Debatte über Rückzug der SPD-Chefin

Anne Will: Scholz überrascht mit klarer Ansage - Runde stellt Nahles schlechtes Zeugnis aus

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Olaf Scholz am Sonntagabend bei „Anne Will“.

Der Rücktritt von Andrea Nahles sorgt auch für Turbulenzen im Abendprogramm der ARD. Talkerin „Anne Will“ änderte kurzfristig das Thema - und lud einen Politiker aus.

Update 22.37 Uhr: In letzter Minute hatte die „Anne Will“-Redaktion das Thema für den sonntäglichen TV-Talk geändert: Andrea Nahles‘ Rücktritt schien den Machern offenbar als Pflicht-Thema. Und, Überraschung: Schon in den ersten Minuten der Sendung war eine handfeste Erkenntnis zu verbuchen. Mit Olaf Scholz wies ein im Prinzip aussichtsreicher Kandidat jegliche Ambitionen auf die Nachfolge an der SPD-Spitze weit von sich.

„Es wäre völlig unangemessen, wenn ich das als Vizekanzler und Bundesminister machen würde, das geht zeitlich gar nicht“, erklärte Scholz auf Nachfrage Wills. Und erklärte auf weiteres Insistieren: Diese Haltung gelte nicht nur für die Interimsnachfolge, sondern für die Suche nach einem dauerhaften Nachfolger für Nahles. „Ich will nicht SPD-Vorsitzender werden. Das geht beides nicht zusammen“, sagte der Vizekanzler.

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Anne Will: Runde findet Nahles‘ Rückzug angemessen - Röttgen richtet Appell an die GroKo

Die Runde zeigte sich unterdessen bestenfalls über den Zeitpunkt, nicht aber über den Abschied Nahles‘ als solchen überrascht.  Der Europawahl-Wahlkampf sei „langweilig“ gewesen, urteilte SZ-Journalistin Cerstin Gammelin, Spitzenkandidatin Katarina Barley sei auf verlorenem Posten gestanden, auch mit ihren Themen sei die SPD nicht durchgedrungen. Daran habe zwar auch Juso-Chef Kevin Kühnert mit dem Wirbel um seine Sozialismus-Thesen seinen Anteil gehabt - insgesamt stellte sie Nahles aber ein schlechtes Zeugnis aus.

„Im Kern war der Punkt erreicht, an dem sie diese Entscheidung richtigerweise und notwendigerweise getroffen hat“, erklärte CDU-Politiker Norbert Röttgen. Anders beurteilte er die Lage der GroKo: Dass die schwarz-rote Regierung vor dem Aus stehe, sei „falsch zu sagen“, versicherte er. „Aber es muss anders werden. Es kann kein Weiter-So geben“, fügte Röttgen hinzu. Völlig neu klang dieser Appell an die Regierungsparteien allerdings nicht.

Scholz hielt sich an dieser Stelle allerdings zurück. Ihn verbinde eine politische Freundschaft mit Nahles, die weiter anhalte, erklärte Scholz - und verriet, dass er in den vergangenen Tagen in engem Austausch mit der scheidenden Parteichefin gestanden sei. Über Inhalte der Gespräche wollte der Vizekanzler allerdings keine Auskunft geben.

Vorschau: Anne Will ändert Thema in letzter Minute - und lädt CDU-Politiker aus

München - Just an einem Sonntag hat Andrea Nahles ihren Rücktritt als SPD-Chefin erklärt - und damit auch eine Änderung im Abendprogramm des Ersten bewirkt. Denn im Polit-Talk von Anne Will geht es nun nicht, wie ursprünglich geplant, um einen neuen „grüneren“ Kurs der GroKo. Stattdessen wird nun über die Zukunft der GroKo insgesamt debattiert.

Der Hintergrund: Nahles galt als eine wichtige Fürsprecherin des umstrittenen Regierungsbündnisses in der SPD. Beim entscheidenden Parteitag der Genossen peitschte sie die Zustimmung der Partei zu einer Neuauflage der Großen Koalition mit einer leidenschaftlichen Rede durch - gegen den Widerstand von Kritikern wie Juso-Chef Kevin Kühnert. 

Nun könnte die Statik der Koalition ins Wanken kommen. Schließlich wird die Krise der SPD nicht nur Nahles, sondern vor allem der Regierungsbeteiligung der Sozialdemokraten angelastet. Denkbar, dass nun einige Parteimitglieder die Möglichkeit sehen, der Koalition zu entkommen.

TV-Talk mit Anne Will: Thema nach Nahles-Rücktritt geändert - Scholz spricht für SPD

Für die Genossen ist das geänderte Talk-Thema mit Sicherheit das kleinste Problem an diesem Sonntagabend. Ein Politiker aus CDU-Reihen könnte sich aber über die unerwartete Wende ärgern. Denn angesichts des veränderten Themas wurde auch die Gästeliste bei „Anne Will“ verändert. Zulasten von Youngster Philipp Amthor. Der 26-jährige Abgeordnete war zuletzt in Zusammenhang mit dem Angriff des Youtubers Rezo auf die CDU im Blickpunkt gestanden - und wurde nun kurzfristig wieder ausgeladen.

Er wird am Sonntagabend nun doch nicht bei „Anne Will“ zu Gast sein: Der CDU-Abgeordnete Philipp Amthor (hier im Bundestag).

Aus der ursprünglich geladenen Gästeriege werden nur die Klima-Aktivistin Luisa Neubauer und die SZ-Journalistin Cerstin Gammelin am Sonntag tatsächlich vor die Kameras treten. Neu hinzugekommen sind Vizekanzler und SPD-Vize Olaf Scholz und CDU-Politiker Norbert Röttgen.

Anne Will am Sonntagabend im Ersten: Amthor wird ausgeladen - und reagiert gelassen

Thematisiert werden sollen unter anderem die Ergebnisse der CDU-Klausur vom Sonntagabend, aber auch die Frage, ob die Regierungsparteien die richtigen Schlüsse aus den Verlusten bei der Europawahl ziehen. Schließlich hatte auch die Wahl-Analyse von CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer in der vergangenen Woche hohe Wellen geschlagen - Stichwort „Meinungsmache“.

„Anne Will“ geht an diesem Sonntag um 22.00 Uhr auf Sendung. Amthor nahm die Geschehnisse übrigens gelassen zur Kenntnis. „Der heutige Rücktritt von Andrea Nahles hat für mächtig Wirbel gesorgt. Das gilt auch für das Thema und die Gäste der aktuellen Sendung von Anne Will, bei der heute Abend deshalb andere diskutieren“, erklärte er auf seiner Facebook-Seite mit. Und teilte seine Meinung zum Thema des Abends in einem knappen Satz mit seinen Followern: „Wir stehen zu unserer Regierungsverantwortung.“

Nach dem Rücktritt von Andrea Nahles steht die SPD vorerst ohne Führung da. Am Montagvormittag trifft sich der Parteivorstand, um über das weitere Vorgehen zu beraten.

fn

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