuung und der Stärkung der Deutschkenntnisse von Migranten.

dpa

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