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Zoo Duisburg macht Delfinarium kurz nach Protest-Aktion plötzlich dicht

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Von: Daniele Giustolisi

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Kurz nach einer Protest-Aktion von Tierschützern hat der Zoo Duisburg das Delfinarium geschlossen. Allerdings ist der Grund ein erfreulicher.

Duisburg – Nur wenige Tage nach einer Protest-Aktion niederländischer Tierschutzaktivisten in der Delfin-Show des Zoos Duisburg ist das beliebte Delfinarium geschlossen. Das teilte der Zoo Duisburg nun mit. RUHR24 erfuhr: Der Grund ist ein erfreulicher!

EinrichtungZoo Duisburg
OrtDelfinarium
AnlassGeschlossen wegen Nachwuchses

Zoo Duisburg schließt nach Protest-Aktion von Tierschützern das Delfinarium – wegen Nachwuchs

Denn bei den Duisburger Delfinen gibt es Nachwuchs. Am 4. September brachte Delfin-Weibchen Debbie ein Jungtier zur Welt. Die Geburt war also nur eine Woche, nachdem die Aktivisten der Tierschutzorganisation „Vegan Strike Group“ ins Becken des Delfinariums sprangen.

Debbis Baby ist übrigens ein Junge. Die Mutter selbst wurde 2015 auch im Duisburger Zoo geboren. Beide Tiere sind also waschechte Ruhrgebiets-Originale.

Debbie selbst half bereits zweimal dabei, andere Jungtiere aufzuziehen: 2016 bei „Dobbie“ und 2020 bei „Dora“. Jetzt muss das Delfin-Weibchen sich um ihren eigenen Nachwuchs kümmern.

Nachwuchs bei Delfinen im Zoo Duisburg – Delfinarium muss geschlossen werden

Mutter und Kind gehe es laut dem Zoo Duisburg gut. Mutter Debbie, so berichtet Zootierärztin Dr. Kerstin Ternes, kümmere sich gut um ihren Nachwuchs.

Jetzt geht es für den jungen Delfin darum, die kommenden Wochen gut zu überstehen. Denn: „Junge Delfine kommen ohne ausreichend schützendes Immunsystem auf die Welt, die ersten Lebenswochen sind daher entscheidend“, warnt Ternes.

Das schwache Immunsystem bei Delfin-Jungtieren ist auch der Grund dafür, dass derzeit keine Gäste ins Duisburger Delfinarium dürfen. Der Zoo fürchtet, dass von außen Krankheiten eingeschleppt werden. Geschlossen soll das Delfinarium „in den nächsten Tagen“ bleiben, teilte der Zoo Duisburg am 6. September mit.

Zoo Duisburg sauer nach Protest-Aktion im Delfinarium: Delfine wurden gefährdet

Umso größer das Verständnis für die Wut des Zoos nach der Stör-Aktion der Tierschützer am 28. August. Die Aktivisten hätten laut Zoo Duisburg beispielsweise Krankheitserreger, Umweltkeime und ähnliches über die getragenen Neoprenanzüge ins Wasser tragen können. Diese wiederum hätten sich schädlich auf die Gesundheit der Tiere auswirken können.

Von „Save the Oceans“ einer ähnlichen Organisation, kommt ebenfalls Kritik: „Es hätte gereicht, sich vor das Becken der Delfine zustellen“, sagte Gründer Jörn Kriebel gegenüber RUHR24. Er selbst, der bereits ähnliche Aktionen organisierte, halte die Botschaft der Aktivisten für richtig, nicht aber das Hineinspringen ins Delfinarium.

Der Zoo Duisburg hat Nachwuchs bei den Delfinen. Vorne Mutter Debbi, hinten ihr noch namenloser Sohnemann. Das Delfinarium ist wegen der Geburt vorerst geschlossen.
Der Zoo Duisburg hat Nachwuchs bei den Delfinen. Vorne Mutter Debbi, hinten ihr noch namenloser Sohnemann. Das Delfinarium ist wegen der Geburt vorerst geschlossen. © Zoo Duisburg

Glück im Unglück: Die Delfine hätten den Zwischenfall glücklicherweise gut überstanden, hieß vom Duisburger Zoo nun. Die Biologische Filteranlage habe mögliche Verunreinigungen des Wassers unschädlich machen können.

Zoo Duisburg stellt nach Stör-Aktion im Delfinarium Strafanzeige gegen vier Aktivisten aus Holland

Inzwischen hat der Duisburger Zoo Strafanzeige gegen die vier Aktivisten gestellt, die während der Delfin-Show ins Wasser gesprungen waren. Die Demonstranten erhielten Anzeigen „wegen Hausfriedensbruch und Tierquälerei“, teilt der Zoo in dieser Woche mit. Der Zoo behalte sich weitere Schritte gegen die niederländische Aktivistengruppe vor.

„Für Tier und Mensch ist das eine Ausnahmesituation gewesen und wir sind sehr froh, dass es unseren Delfinen und Mitarbeitenden gut geht“, sagte der Zoologische Leiter Oliver Mojecki laut einer Mitteilung. „Unsere Delfine verhalten sich arttypisch, spielen miteinander und fressen gut“. Darüber sei man erleichtert, so Biologe Mojecki nach dem „gefährlichen Eingriff in den geschützten Lebensraum unserer Tiere“ (Hier weitere NRW-News bei RUHR24 lesen).

Zoo Duisburg führt Studien im Delfinarium durch

Während Debbie ihr Baby aufzieht, führt der Zoo Duisburg umfassende Studien durch, die der Wissenschaft weltweit zur Verfügung gestellt werden sollen. Säugefrequenzen, Atemzeiten sowie Verhaltensweisen zwischen Mutter und Jungtier werden erfasst. Und: Der Zoo Duisburg testet, ob Delfine mittels ihrer Echoortung beschichtete Fischernetze orten können. Am Ende könnten diese Studien dabei helfen, dass sich weniger Delfine in den Meeren in Netzen verfangen.

Trotz aller Vorteile für die Wissenschaft: Tierschützer kritisieren Delfinarien immer wieder als nicht artgerecht. Vom Tierschutzbund heißt es etwa: „Delfine haben ein sehr großes Bewegungsbedürfnis und stellen sehr hohe Anforderungen an Wasserqualität und Platzbedarf. Die im Vergleich zu ihrem natürlichen Lebensraum winzigen Becken bieten den Tieren nur wenig Rückzugsmöglichkeiten und Bewegungsfreiraum.“ Mit DPA-Material

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