Sopron: Feier zum Fall des Eisernen Vorhangs 

Merkel feiert das offene Grenztor - Orban zieht vor seiner Lieblingsgegnerin den Hut

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Spannungen: Merkel und Orban feiern den Fall des Eisernen Vorhangs. 

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lobt auf den Feierlichkeiten zum Fall des Eisernen Vorhangs in Ungarn das offene Grenztor im August 1989: „Wesentlicher Baustein zur Vereinigung Europas“.

Update vom 19. August 2019, 15.33 Uhr:

Der Ton macht die Musik. Unter diesem Motto zeigte sich Ungarns Regierungschef Viktor Orban gegenüber seiner einstigen Lieblingsgegnerin Angela Merkel nun von seiner fast charmanten Seite. „Nach den Gesetzen der Ritterlichkeit ziehen wir den Hut von Weitem vor hart arbeitenden und erfolgreichen Damen“, verbeugte sich Orban rhetorisch vor der deutschen Kanzlerin. Der 56-Jährige schien am Montag im westungarischen Sopron fest entschlossen, den Festakt zum 30. Jahrestag der ersten Massenflucht von DDR-Bürgern mit einem Aufbruchsignal in den getrübten ungarisch-deutschen Beziehungen zu verbinden. Die harte Haltung Orbans in der Migrationsfrage, sein Bestehen auf nationale Interessen, sein Eintreten für die illiberale Demokratie hatten Berlin und Budapest entfremdet.

Nun sprach Orban gleich mehrfach von seiner und der Wertschätzung Ungarns für die Kanzlerin, gerade in ihren europapolitischen Bemühungen. Deutschland und Ungarn verbinde ein „besonderes Verhältnis“, so der starke Mann aus Budapest, der die Willkommenspolitik Merkels („Wir schaffen das“) während des Höhepunkts des Flüchtlingsandrangs scharf missbilligt hatte.

Merkel ihrerseits verzichtete in ihrer Ansprache in der Evangelischen Kirche von Sopron darauf, direkt in alten Wunden zu wühlen. Lieber dankte sie den mutigen Ungarn von damals, die die DDR-Bürger bei der Flucht anlässlich des Paneuropäischen Picknicks nahe der ungarisch-österreichischen Grenze unterstützt hatten.

Merkel feiert das offene Grenztor als „wesentlichen Baustein zur Vereinigung Europas“

Update vom 19. August 2019, 14.44 Uhr: Das grenzüberschreitende Picknick am 19. August sei ein "wesentlicher Baustein zur Vereinigung Europas" gewesen, sagte Merkel bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban. Merkel bedankte sich für den "Mut, der damals aufgebracht wurde". Deutschland werde Ungarn dies nicht vergessen.

Etwa 600 Urlauber aus der DDR hatten das von der ungarischen Opposition und der Paneuropa-Union veranstaltete Picknick am 19. August 1989 spontan zur Flucht in den Westen durch ein kurzzeitig geöffnetes Grenztor genutzt, ohne dass die ungarischen Grenzsoldaten einschritten.

Merkel begrüßte auch die von der designierten EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) angekündigte Politik, die "alle Mitgliedstaaten noch besser vereint". Auch einen "Neustart" in der Migrationspolitik, den von der Leyen angekündigt hatte, befürwortete Merkel bei ihrem Besuch in Ungarn.

Merkel in Ungarn: Orban gilt als einer der schärfsten Kritiker von Merkels Migrationspolitik

Zwar gebe es zwischen Berlin und Budapest auch "unterschiedliche Meinungen", sagte Merkel. Um aber in der Migrationspolitik zu Lösungen zu kommen, "sollten wir bei den Gemeinsamkeiten ansetzen", sagte Merkel. So seien sich Deutschland und Ungarn etwa einig darin, dass Fluchtursachen bekämpft und der Grenzschutz an den EU-Außengrenzen verbessert werden müssten. "Wir müssen den Schleppern und Schleusern das Handwerk legen", betonte Merkel.

Orban gilt als einer der schärfsten internationalen Kritiker von Merkels Migrationspolitik. Beim letzten Treffen der beiden Regierungschefs vor mehr als einem Jahr in Berlin hatte Merkel ihren ungarischen Kollegen zu mehr "Menschlichkeit" in der Flüchtlingspolitik aufgerufen.

Merkel zu Feierlichkeiten zum Fall des Eisernen Vorhangs in Ungarn eingetroffen

Erstmeldung vom 19. August 2019: Sopron - In der ungarischen Grenzstadt Sopron gedenkt Merkel am Montag gemeinsam mit dem ungarischen Regierungschef Viktor Orban der auch als "Paneuropäisches Picknick" bezeichneten Grenzöffnung vor 30 Jahren. Merkel hatte im Vorfeld die Dankbarkeit Deutschlands gegenüber Ungarn zum Ausdruck gebracht.

Merkel landete mit dem Hubschrauber in Sopron, bevor sie Orban zu einem ökumenischen Gottesdienst begleitete. Im Anschluss an den Gottesdienst waren ein Arbeitsessen sowie eine gemeinsame Pressekonferenz (12:45 Uhr) geplant.

Angela Merkel in Ungarn zu Feierlichkeiten zum Fall des Eisernen Vorhangs eingetroffen

Das Verhältnis zwischen Merkel und dem EU-Kritiker Orban gilt als äußerst angespannt. Vor allem in der Flüchtlingspolitik trennen die beiden Regierungschefs "Meinungsverschiedenheiten", wie Regierungssprecher Steffen Seibert vor dem Treffen einräumte. Bei den geplanten Gesprächen zwischen Merkel und Orban sollte es laut Seibert um aktuelle politische Ereignisse gehen.

Das letzte Treffen zwischen Orban und Merkel liegt mehr als ein Jahr zurück. Damals hatte Merkel Orban zu mehr "Menschlichkeit" in der Migrationspolitik aufgerufen.

Das grenzüberschreitende Picknick war von der ungarischen Opposition und der Paneuropa-Union des letzten österreichischen Erbprinzen Otto von Habsburg organisiert worden. Etwa 600 Urlauber aus der DDR hatten das Picknick spontan zur Flucht in den Westen durch ein kurzzeitig geöffnetes Grenztor genutzt, ohne dass die ungarischen Grenzsoldaten einschritten. Das Ereignis gilt als einer der wichtigsten Auslöser für die massenhafte Ausreise von DDR-Bürgern, was weniger als drei Monate später zum Fall der Berliner Mauer führte.

dpa

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