„Das hängt von Gerichten ab“

Auspeitschungen, Exekutionen, Verstümmelungen: Die grausamen Taten der Taliban

Talibankämpfer stehen an einem Kontrollpunkt in der Nähe der US-Botschaft, der zuvor von amerikanischen Truppen besetzt war, Wache.
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Die Taliban haben in Afghanistan die Macht an sich gerissen.

Etliche Menschen wollen aus Kabul fliehen und das aus einem guten Grund: Die Taliban haben einen brutalen Ruf. Ihre Regeln verletzen die Menschenrechte.

Kabul - Die Lage in Afghanistan ist nach der Machtübernahme durch die Taliban angespannt. Etliche Menschen versuchen zu fliegen. Am Montag spielten sich am Flughafen dramatische Szenen ab: Menschen klammerten sich aus Todesangst an die Flugzeuge. Die grausamen Bestrafungsmethoden der Taliban sind gefürchtet - besonders Frauen und Mädchen werden um ihre Rechte bangen müssen.

Auspeitschungen, Exekutionen, Menschenrechtsverletzungen: Grausame Regeln der Taliban

Bei der Eroberung von Kabul profitierten sie von ihrem brutalen Ruf, den sie während ihrer Herrschaft in den 90er-Jahren mit öffentlichen Exekutionen, Verstümmelungen und Auspeitschungen erlangt haben. Mit teils barbarischen Strafen hatten die Taliban damals ihre Vorstellungen eines islamischen Staates durchgesetzt: Frauen und Mädchen wurden systematisch unterdrückt und zwangsverheiratet, Künstler und Medien zensiert. Menschenrechtsverletzungen? Sie standen an der Tagesordnung.

Befürchtet wird eine Rückkehr zu derart düsteren Zuständen in Afghanistan - auch, wenn Taliban-Sprecher Suhail Shaheen dem britischen Rundfunksender BBC anderes versicherte. Kurz vor der Machtübernahme sagt er: „Wir sichern den Menschen, besonders in der Stadt Kabul zu, dass ihr Besitz, ihre Leben sicher sind“. Es werde keine Rache an niemandem geben. Auf die direkte Frage der BBC-Moderatorin, ob Bestrafungen wie Steinigung oder Verstümmelungen vollzogen würden, antwortet er jedoch nicht konkret. „Ich kann das aktuell nicht sagen. Das hängt von den Gerichten ab.“

Taliban-Sprecher: Frauen sollen Universitäten besuchen dürfen - aber Bilder werden abgenommen

Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung sagte die deutsche Frauenrechtlerin Monika Hauer, dass besonders Frauenrechtsaktivistinnen gefährdet seien. Ein Taliban-Sprecher stellte indes am Dienstag in Aussicht, dass Mädchen und Frauen auch nach der Machtübernahme der Islamisten weiterhin Schulen und Universitäten besuchen dürfen. „Ja, sie können Bildung und höhere Bildung in Anspruch nehmen, das bedeutet auch Universitäten, sagte Shaheen am Dienstag dem britischen Sender Sky News.

Nachdem die Taliban in Kabul eingedrungen sind, entfernen Arbeiter Bilder von Frauen in der Stadt.

Die Frage, ob von Frauen in Afghanistan künftig erwartet werde, dass sie sich verschleierten und Burka trügen, verneinte der Sprecher. Ein Hijab, also ein Kopftuch, würde hingegen erwartet. „Das ist zu ihrer eigenen Sicherheit“, ergänzte der Taliban-Vertreter.

Die Zweifel an den Worten sind groß und berechtigt. Nicht zuletzt sorgte ein Bericht der britischen Zeitung The Independent für Aufsehen. Demzufolge seien Talibankämpfer in der Stadt Kandahar in eine Bank marschiert und hätten neun Frauen angeordnet, die Bank zu verlassen. Die bewaffneten Männer sollen sie nach Hause begleitet haben und hätten sie aufgefordert, nicht mehr an ihren Arbeitsplatz zurückzukehren. An ihrer Stelle sollen Männer die Jobs übernommen haben. Die Taliban nehmen den Frauen offenbar bereits ihre Rechte.

Nach Machtübernahme in Afghanistan: Grausame Taten der Taliban haben wohl schon begonnen

Indes kursieren bereits Videos der Taliban-Taten in den sozialen Medien. So soll ein Video von Freitag eine Szene in der Stadt Herat zeigen. Diese hatte die radikalislamische Taliban am Donnerstag eingenommen. Unter anderem hatte der afghanische Journalist Bilal Sarway die Bilder geteilt. Die Szenen sollen sich nach dem Freitagsgebet zugetragen haben. Zwei des Diebstahls beschuldigte Männer sollen darauf zu sehen sein. Schwarz beschmierte Gesichter, Stricke um den Hals - so sollen sie von mutmaßlichen Talibankämpfern durch die drittgrößte Stadt in Afghanistan geführt worden sein.

Und das Morden soll bereits begonnen haben*. Berichten der britischen Zeitung The Sun zufolge, sollen die Taliban mit Todeslisten von Haus zu Haus gehen. Sie suchen Menschen, die sich in der Vergangenheit in den Weg der Taliban gestellt haben. (mbr/dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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