Zoff in der NRW-CDU

DÜSSELDORF ▪ In der NRW-CDU zeichnet sich ein knallharter Machtkampf um die Nachfolge ihres langjährigen Vorsitzenden Jürgen Rüttgers ab. Die Unterstützer der beiden Bewerber um das Vorsitzenden-Amt – Ex-Integrationsminister Armin Laschet und Bundesumweltminister Norbert Röttgen – bringen sich in Stellung. In beiden Lagern gibt es nach Aussage von Parteifunktionären die Sorge, dass es bei der bevorstehenden Mitgliederbefragung zu Mauscheleien kommen könnte. Beispielsweise könne die Abstimmung so organisiert werden, dass nicht alle 160 000 Mitglieder teilnehmen.

Der Landesvorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU, Hartmut Schauerte, ermahnte seine Parteifreunde gestern erneut: „Wir erwarten, dass die CDU-Landesgeschäftsstelle und deren hauptamtliche Funktionsträger ein einwandfreies, transparentes und für alle Kandidaten mit gleich gewichteten Chancen ausgestattetes Verfahren organisieren werden.

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Norbert Röttgen oder Armin Laschet? Diese Frage müssen in Kürze die etwa 160 000 Mitglieder der CDU in Nordrhein-Westfalen beantworten. Es gilt als wahrscheinlich, dass es zu einer Mitgliederbefragung kommt, der Vorstellungsrunden bei landesweit acht Regionalkonferenzen vorausgehen sollen. Den Beschluss über den genauen Ablauf fällt der CDU-Landesvorstand erst am 30. August. Doch schon jetzt überlegen Strategen in beiden Lagern, wie man das Abstimmungsverhalten zugunsten seines Favoriten beeinflussen könnte.

Im Raum steht zum Beispiel der Vorschlag, die Mitglieder am Ende der Vorstellungsrunden anlässlich eines Tages der offenen Tür in die 54 Kreisgeschäftsstellen um ihr Votum zu bitten. „Das würde der Mauschelei Tür und Toren öffnen“, sagte ein hochrangiger Parteifunktionär zu unserer Zeitung. Beispielsweise könnten die Stimmen nicht erschienener Parteimitglieder zugunsten einer Seite fingiert werden. Eine solche Manipulation sei leicht zu realisieren und später kaum nachprüfbar. „Wer ein sauberes Verfahren will, sollte sich für eine Briefwahl einsetzen“, meint der erfahrene Funktionär.

Entsetzt über derlei Überlegungen ist der frühere Bundestagsabgeordnete und CDU-Wirtschaftsexperte Hartmut Schauerte. Solche Machenschaften könne sich die CDU nicht leisten. „Jetzt, nachdem klar ist, dass wir zwei Kandidaten haben, müssen alle Ampeln auf Rot geschaltet werden“, ermahnte er die Laschet-Unterstützer. Die hatten die zehn Tage Vorsprung vor der Bewerbung Röttgens intensiv für die Positionierung Laschets genutzt. Er erwarte, dass alle Kreisverbände, die Laschet eingeladen haben, nun selbstverständlich auch Röttgen einladen, so Schauerte

Hinter dem Machtkampf steckt aber mehr: Mancher der Akteure verspricht sich einen Karrieresprung. Der CDU-Landesvorstand hat einige altgediente Funktionäre, die man gerne beerben würde. Dazu zählen die Landesvize Christa Thoben (69) und Eckhard Uhlenberg (62) und Schatzmeister Lothar Hegemann (63). Auch dafür bringt man sich in Stellung.

„Es geht hier doch nicht um Pöstchen und eigene Karrierepläne“, ruft Schauerte seine Parteifreunde zur Räson. Jetzt gehe es allein darum, welcher der beiden Bewerber am besten dafür qualifiziert sei, die CDU schnell wieder in Regierungsverantwortung zu führen.

DETLEF BURRICHTER

Quelle: wa.de

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