Leiblichen Eltern wurde erst im Juli das Sorgerecht entzogen

Tod des Plettenberger Pflegekindes: So äußert sich jetzt der freie Träger

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In der Notfallaufnahme des Klinikums Hellersen kam der Junge am Mittwoch um 18.30 Uhr an. Er wurde später nach Essen verlegt.

[Update 15.43 Uhr] Plettenberg/Lüdenscheid - Ein Pflegevater aus Plettenberg soll sein Kleinkind (1) verprügelt haben. Es starb am Donnerstag an den Folgen der Gewalteinwirkung. Jugendamt und freier Träger äußern sich jetzt. Mögliches eigenes Fehlverhalten sehen sie nicht. 

Der freie Träger, der die Plettenberger Pflegefamilie begleitete, - die Lebenshilfe Wohnen NRW gGmbH, äußerte sich auf Anfrage ebenfalls gegenüber unserer Zeitung. Wir veröffentlichen die Stellungnahme im Wortlaut: 

Lebenshilfe NRW bedauert den tragischen Tod eines Pflegekindes 

Hürth. Eine Tochtergesellschaft des Landesverbandes Lebenshilfe Nordrhein-Westfalen e.V., die Lebenshilfe Wohnen NRW gGmbH, ist seit einigen Jahren im Rahmen des Modells „Westfälische Pflegefamilie“ tätig. 

Unsere Aufgabe als Leistungsanbieter ist es unter anderem, aktiv die Suche nach geeigneten Pflegefamilien, die Beratung, Unterstützung und Begleitung der Familien im Auswahlprozess, in der Vorbereitungs- und gegebenenfalls Anbahnungsphase. 

In der weiteren Betreuung der Pflegefamilie arbeiten wir nach den von dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe vorgegebenen einheitlichen Qualitätsstandards. 

Mit diesem Nachtflug-Helikopter der Johanniter wurde das Kleinkind noch von Lüdenscheid nach Essen geflogen, doch das Kind erlag seinen schweren Verletzungen.

Im August 2018 hat in Plettenberg eine Familie ein 15 Monate altes Kind im Rahmen der oben genannten Vollzeitpflege aufgenommen.  Die Pflegeeltern und das Kind werden durch uns im Rahmen des Modells Westfälische Pflegefamilie begleitet. 

Am Mittwoch gegen 17 Uhr erlitt das Kind nach den Beschreibungen der Pflegeeltern einen Krampfanfall. Die Eltern fuhren sofort in die nächste Kinderklinik nach Lüdenscheid, wo eine Hirnblutung festgestellt wurde. Von dort wurde das Kind mit dem Hubschrauber nach Essen in die Universitätsklinik verlegt. Am Donnerstagvormittag haben wir von der Pflegemutter erfahren, dass das Kind im Klinikum verstorben sei.

Am Freitagabend habe wir dann erfahren, die Obduktion habe ergeben, der Tod des Kindes sei auf Gewalteinwirkung zurückzuführen sei. Ebenso haben wir erfahren, dass der Tatverdacht sich gegen den Pflegevater mit Tatvorwurf „Körperverletzung mit Todesfolge“ richtet und er in Untersuchungshaft genommen worden sei. 

Zum jetzigen Zeitpunkt möchten wir aber darum bitten, niemanden vorzuverurteilen. Zumal aus der Beratung und Begleitung der Pflegefamilie keine Anzeichen von Gewalteinwirkung, Überlastung und Überforderung bekannt oder ersichtlich geworden sind. 

Wir sind zutiefst erschüttert über diesen dramatischen und tragischen Todesfall. Selbstverständlich werden wir mit dem zuständigen Jugendamt und den Ermittlungsbehörden zusammenarbeiten und unsere Dokumentation zu diesem Fall diesen Institutionen vollständig offen legen, um den Fall aufzuklären.

Stellungnahme der Stadt Gelsenkirchen im Wortlaut

Ein Gelsenkirchener Stadtsprecher hatte am Montagmittag unsere Informationen bestätigt, dass der Junge durch das Gelsenkirchener Jugendamt betreut wurde. Nach dem wir den Fall öffentlich gemacht hatten, schob die Stadt Gelsenkirchen am Nachmittag eine Erklärung nach. 

Das Jugendamt in Gelsenkirchen.

Hier gibt es dieStellungnahme der Stadt Gelsenkirchen im Wortlaut: 

Erschreckende und furchtbare Nachrichten haben die Stadt Gelsenkirchen aus Plettenberg erreicht. Ein von der Stadt Gelsenkirchen in einer professionellen Pflegefamilie untergebrachtes eineinhalbjähriges Kind ist in der vergangenen Woche offenbar nach Gewalteinwirkung verstorben. Die Stadt steht in Kontakt mit den leiblichen Eltern und hat entsprechende Hilfe angeboten.

Nach einer gemeinsamen Presseerklärung der Staatsanwaltschaft Hagen und der Kreispolizeibehörde Märkischer Kreis wurde der Pflegevater wegen des Verdachts auf Körperverletzung mit Todesfolge in Untersuchungshaft genommen.

DieStadt Gelsenkirchen hatte das Kind im Juli 2018 aus schwierigen Verhältnissen zunächst vorläufig in Obhut genommen. Mit Beschluss des Amtsgerichts Gelsenkirchen wurde den Kindeseltern dann die elterliche Sorge entzogen.

Über den freien Jugendhilfeträger Lebenshilfe Wohnen NRW gGmbH konnte anschließend eine geprüfte Westfälische Pflegefamilie (WPF) gefunden werden, zu der das Kind im Augst 2018 wechselte. Die Pflegefamilie wurde durch die Lebenshilfe und das Jugendamt begleitet. Einen gemeinsamen Besuch hatte es zuletzt am 6. Dezember 2018 gegeben. Dabei wurde festgestellt, dass das Pflegekind gut versorgt ist und Fortschritte macht. Auffälligkeiten gab es zu keiner Zeit.

Für die Stadt Gelsenkirchen ist der Tod des Kindeseiner der schlimmsten denkbaren Fälle. Das Kind wurde in einer Pflegefamilie untergebracht, um es zu schützen und ihm eine möglichst positive Zukunft zu ermöglichen. Die mit dem Fall befassten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind betroffen und bestürzt.

Die Stadt Gelsenkirchen bedauert diesen tragischen Vorfall und wird die Ermittlungen in vollem Umfang unterstützen.

Aus Sicht der Stadt Gelsenkirchen sei in der Sache "alles korrekt gelaufen." Am Donnerstagmorgen wurde man über den Tod des Jungen informiert und habe die Abläufe überprüft. Die Besuche hätten regelmäßig stattgefunden. 

Die Akten werden nun den Ermittlern übergeben. Für die Behörde war es der zweite Fall in neun Monaten. Im April 2018 war ein acht Monate altes Mädchen in Mülheim an der Ruhr an den Folgen massiver Kopfverletzungen gestorben. Tatverdächtig war der Vater des Säuglings. Zudem starb im Dezember 2017 ein 14-jähriges Pflegekind, das das Jugendamt betreute. 

Staatsanwaltschaft bestätigt Alter des Pflegevaters

Auch zum Tatverdächtigen wurden nähere Einzelheiten bekannt, wie Recherchen ergaben. So bestätigte die Staatsanwaltschaft Hagen das Alter des Mannes. 

Der 29-jährige Tatverdächtige war bis zu seiner Inhaftierung am Donnerstag im Kundendienst tätig. 

Auch über die Art und das Ausmaß der Verletzungen, die der Junge möglicherweise durch die Prügel des Pflegevaters erlitten hat, gibt es keine weiteren Angaben. 

Die Obduktion der Kinderleiche bestätigte letztlich, dass der Junge an den Folgen massiver Gewalteinwirkung gestorben ist.

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Quelle: wa.de

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