Zehneinhalb Jahre Haft für Blutbad am Bahnhof von Siegen

SIEGEN - Wie von Sinnen sticht ein junger Mann auf seine 18 Jahre alte Ex-Freundin ein - mitten in der Öffentlichkeit. Dann reißt er ein Baby aus ihrem Kinderwagen und flüchtet. Am Freitag wird der Messerstecher wegen Totschlags zu zehneinhalb Jahren Haft verurteilt.

Blutbad in der Bahnhofsunterführung: Ein 22-Jähriger bringt im vergangenen August die 18-jährige Mutter seines Kindes mit 52 Messerstichen um. Am Freitag verurteilte ihn das Landgericht in Siegen zu zehneinhalb Jahren Haft wegen Totschlags.

Für eine Verurteilung wegen Mordes reichte dem Gericht die Beweislage nicht. Der Angeklagte lebte zuletzt in Lahnstein (Rheinland-Pfalz). Die Staatsanwaltschaft hatte den Mann wegen Mordes aus niedrigen Beweggründen angeklagt. Der 22-Jährige habe nicht verkraften können, dass sich seine Ex-Freundin nach der Trennung mit anderen Männern traf.

Der Messerstecher hatte die junge Mutter am Bahnhof von Siegen abgepasst und wie von Sinnen mit einem Taschenmesser immer wieder auf sie eingestochen. "Dabei hat er gerufen: "Du Schlampe, du Hure, du nimmst mir mein Kind nicht weg"", hatte der Staatsanwalt berichtet. Die Frau verblutete. Selbst ein Notarzt hätte nicht mehr helfen können, sagte ein Gerichtsmediziner. "Beide Halsarterien waren geöffnet."

Aus nächster Nähe hatte ein 28 Jahre alter Zugbegleiter die Tat mitbekommen. Er habe zunächst "einen erbärmlichen Schrei" gehört. Als er aus dem Zug kam und in die Unterführung blickte, bot sich ihm ein schrecklicher Anblick, beschrieb er als Zeuge beim Prozessauftakt die Szene. "Sie lag schon blutüberströmt am Boden und er ließ nicht von ihr ab", sagte er. Er brachte dann zunächst zwei Kinder aus der Gefahrenzone und versuchte dann, den Mann zu stoppen.

"Ich habe ihn angeschrien, er soll aufhören." Doch der Messerstecher habe überhaupt nicht reagiert. "Seine Augen waren leer, als wäre er nicht bei uns." Und weiter: "Ich hatte den Eindruck, er wollte das, was er sich vorgenommen hat, auch zu Ende bringen."

Nach der Tat hatte der 22-Jährige seinen fünf Monate alten Sohn aus dem Kinderwagen geholt und war blutverschmiert mit dem Baby auf dem Arm geflüchtet. Dann setzte er seinen Sohn in einer einige hundert Meter entfernten Moschee ab. Der mittlerweile knapp ein Jahr alte Sohn des Mannes lebt seit der Bluttat bei den Eltern des Opfers in Bad Kreuznach (Rheinland-Pfalz). - lnw

Quelle: wa.de

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