Ungeklärte Umstände

Nawalnys Lebensretter (55) „plötzlich“ verstorben - „Er wusste mehr als jeder andere über Alexejs Zustand“

In diesem Auszug aus einem vom Bezirksgericht Babuskinsky zur Verfügung gestellten Video steht der russische Oppositionsführer Alexej Nawalny während einer Anhörung zu seiner Anklage wegen Verleumdung im Bezirksgericht Babuskinsky in einem Glaskasten.
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Kreml-Kritiker Alexej Nawalny steht vor Gericht. Unterdessen ist der Arzt, der ihn behandelte, verstorben.

Der russische Oppositionelle Alexej Nawalny kollabierte im vergangenen August auf einem Flug. Der Arzt, der ihm nach der Notlandung das Leben rettete, ist nun überraschend verstorben.

  • Im sibirischen Omsk ist ein Arzt, der Alexej Nawalny* behandelt hatte, unerwartet verstorben.
  • Sergej Maksimischin hatte dem Kremlkritiker nach dessen Vergiftung das Leben gerettet.
  • Nawalny selbst steht unterdessen in Moskau erneut vor Gericht, ihm droht eine harte Strafe.

Moskau/Omsk - „Plötzlich verstorben“ ist der russische Arzt, der im vergangenen August Alexej Nawalny behandelte. Das teilt sein Arbeitgeber, eine Klinik in Omsk, mit. Sergej Maksimischin war der stellvertretende Chefarzt für Anästhesiologie und Reanimation des Krankenhauses, in dem der Kremlkritiker Nawalny direkt nach einem Giftanschlag eingeliefert wurde.

Leonid Wolkow, ein hochrangiger Mitarbeiter von Nawalny, bestätigt gegenüber CNN, dass Maksimischin für die Behandlung Nawalnys verantwortlich war. „Er wusste mehr als jeder andere über Alexejs Zustand“, erklärt er weiter. Nun ist Nawalnys Lebensretter tot. Eine offizielle Todesursache gibt es nicht. Die britische Daily Mail berichtet von einem Herzversagen bei dem 55-Jährigen. Wolkow zufolge, könne man aber auch ein „falsches Spiel“ nicht ausschließen. Allerdings sei das russische Gesundheitssystem sehr schlecht und es sei nicht ungewöhnlich, dass Ärzte in seinem Alter plötzlich sterben.

Alexej Nawalny: Nach seiner Vergiftung in Russland wurde er zu Behandlung nach Deutschland geflogen

Immer wieder kommen in Russland Oppositionelle unter teils fragwürdigen Umständen ums Leben*. Wolkows Chef Nawalny geht davon aus, dass ein solches Ableben auch für ihn geplant war. Er war im August 2020 auf einem Flug plötzlich kollabiert. Nach der Notlandung in der Stadt Omsk wurde er in ein Krankenhaus eingeliefert. Dort behandelte ihn Maksimischin und war damit wesentlich daran beteiligt, dem Putin-Gegner das Leben zu retten.

In diesem Krankenhaus im sibirischen Omsk wurde Alexej Nawalny behandelt. Einer seiner Ärzte ist nun plötzlich verstorben.

Im Anschluss wurde Nawalny viele Wochen in Deutschland, in der Berliner Charité, weiter behandelt. Dort stellten auch mehrere Labore fest, dass es sich um eine Vergiftung mit dem Kampfstoff Nowitschok fest. Russland hingegen gibt an, man habe bei Nawalny keine Vergiftung nachweisen können und leite deshalb keine Ermittlungen ein. Der Oppositionelle selbst macht die russische Regierung für den Anschlag verantwortlich. Der Fall sorgte für Spannungen in der deutsch-russischen Beziehung*.

Russland: Nawalnys Arzt plötzlich verstorben, der Kremlkritiker indessen erneut vor Gericht

Der Putin-Gegner war nach seiner Genesung Mitte Januar wieder in sein Heimatland zurückgekehrt und von den Behörden festgenommen worden. Am Dienstag hat ihn ein Gericht in Moskau wegen angeblicher Verstößen gegen Bewährungsauflagen zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Zwei Jahre und acht Monate muss er in ein Straflager. Die Entscheidung der Richter hatte in Russland für eine Protestwelle gesorgt. Zehntausende Menschen waren zuletzt für Nawalnys Freilassung und gegen Kreml-Chef Wladimir Putin* auf die Straße gegangen.

Unterdessen ist in Moskau ein weiterer Prozess gegen Nawalny wegen der Verleumdung eines Weltkriegsveteranen angelaufen. Der 44-Jährige erschien am Freitag vor Gericht - in einem für Angeklagte vorgesehenen Glaskasten, wie ein AFP-Reporter berichtete. Im Falle einer Verurteilung droht sich seine Haftstrafe um mehrere Jahre zu verlängern. Auch eine Geldstrafe von umgerechnet bis zu 56.000 Euro wäre möglich.

Nawalny hatte das Video eines Weltkriegsveteranen, der sich darin für Putins Verfassungsreferendum aussprach, auf Twitter geteilt und den Veteranen und andere Menschen als „Schande für das Land“, „Menschen ohne Gewissen“ und „Verräter“ bezeichnet. Ein Urteil wird am Freitag noch nicht erwartet. (mam mit dpa/AFP) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes

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