Zukunft von Opel Bochum nach Astra-Entscheidung weiter ungewiss

RÜSSELHEIM/BOCHUM - Opel baut das Erfolgsmodell Astra künftig billiger im Ausland - und nicht mehr im Stammwerk in Rüsselsheim. Was der Kahlschlag für das Bochumer Werk bedeutet, ist weiter offen. Der Druck wächst, sagt der Bochumer Betriebsratschef Einenkel.

Schwerer Schlag für das Opel-Stammwerk Rüsselsheim: Der zum Sparen gezwungene Autobauer verlagert die Produktion seines Erfolgsmodells Astra komplett ins günstigere Ausland. Ab 2015 wird der Astra nur noch im britischen Ellesmere Port und im polnischen Gliwice (Gleiwitz) vom Band rollen, wie Opel am Donnerstag mitteilte. Ob die Entscheidung Auswirkungen auf andere deutsche Standorte - vor allem Bochum - haben wird, ließ das Unternehmen weiter offen. Der Bochumer Opel-Betriebsratschef Rainer Einenkel sprach von einer "fragwürdigen" Entscheidung. Der Druck werde höher.

Ziel bleibt es nach Unternehmensangaben, auch Rüsselsheim als modernstes Werk von Opel/Vauxhall in Europa voll auszulasten. Wie das konkret erreicht werden kann, soll in Gesprächen zwischen Management und Betriebsrat geklärt werden. Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke versicherte: "Ein wettbewerbsfähiges Werk Rüsselsheim spielt eine wichtige Rolle in unserer Wachstumsstrategie."

Einenkel sagte der Deutschen Presse-Agentur, aus Bochumer Sicht sei es problematisch, dass Opel dem Stammwerk Rüsselsheim die volle Auslastung zugesagt habe. Dies könne bedeuten, dass Bochum als Ausgleich die Produktion des Familienautos Zafira an Rüsselsheim verliere. "Das würde die Schließung des Bochumer Werks bedeuten", sagte Einenkel, der sich dennoch zuversichtlich zeigte. "Das werden wir zu verhindern wissen", ergänzte er. Da sei er sich mit dem Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Wolfgang Schäfer-Klug einig.

Schäfer-Klug bezeichnete das Szenario einer Verlagerung der Zafira-Produktion aus Bochum als Spekulation, die jeder Grundlage entbehre. "IG Metall und Betriebsrat würden eine Verlagerung auf Kosten der Menschen dort auch nicht akzeptieren", sagte Schäfer-Klug. Auch für das Werk in Bochum mit 3200 Opelanern gelte eine Standortgarantie bis Ende 2014. Schäfer-Klug mahnte: "Wichtig ist, dass das Management jetzt schnell einen Plan vorlegt, wie die anderen Werke ausgelastet werden sollen."

In der Opel-Mitteilung vom Donnerstag wurde das Bochumer Werk überhaupt nicht erwähnt. Klarheit erhoffen sich die Mitarbeiter von einer Belegschaftsversammlung in Bochum am kommenden Montag. Dazu wird neben Stracke auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) erwartet.

In die beiden Werke in Ellesmere Port und in Gliwice will die Tochter des US-Autoriesen General Motors (GM) nach eigenen Angaben insgesamt 300 Millionen Euro investieren, um sie auf den neuesten technischen Stand zu bringen. In dem englischen Werk, in dem bereits etwa 2100 Mitarbeiter Astra-Modelle bauen, werden nach Angaben des Herstellers dadurch etwa 700 neue Stellen geschaffen. Darüber hinaus sollen 3000 neue Jobs bei Zulieferern und Kunden entstehen.

Die Entscheidung für Ellesmere Port wurde möglich, weil die Belegschaft einem neuen Tarifvertrag zustimmte. Nach Angaben der britischen Nachrichtenagentur PA akzeptierten 94 Prozent der dortigen Beschäftigten einen Lohnverzicht. Gesamtbetriebsratschef Schäfer-Klug kritisierte, das Management habe "großen Druck" aufgebaut und mit der Schließung des Werks gedroht.

Die von der Belegschaft in Ellesmere Port akzeptierten Lohn- und Arbeitsbedingungen sollen ab 2013 gelten. 2015 soll dann dort die Produktion des neuen Astra beginnen. Jährlich sollen dort mindestens 160 000 Fahrzeuge vom Band laufen. Einenkel sagte, für ihn stelle sich die Frage, ob es die Kunden akzeptierten, dass der Astra künftig nicht mehr in Deutschland gebaut werden soll. Dies sei gerade angesichts des 150-Jahr-Jubiläums von Opel das falsche Signal. lnw

Quelle: wa.de

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