Amtsvormundschaften sollen begrenzt werden

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“Das Schicksal von Kevin darf sich nicht wiederholen“, schrieb die FDP-Politikerin.

Berlin - Nicht zuletzt als Konsequenz aus dem Fall Kevin will Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger die Zahl der Kinder, die ein amtlicher Vormund betreut, stark beschränken.

In einem Gastbeitrag für “Bild am Sonntag“ schrieb die FDP-Politikerin: “Ich will sicherstellen, dass jeder Vormund seine Schützlinge regelmäßig sieht. Deshalb muss im Gesetz festgeschrieben werden, dass ein Amtsvormund maximal 50 Kinder betreut.“

In der vergangenen Woche hatte in Bremen der Prozess gegen einen ehemaligen Jugendamts-Mitarbeiter wegen des gewaltsamen Todes des zweijährigen Kevin im Jahr 2006 begonnen. Dem inzwischen pensionierten Mann wird vorgeworfen, als Amtsvormund nicht rechtzeitig für eine Trennung Kevins von seinem Ziehvater gesorgt zu haben. Leutheusser-Schnarrenberger schrieb: “Über 230 Kinder sollte Kevins Vormund betreuen - das sind acht Schulklassen gleichzeitig.“ Die Arbeitsbelastung vieler Amtsvormünder sei bis heute mit 120 Kindern und mehr unerträglich. “Kinder passen nicht zwischen zwei Aktendeckel“, fügte die Ministerin wörtlich hinzu.

Gefahren ließen sich nicht vom Schreibtisch aus wittern. “Wir brauchen den direkten Draht zwischen Vormund und Kindern.“ Leutheusser-Schnarrenberger will aber nicht allein den beteiligten Mitarbeitern die Schuld geben. “Neben dem Vormund sitzt die Politik auf der Anklagebank. Zu recht“, räumte sie ein.

Sofort nach ihrem Amtsantritt habe sie ein Gesetz zur Änderung des Vormundschaftsrechts auf den Weg gebracht. Nach Beteiligung der Länder werde demnächst das Bundeskabinett darüber beschließen. “Das Schicksal von Kevin darf sich nicht wiederholen“, schrieb die FDP-Politikerin. Kinder seien wehrlos gegen Gewalt und Vernachlässigung. Der Rechtsstaat sei in der Pflicht, wenn der Schutz der Familie versage.

apn

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