Kein Strategiewechsel nach Toten in Afghanistan

+
Bundeswehrsoldaten tragen am Ostersonntag auf dem Flughafen von Termes in Usbekistan den Sarg eines Gefallenen an einem Spalier von Kameraden vorbei.

Berlin/Kundus - Nach dem tödlichen Feuergefecht zwischen Taliban und Bundeswehrsoldaten hält die Regierung an ihrer Afghanistan-Strategie fest.

Lesen Sie dazu auch:

Guttenberg: Man kann "von Krieg reden"

Drei deutsche Soldaten bei Hinterhalt in Afghanistan getötet

Anderenfalls drohe eine Destabilisierung der Region, warnte Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Der CSU-Politiker bekräftigte seine Auffassung, dass die Kämpfe in Afghanistanumgangssprachlich “Krieg“ genannt werden sollten. Die am Karfreitag getöteten drei Soldaten wurden mit militärischem Zeremoniell den Heimatverbänden und ihren Angehörigen übergeben. Guttenberg betonte, es handele sich zwar um einen Bürgerkrieg mit internationaler Beteiligung.

Auch wenn es nicht jedem gefalle, könne man aber “umgangssprachlich von Krieg reden“. Es dürfe nicht sein, dass man sich bei der Beschreibung des Afghanistan-Einsatzes in Worthülsen ergehe. Insgesamt sind bei der ISAF-Mission in Afghanistan bisher 39 deutsche Soldaten ums Leben gekommen. 22 starben durch “Fremdeinwirkung“ wie Gefechte oder Anschläge. Weitere 17 kamen durch “sonstige Umstände“ - natürlicher Tod, Verkehrsunfälle, Unfälle mit Schusswaffen oder Suizide - ums Leben.

Tödliche Schüsse auf Afghanen werden untersucht

Nach Angaben von Generalinspekteur Volker Wieker hatten am Freitag 30 bis 40 Taliban die deutschen Soldaten mit Handfeuerwaffen und Panzerfäusten aus dem Hinterhalt angriffen, als diese eine Straße nahe Kundus von Sprengfallen befreien wollten. Drei Soldaten im Alter zwischen 25 und 35 Jahren starben. Sie waren beim Fallschirmjäger-Bataillon 373 in Seedorf im niedersächsischen Kreis Rotenburg stationiert. Acht weitere Soldaten wurden verletzt, vier davon schwer. Sie wurden ins Bundeswehrkrankenhaus Koblenz gebracht, ihr Zustand sei stabil, hieß es.

Die Bundeswehr in Afghanistan

Bilder

Am Sonntag gegen 17.30 Uhr trafen die Särge in einer Regierungsmaschine auf dem militärischen Teil des Flugplatzes Köln-Bonn ein. An Bord waren Entwicklungsminister Dirk Niebel und seine Delegation, die von ihrem Afghanistan-Besuch zurückkehrten. Auch Guttenberg war gekommen. Bundeswehrangehörige bildeten ein Ehrenspalier, als die drei Särge aus der Maschine getragen wurden.

Zuvor hatte die Bundeswehr in Kundus Abschied genommen. Kurz nach dem stundenlangen Gefecht erschossen Bundeswehrsoldaten irrtümlich sechs Angehörige der verbündeten afghanischen Streitkräfte. Guttenberg kündigte eine Untersuchung durch die Bundeswehr, aber auch von NATO und afghanischen Behörden an.

“Mehr Verständnis"

In Deutschland entfachte das tödliche Gefecht die politische Debatte über den Afghanistan-Einsatz neu. Union und FDP hielten an ihrer Strategie fest: Ziel sei es, den zivilen Aufbau zu stärken, Stabilität zu erreichen und dann den Abzug einzuleiten, sagte Verteidigungsexperte Andreas Schockenhoff (CDU) der Zeitung “Sonntag Aktuell“.

Minister Niebel forderte für den Einsatz mehr Rückhalt in der Bevölkerung. Das Gefecht zeige, wie gefährlich die Situation für die Soldaten dort sei. “Sie wünschen sich mehr Verständnis dafür, dass sie sich, manchmal auch präventiv, wehren müssen“, sagte er “Bild am Sonntag“. Für die Grünen-Bundestagsfraktion forderte der Verteidigungsexperte Omid Nouripor eine klare Zielsetzung für den Afghanistaneinsatz.

Die deutschen Soldaten vor Ort bräuchten einen ehrlichen Umgang mit der Lage und das Gefühl, dass ihr Handeln Wirksamkeit zeige, sagte er auf “NDR Info“.

dapd

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare