Aufregung um neuen Besitzer

„Berliner Zeitung“ arbeitet mit DDR-Experten die Stasi-Vergangenheit ihres Verlegers auf

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Holger Friedrich (l.) soll seinerzeit inoffizieller Mitarbeiter der Stasi gewesen sein.

Vor kurzem wurden Informationen über die Stasi-Vergangenheit des neuen Verlegers der „Berliner Zeitung“ publik. Bei der Aufarbeitung helfen prominente Experten.

  • Kürzlich wurde die Stasi-Vergangenheit des neuen Verlegers Holger Friedrich publik.
  • Die Zeitung möchte die Machenschaften von Friedrich journalistisch aufklären.
  • Dazu hat sie sich Unterstützung von prominenten Experten geholt.

Berlin - Für die Redaktion kam die Nachricht vollkommen überraschend. Der neue Besitzer des Berliner Verlags, Holger Friedrich, war Inoffizieller Mitarbeiter der Stasi. Nun wollen die Blätter die Vergangenheit ihres Verlegers journalistisch aufbereiten.

Berliner Zeitung möchte Stasi-Vergangenheit von Verleger Friedrich journalistisch aufarbeiten

Nach dem Bekanntwerden der Stasi-Kontakte des neuen Besitzers des Berliner Verlags, Holger Friedrich, will das Medienhaus den Fall journalistisch aufbereiten. „Wir werden Fakten sammeln, wir wollen die Akten - die Opfer- und die Täterakte - einsehen“, schrieben die Chefredakteure von „Berliner Zeitung“ und „Berliner Kurier“, Jochen Arntz und Elmar Jehn, am Montag in ihren Blättern. Die Redaktion werde sich ein Bild machen, Experten hinzuziehen und wolle auch mit Menschen reden, die in den Akten auftauchen. „Holger Friedrich hat der Redaktion ausdrücklich zugesichert, sie auf diesem Weg zu unterstützen.“

Die Zeitungen des Berliner Verlags wollten über den Fall berichten, wie sie auch sonst berichten würden. „Journalistisch klar und unabhängig“, schrieben Arntz und Jehn weiter. Der Berliner Unternehmer Friedrich hatte mit seiner Frau Silke unlängst den Berliner Verlag mit der „Berliner Zeitung“ und dem „Berliner Kurier“ von der DuMont-Mediengruppe übernommen.

DDR: Holger Friedrich war unter Decknamen für Stasi tätig 

Am Freitag (15. November) war bekannt geworden, dass Friedrich in der DDR zeitweise Inoffizieller Mitarbeiter der Stasi war. Wie die Welt am Sonntag berichtete, war er unter dem Decknamen „Peter Bernstein“ für das Ministerium für Staatssicherheit tätig. Demnach berichtete er während seines Wehrdienstes bei der Nationalen Volksarmee über Kameraden und belastete diese dem Bericht zufolge teilweise schwer. Friedrich selbst erklärte, er habe eine handschriftliche Verpflichtungserklärung bei der Stasi aus einer Notsituation nach einer Verhaftung heraus verfasst, um einer befürchteten Gefängnisstrafe zu entgehen. Er sei „nicht aktiv“ für die Staatssicherheit tätig gewesen. Bei der ersten Gelegenheit habe er sich dieser Notsituation entzogen und danach die Zusammenarbeit mit der Stasi verweigert.

Bei der journalistischen Aufarbeitung von Friedrichs Vergangenheit wolle die Redaktion auch klären, warum der Neu-Verleger nicht schon beim Kauf des Verlags über seine Stasi-Kontakte informiert habe. „Wir werden unseren Verleger dazu befragen. Wir wollen seine Beweggründe kennenlernen, wir wollen verstehen, wie seine Entscheidung zustande kam“, schreiben Arntz und Jehn.

Berliner Zeitung: Prominente Unterstützung für Stasi-Aufarbeitung

Nach Bekanntwerden der Stasi-Kontakte ihres neuen Verlegers Holger Friedrich bekommen die Zeitungen des Berliner Verlags prominente Unterstützung bei der journalistischen Aufbereitung des Falls. Die frühere Leiterin der Stasi-Unterlagen-Behörde, Marianne Birthler, und der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk werden der „Berliner Zeitung“ und dem „Berliner Kurier“ bei der Sichtung der Stasi-Akten Friedrichs helfen. Das teilten Birthler und Kowalczuk den Redaktionen mit, wie beide Blätter am Montagabend „in eigener Sache“ auf ihren Online-Seiten mitteilten. Der Historiker Kowalczuk ist ein Experte auf den Gebieten SED-Diktatur und Stasi.

Erst kürzlich wurde überraschenderweise der Stasi-Ausweis von Vladimir Putin gefunden. Frank Walter-Steinmeier richtete derweil emotionale Worte an Michail Gorbatschow.

jw/dpa

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