Die Krise stellt den Alltag auf den Kopf

Bargeld, fliegen, tanken: So geht's den Griechen

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Einkaufen in einem griechischen Supermarkt lässt sich derzeit noch meist durch Kartenzahlung abwickeln, auch wenn das Angebot manchmal zu wünschen übrig lässt. Die Lebensmittelbranche warnt davor, dass Fleisch und Milchprodukte bald knapp werden könnten. 

Athen - Wie ergeht es den Menschen in Griechenland, während ihre politische Führung mit den Geldgebern um Schulden, Sparpläne und Reformen streitet? Nicht nur weil die Banken geschlossen sind, stellt das Schulden-Drama mittlerweile vieles auf den Kopf.

Bargeld

Der erste Gang am Morgen führt viele Griechen nicht zur Arbeit ins Büro oder ins Geschäft, sondern zu einem Geldautomaten. Dort heißt es erstmal Geduld beweisen und anstehen - denn viele warten vor den Automaten, um die zugelassene Tagesration von 60 Euro abzuheben.

Banken

Wegen der Finanzkrise sind die Banken in Griechenland seit Tagen geschlossen. Wann sie zum normalen Betrieb zurückkehren werden, ist derzeit noch völlig unsicher.

Einkaufen & Ausgehen 

Ihre Einkäufe können die Griechen größtenteils mit Bank- oder Kreditkarten bezahlen. In den Supermärkten funktioniert das fast überall reibungslos.

Anders sieht es bei vielen Tavernen aus: Hier wird meist die Zahlung mit Bargeld verlangt. Die Gäste bekommen in den Gaststätten vom Kellner häufig die Ausrede zu hören: „Es tut uns leid, aber unser Kartenlesegerät ist leider defekt.“  

Tanken

„Ochi kartes“ (keine Kartenzahlung) steht an vielen Zapfsäulen. Die Tankstellen-Betreiber lassen sich dabei auch nicht davon aufhalten, dass dieses Vorgehen eigentlich illegal ist.

Lohn & Gehalt

Aufgrund der sogenannten Kapitalverkehrskontrollen würden viele Griechen ihre Gehälter derzeit lieber wie früher in Lohntüten ausgezahlt bekommen. Dies geht aber nicht. „Ich habe selbst kein Bargeld“, sagt der Besitzer eines Athener Schuhgeschäfts. „Was soll ich machen? Ich bekomme selbst pro Tag nur 60 Euro aus dem Automaten. Damit kann ich meine Angestellten nicht bezahlen.“ Die Unternehmer überweisen die Gehälter über das Internet, und die Beschäftigten müssen dann zusehen, wie sie an ihr Geld kommen.

Reisen

Am Mittwoch kam die schlechte Nachricht für alle Griechen, die jetzt eine Flugreise planen: Die Griechen können Flugtickets nur noch gegen Barzahlung oder Zahlung mit einer nicht in Griechenland ausgegebenen Kreditkarte erhalten.

Lebensmittelbranche warnt vor Engpässen 

Die Lebensmittelbranche warnt jedoch davor, dass Fleisch und Milchprodukte bald knapp werden könnten. Der Grund: Diese Produkte führt Griechenland zu einem großen Teil aus dem Ausland ein, einheimische Produzenten müssen Futtermittel importieren; zur Bezahlung der Importe bedarf es einer Sondergenehmigung, weil Überweisungen ins Ausland grundsätzlich untersagt sind.

Nebenwirkungen der Krise

Die Krise und der Mangel an Bargeld führen dazu, dass Pfandhäuser wie Pilze aus dem Boden sprießen. Solche Etablissements waren in Griechenland bis vor kurzem fast unbekannt. Jetzt gibt es in Athen in jedem Stadtteil gleich mehrere Läden, die Schmuck, Gold und andere Wertsachen aufkaufen.

js/dpa

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