Ältestenrat wurde zusammengerufen

Abgeordnete muss mit Baby den Landtag verlassen und löst Diskussion aus – auch online

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Madeleine Henfling mit ihrem Baby.

Über diesen Fall diskutieren nicht nur Mütter in Deutschland: Eine Abgeordnete brachte ihr wenige Wochen altes Baby mit den Thüringer Landtag - weil Anwesenheitspflicht herrscht. Doch das wurde ihr verboten. 

Erfurt - Thüringens Landtagspräsident Christian Carius hat am Mittwoch eine Grünen-Abgeordnete aus dem Plenarsaal verwiesen, weil sie mit ihrem wenige Wochen alten Sohn erschienen war. Dagegen intervenierten andere Abgeordnete der Grünen und der Linken. Daraufhin wurde die Landtagssitzung für etwa eine halbe Stunde unterbrochen und der Ältestenrat zusammengerufen. Für die junge Mutter Madeleine Henfling änderte sich nichts - sie muss der dreitägigen Sitzung weiter fernbleiben, wenn sie darauf besteht, ihren Säugling in den Armen zu halten.

Madeleine Henfling mit ihrem Baby in einer Sitzung des Thüringer Landtags.

Carius verwies auf die Geschäftsordnung, die Mütter mit Kindern im Plenarsaal nicht vorsehe. Zudem würde er aus Kinderschutzerwägungen jedem Abgeordneten empfehlen, sich um eine Betreuung für sein Kind zu kümmern, sagte Carius, der selbst Vater ist. Er schloss aber nicht aus, dass die Geschäftsordnung des Landtags unter diesem Aspekt noch zu diskutieren ist. Bei Abstimmungen soll so verfahren werden, dass für die abwesende Grünen-Abgeordnete eine CDU-Abgeordnete auf ihre Stimmabgabe verzichtet, damit die Mehrheitsverhältnisse gewahrt bleiben.

Im Internet wird über den Fall diskutiert, zum Beispiel auf der Facebook-Seite der WDR-Sendung „Frau TV“. Userin Annika findet: „Wer es kann, sollte es dürfen. Und zwar ohne Wenn und Aber.“ Simone kommentiert: „Also es stimmt schon, dass sie ihr Baby mitnehmen dürfen sollte, aber noch wichtiger wäre es auch für die Mutter, mal entspannt das Wochenbett zu genießen zu dürfen.“ Userin Jennifer schreibt: „Sie hatte neun Monate Zeit eine adäquate Lösung zu finden.“ Einen ironischen Kommentar hinterlässt Lisa auf der Facebook-Seite: „Genau, am besten sperrt man sich daheim ein, wenn man ein Baby bekommen.“ Und Userin Tania schreibt: „Also, einen besseren Platz zum Einschlafen als einen Plenarsaal gibt es doch nun wirklich nicht.“

Die bei Angestellten übliche Elternzeit gibt es für Abgeordnete nicht. Bisher gibt es auch keine Kinderbetreuung im Erfurter Landtag.

dpa/sah

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