Nach Rücktritt von Rapanos

Athen: Ökonomieexperte übernimmt Finanzen

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Yiannis Stournaras ist der neue Finanzminister Griechenlands.

Athen - Erleichterung in Athen: Der renommierte Ökonomieprofessor Ioannis Stournaras soll neuer Finanzminister im pleitebedrohten Griechenland werden.

Das teilte das Büro von Ministerpräsident Antonis Samaras am Dienstag mit. Der 55-jährige Wirtschaftsexperte von der Universität Athen fordert seit Jahren Reformen und eine Verschlankung des Staates. Dies sei der einzige Ausweg aus der schlimmsten Krise in der jüngeren Geschichte des Landes.

„Wir haben einen holprigen Weg vor uns. Wir müssen regelrecht Mauern von etablierten Kreisen und Denkweisen durchbrechen, die die Reformen nicht wollen“, sagte Stournaras laut TV-Berichten vom Dienstag bei einer Buchpräsentation in Athen. „Wir werden es aber schaffen“, gab er sich überzeugt. Stournaras war in den vergangenen Wochen Wirtschaftsminister der Interimsregierung, die Griechenland zu den Wahlen am 17. Juni führte.

Sieger und Verlierer der Griechenland-Wahl

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Der 55-Jährige setzt sich vehement für den Verbleib Griechenlands im Euroland ein. Er hatte bereits an den Verhandlungen zum Beitritt seines Landes zum Euroland teilgenommen. Stournaras ist auch Chef des griechischen Instituts für Ökonomie- und Industrieforschung (IOWE). Er hat viel Erfahrung als Mitarbeiter der griechischen Zentralbank (Bank of Greece) und Vorstand der griechischen Handelsbank (Commercial Bank).

Wann Stournaras vereidigt wird, blieb zunächst unklar. Ungewiss war auch, ob er schon an diesem Donnerstag an dem EU-Gipfel in Brüssel teilnehmen wird. Denn es gibt noch ein „hoffentlich letztes“ Gesundheitsproblem, wie viele Griechen sagen: Regierungschef Samaras muss nach einer Augenoperation diese Woche zu Hause bleiben. Aus diesem Grund kann auch der neue Finanzminister nicht vereidigt werden. Das Protokoll sieht die Präsenz des Ministerpräsidenten bei der Vereidigung vor. Griechenland wird beim bevorstehenden EU-Gipfel von seinem Präsidenten Karolos Papoulias vertreten.

„Endlich haben wir einen Kapitän am Steuer. Hoffentlich ist es nicht zu spät“, sagte ein Beobachter zur Ernennung Stournaras'. In fast allen Bereichen sind die Kassen leer. Vor allem das Gesundheitssystem leidet darunter.

Der designierte Finanzminister Vasilios Rapanos hatte aus gesundheitlichen Gründen auf sein Amt verzichtet. Er musste nach einem Schwächeanfall am Wochenende im Krankenhaus behandelt werden.

dpa

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