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Baerbock zu Putins Ukraine-Plan: „Wahnvorstellung nicht aufgegangen“

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Von: Astrid Theil

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Annalena Baerbock
Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) © Bernd von Jutrczenka/dpa

Annalena Baerbock sichert der Ukraine auch weiterhin Hilfe zu und spricht sich gegen einen Streckbetrieb der verbliebenen Atomkraftwerke aus.

Berlin - Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) hat der Ukraine notfalls jahrelange Unterstützung im Krieg gegen Russland zugesichert. „Wir müssen leider davon ausgehen, dass die Ukraine auch im nächsten Sommer noch neue schwere Waffen von ihren Freunden braucht“, sagte Baerbock der Bild am Sonntag. „Die Ukraine verteidigt auch unsere Freiheit, unsere Friedensordnung. Und wir unterstützen sie finanziell und militärisch - und zwar so lange es nötig ist. Punkt.“ Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine dauert inzwischen seit mehr als einem halben Jahr an.

Baerbock betonte im Interview, dass der Krieg noch Jahre dauern könnte. Ein schneller Sieg Putins habe man aber verhindern können: „Die Wahnvorstellung des russischen Präsidenten, die Ukraine in kürzester Zeit einzunehmen, ist nicht aufgegangen. Der Mut der Ukrainer und auch die internationalen Waffenlieferungen haben dazu geführt, dass die russischen Soldaten ihre Paradeuniformen für den Sieg nicht auspacken konnten.“ Dies solle auch weiterhin unbedingt verhindert werden.

Ukraine-Krieg: „Es ist Putins Krieg“

Die Außenministerin verteidigte auch den Anspruch der Ukraine auf die von Russland annektierte Schwarzmeer-Halbinsel Krim. „Auch die Krim gehört zur Ukraine. Die völkerrechtswidrige Annexion von 2014 hat die Welt nie anerkannt.“ Zu Waffenlieferungen an die Ukraine äußerte sich die Außenministerin ebenfalls. Deutschland liefere schwere Waffen, allerdings verfüge die Bundeswehr nur über einen geringen Bestand der benötigten einsatzbereiten, hochmodernen Verteidigungssysteme.

Baerbock betonte im Interview, dass der Ukraine-Krieg „Putins Krieg“ sei, weil er nicht demokratisch regiere. Eine Kriegsmüdigkeit und ein Nachlassen an Solidarität mit der Ukraine sehe die Außenministerin aktuell nicht: „Ich erlebe weiterhin unglaublich viel Unterstützung für die Ukraine“. Wichtig sei es, eine soziale Spaltung Europas durch „Putins Energiekrieg“ zu verhindern. Aufrufe zu großen Protesten im Herbst durch AfD und Linke sehe sie kritisch: „Politiker und Parteien, die sich so für Putins Spiel einspannen lassen, sollten sich erinnern, was für ein Glück es ist, dass wir in einem demokratischen Land leben, in dem freie Meinungsäußerung und auch Proteste möglich sind.“

Baerbock: Keine Verlängerung der AKW-Laufzeit

Die im Zusammenhang der Energie-Krise diskutierte Verlängerung der Laufzeit der drei verbliebenen Atomkraftwerke lehnt Baerbock derweil ab. „Ich bin nicht überzeugt, dass Atomkraftwerke unser Gasproblem lösen werden“, sagt sie im Interview. Denjenigen, die gerade über Atomkraft redeten, gehe es nicht um den Streckbetrieb. „Sie wollen eine Rolle rückwärts zur Atomkraft. Wir haben für das Hin und Her beim Atomausstieg im letzten Jahrzehnt viele Milliarden bezahlt. Das jetzt wieder umzuwerfen, wäre Irrsinn und würde uns noch teurer zu stehen kommen.“ (at/dpa)

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