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9-Euro-Ticket-Nachfolge ab 1. Januar 2023: Was man weiß - und was nicht

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Von: Marcel Guboff

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Die Länder wollen eine Nachfolge für das 9-Euro-Ticket, stellen aber auch Forderungen an den Bund. Es gibt einen Start-Termin. Viele Fragen bleiben offen.

Hamm - Drei Monate lang waren Fahrten mit Bus und Bahn im Öffentlichen Personennahverkehr so günstig und unkompliziert wie noch nie in Deutschland. Nach anfänglichen Widerständen - Finanzminister Christian Lindner (FDP) hatte es zunächst abgelehnt - soll es nun doch einen Nachfolger für das 9-Euro-Ticket geben. Noch sind aber viele Fragen offen.

Auf einer Sonder-Verkehrsministerkonferenz hätten alle 16 Länder bekundet, ein Anschlussticket mitzutragen, sagte die Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz, Maike Schaefer (Grüne) aus Bremen, am Montag nach den Beratungen. Dazu solle nun eine Arbeitsgruppe zügige Beratungen aufnehmen - zumal nach wie vor viele Fragen ungeklärt sind. Der Stand der Dinge (Stand 19. September):

Nachfolger für das 9-Euro-Ticket: Wie viel soll das neue Angebot kosten?

Ziel ist ein Ticket-Preis zwischen 49 und 69 Euro. Der Business Insider nannte dabei jüngst einen Preis „um die 60 Euro“ und bezog sich auf Regierungskreise. Am Ende geht es schlichtweg um die Finanzierung. Dahingehend sind noch wie vor nicht alle Fragen endgültig geklärt. „Die Arbeit beginnt jetzt“, sagte Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) nach der Sonder-Verkehrsministerkonferenz.

Die Spitzen der Ampel-Koalition hatten sich für das geplante dritte Entlastungspaket darauf verständigt, jährlich 1,5 Milliarden Euro für ein bundesweites Nahverkehrsticket bereitzustellen - sofern die Länder um Nordrhein-Westfalen mindestens ebenso viel geben. Ob der Bund dafür auch tiefer in die Tasche greifen würde, blieb offen, scheint jedoch unwahrscheinlich.

Wann kommt der Nachfolger für das 9-Euro-Ticket?

Allzu viel Zeit soll nicht mehr verstreichen, bis es einen Nachfolger für das 9-Euro-Ticket gibt. Volker Wissing nannte als Starttermin den 1. Januar 2023. „Das ist ein ehrgeiziges Ziel. Die Menschen haben hohe Erwartungen, und wir können diese Erwartungen erfüllen“, sagte der Bundesverkehrsminister. Er hofft, dass es bei der Verkehrsministerkonferenz am 12./13. Oktober einen Eckpunktebeschluss geben könne. Dann sei der 1. Januar als Start-Termin auch realisierbar.

Welche Forderungen haben die Länder?

Alle Länder wollen einen 9-Euro-Ticket-Nachfolger mittragen - sie stellen dabei aber auch Forderungen an den Bund. Sie erwarten, dass dies an eine Anhebung der generellen Regionalisierungsmittel des Bundes gekoppelt sei. Mit dem Geld aus Berlin bestellen die Länder Leistungen bei den Verkehrsunternehmen.

Schon Vorfeld hatte NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) im ARD-Morgenmagazin angemahnt, dass der öffentliche Personennahverkehr schon seit Jahren unterfinanziert sei „Wir müssen erstmal darauf achten, dass der ÖPNV nicht seine Leistungen reduzieren muss, bevor wir dann eine schlechtere Leistung preiswerter für alle machen. Das wäre genau falsch. Wo kein Bus fährt, hat keiner was davon, dass der ÖPNV billiger ist“, meinte der aktuelle Vorsitzende der Ministerpräsidentenkonferenz (MPK).

Ähnlich äußerte sich die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD): Es dürfe in der Diskussion nicht nur ein Ticket-Modell in den Vordergrund gerückt werden. Es sei ein Ausbau des ÖPNV erforderlich. „Was nützt mir der günstige Bus, der letztendlich nicht fährt“, sagte Anke Rehlinger im Deutschlandfunk. „Wir brauchen einen großen Wurf.“ Dies erwarte sie auch von Bundesverkehrsminister Volker Wissing.

Regulär bekommen die Länder in diesem Jahr Regionalisierungsmittel in Höhe von 9,4 Milliarden Euro vom Bund, dazu noch eine Milliarde aus einem anderen Topf.

Wo soll das neue Ticket gelten?

Wie das 9-Euro-Ticket, soll auch der Nachfolger bundesweit in ganz Deutschland gelten. Damit wären also Fahrten mit Bussen und Bahnen des ÖPNV - also auch Regionalzüge, nicht aber der Fernverkehr der Deutschen Bahn - mit inbegriffen. (mit dpa)

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