„Die andere deutsche Teilung“

„Wütend“ und „enttäuscht“? Forscher wollen AfD-Wähler entschlüsseln

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AfD-Fraktionschef Alexander Gauland im Bundestag.

Welche Bürger in Deutschland wählen besonders häufig die AfD? Eine neue Studie gibt Aufschluss über das sozialpsychologische Profil der Wähler.

Berlin - In der Forschung wird fieberhaft nach Erklärungsmustern für populistische Tendenzen gesucht. Einfach demografische Merkmale reichen dabei nicht immer aus, um aktuelle Entwicklungen zu erklären. Das zumindest ist die Meinung der Organisation „More in Common“, die kürzlich eine Studie mit dem Titel „Die andere deutsche Teilung“ veröffentlicht hat. Die Autoren werfen darin einen Blick auf die deutsche Gesellschaft - und zeichnen ein sozialpsychologisches Bild der AfD-Wähler.

Bürger in Deutschland: Negative Stimmung in Hinblick auf Entwicklungen

Insgesamt bewerten die Studienteilnehmer in der repräsentativen Studie die Lage in Deutschland eher negativ. Ganze 70 Prozent finden, dass sich das Land in eine falsche Richtung bewegt, auch die gesellschaftliche Lage hat sich nach Einschätzung der Mehrheit verschlechtert. Für weitere Analysen haben die Autoren sechs soziodemografische Typen der deutschen Bürger entworfen.

  • Die Offenen: Diese Gruppe zeichnet sich durch das Ziel der Selbstentfaltung, Weltoffenheit und kritisches Denken aus. 16 Prozent der Deutschen gehören ihr der Erhebung zufolge an.
  • Die Involvierten: Bürgersinn, Miteinander und die Verteidigung von Errungenschaften sind für diesen Typ wichtig. 17 Prozent der Deutschen werden von den Machern der Studie zur Gruppe der Involvierten gerechnet.
  • Die Etablierten: Zufriedenheit, Verlässlichkeit, gesellschaftlicher Friede - das sind Punkte, die für die Etablierten wichtig sind. Mit 17 Prozent ist die Gruppe der Etablierten ebenso groß wie die der Involvierten.
  • Die Pragmatischen: Für diese Gruppe sind Erfolg, privates Fortkommen wichtig, sie setzen Kontrolle vor Vertrauen. 16 Prozent gehören diesem Typ an.
  • Die Enttäuschten: Gemeinschaft, Wertschätzung, Gerechtigkeit - diese Punkte vermissen die Enttäuschten in Deutschland. 14 Prozent werden dem Typ zugerechnet.
  • Die Wütenden: Diese Gruppe zeichnet nationale Ordnung, Systemschelte und Misstrauen aus. Mit 19 Prozent stellen sie die größte Gruppe - wenngleich unter dem Strich keiner der Typen dominiert.

AfD-Wahlabsicht: Wütende und Enttäuschte wählen besonders häufig die AfD

Zwei dieser Gruppen wählen dabei nach Einschätzung der Studienautoren besonders häufig die AfD - die Wütenden und die Enttäuschten. Eine Mehrheit von 51 Prozent der Wütenden würde die AfD wählen, berichtet die Süddeutsche Zeitung. 28 Prozent der Enttäuschten und 17 Prozent der Pragmatischen würden sich für die AfD entscheiden. Die restlichen drei Gruppen weisen weit kleinere Zustimmungswerte für die AfD auf (Etablierte: 5 Prozent, Involvierte und Offene: je 3 Prozent).

„Die Gruppe der Wütenden zeichnet ein geschlossen nationales Weltbild aus“, erklärte die Autorin Laura-Kristine Krause der Süddeutschen Zeitung. „Sie lehnen Migration rundheraus ab und misstrauen dem demokratischen System in Deutschland grundsätzlich.“ Gleichzeitig sei diese Gruppe besonders stark politisch engagiert - vor allem in den sozialen Netzwerken.

Typen der deutschen Gesellschaft: Auch die Enttäuschten sind migrationskritisch

Die Gruppe der Enttäuschten ist laut der Autorin zwar ebenso migrationskritisch eingestellt, aber sie treibt vor allem der Wunsch nach mehr Gerechtigkeit an. „Das sind häufig Menschen, die hart arbeiten müssen, etwa in der Pflege, und sich von der Gesellschaft nicht wertgeschätzt fühlen“, erklärt Krause. Auch viele Nichtwähler finden sich in dieser Gruppe - diese hätten sich von der Politik entfernt und die Hoffnung bereits aufgegeben.

Die Gruppe der Wütenden in Deutschland wählt besonders häufig der AfD.

In der repräsentativen Studie „Die andere deutsche Teilung“ hat die Organisation „More in Common“ mit dem Forschungsinstitut Kantar Public zusammengearbeitet. Mehr als 4000 Menschen nahmen an der Befragung teil, die mittels quantitativer und qualitativer Methoden durchgeführt wurde. Im Mittelpunkt standen die subjektive Verortung der Befragten in der Bevölkerung, ihre Perspektive auf Deutschland und ihre jeweiligen Grundüberzeugungen.

Kürzlich gab es einen Umfrage-Knall - denn laut aktuellen Daten würden bis zu 43 Prozent der Deutschen die Grünen wählen, die AfD ist abgeschlagen. Vor der Thüringen-Wahl gab es rund um Björn Höcke verstörende Szenen. Bei Maybrit Illner im ZDF schoss eine AfD-Politikerin amüsierte sich eine AfD-Politikerin ausgerechnet über Beatrix von Storch.Beatrix von Storch sorgte mit einer missverständlichen Geste im Haushaltsausschuss des Bundestages für Streit.

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