Atomkraftwerke noch 60 Jahre am Netz?

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Die schwarz-gelbe Bundesregierung in Berlin erwägt nach einem Medienbericht, Atomkraftwerke noch bis zu 60 Jahre am Netz zu lassen.

München - Die schwarz-gelbe Bundesregierung in Berlin erwägt nach einem Medienbericht, Atomkraftwerke noch bis zu 60 Jahre am Netz zu lassen.

Das meldet die "Süddeutschen Zeitung". Danach haben sich Umwelt- und Wirtschaftsministerium sowie das Kanzleramt darauf verständigt, auch eine Laufzeitverlängerung um 28 Jahre förmlich prüfen zu lassen. Nach dem bisher geltenden Atomausstieg müssen die Reaktoren abgeschaltet werden, sobald sie eine Strommenge erzeugt haben, die 32 Jahren Betrieb entspricht.

Erst vorige Woche hatten die drei Ressorts vereinbart, von Gutachtern vier Szenarien errechnen zu lassen. Ursprünglich unterstellten sie Laufzeitverlängerungen von fünf, zehn, 15 und 20 Jahren, nun verschiebt sich der Korridor dem Bericht zufolge deutlich nach hinten: Laut “Süddeutscher Zeitung“ will die Koalition zwar weiterhin vier Szenarien errechnen lassen, nun aber für vier, zwölf, 20 und 28 Jahre. Das hätte zur Folge, dass der letzte deutsche Reaktor erst nach 2050 abgeschaltet würde.

Damit hätte sich das atomkraftfreundliche Lager innerhalb der Union durchgesetzt. Allerdings handele es sich dabei “lediglich um vorläufige Berechnungen“, sagte Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) der Zeitung. “Damit ist noch keine Vorentscheidung getroffen.“ Röttgen tritt für eine deutlich knapper bemessene Verlängerung ein. Distellvertretendede Grünen-Fraktionschefin Bärbel Höhn bezeichnete den Vorstoß als “sicherheitspolitisch verantwortungslos“. Er zeige, “dass die atompolitischen Hardliner in der Union wieder Oberwasser bekommen“.

SPD-Fraktionsvizechef Ulrich Kelber warnte, die Koalition gefährde die Entwicklung alternativer Energien. “Wer die Atomlaufzeiten verlängert, der bringt den Ausbau erneuerbarer Energien zum Erliegen.“ Die Industrie begrüßte dagegen die Kurskorrektur: “Längere Laufzeiten von insgesamt 60 Jahren werden die Strompreise stark dämpfen“, sagte BDI-Geschäftsführer Werner Schnappauf.

dapd

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