Knochenfund in den Bergen

Vermisstenfall eines Wittener Studenten nach 50 Jahren geklärt

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Das Wallis ist eine beliebte Ferienregion in der Schweiz. Für Jürgen aus Witten wurde die Region zum Verhängnis. 53 Jahre später ist sein Fall nun aufgeklärt.

Witten/Wiler - Ein Student der Ruhr-Uni Bochum bricht im Sommer 1965 in der Schweiz zu einer Bergtour auf – und kehrt nie zurück. Sein Schicksal bleibt ungewiss. Mehr als 50 Jahre später wird im Wallis ein Oberschenkelknochen gefunden. Er stammt von dem 22-Jährigen. Das Rätsel um Jürgen ist gelöst.

Fast zumindest. „Für mich sind die Berge das Schönste auf der ganzen Welt.“ Das soll Jürgen einst gesagt haben. Ein Bekannter erinnert sich kurz nach dem Verschwinden seines Kumpels im Jahr 1965 an gemeinsames Gipfelglück; und an Jürgens Ausspruch. 

Dass das „Schönste auf der ganzen Welt“ Jürgen schon wenig später zum Verhängnis werden wird, ahnt da noch niemand. 

Bergtour im Lötschental 

Im August 1965 reist er einmal mehr gen Süden. Sein Ziel ist die Schweiz. Der Pharmazie-Student hat einen Bergsteigerkurs belegt. Als der beendet ist, will er noch auf eine Bergtour im Lötschental im Wallis gehen. Gemeinsam mit einem Freund. Doch der sagt ab, ihm ist das Wetter zu schlecht. 

Jürgen beschließt, sich alleine auf den Weg zu machen. Die Warnung seiner Mutter, nicht alleine in die Berge zu gehen, schlägt er in den Wind. „Nein Mutti, keine Angst“, soll er vor seiner Reise noch geantwortet haben. Dieses Versprechen hält er nicht. Wohl aber hält er sich an die üblichen Vorsichtsmaßnahmen für Bergsteiger. 

1977 für tot erklärt

An seinem Ausgangspunkt hinterlässt er einen Zettel mit seiner Route, eine Personenbeschreibung und den Tag der geplanten Rückkehr: 1. September 1965. Als der vergeht, ohne dass Jürgen von seiner Bergtour zurück kehrt, bricht am 2. September eine Suchmannschaft auf. 

Doch auch die gerät in schlechtes Wetter, muss die Aktion nach viereinhalb Stunden wegen Schneefalls abbrechen. Eine zweite Suche zwei Tage später bleibt ebenfalls ohne Erfolg. Fortan wird angenommen – so steht es in einem Zeitungsbericht von Ende September 1965 – dass Jürgen nahe der Tellialp in eine Gletscherspalte gefallen ist

1977 wird er für tot erklärt. Im August dieses Jahres schließlich findet jemand in der Nähe von Wiler im Lötschental einen Oberschenkelknochen. Daneben ein Rucksack mit einem Bahnticket. Datiert ist es auf das Jahr 1965,abgestempelt in Witten

Speichelprobe bringt Gewissheit 

Die Schweizer Polizei kontaktiert die Kollegen in Deutschland. Die finden zunächst keinen Vermisstenfall, der zu dem Knochenfund und dem Gepäck passt. Erst ein Zeitungsbericht über Vermisste, in dem auch der skurrile Fall eines in den Alpen entdeckten menschlichen Knochens eine Rolle spielt, bringt den Stein ins Rollen.

Ein Cousin von Jürgen erfährt von dem gefundenen Knochen und schaltet seine Cousine, Jürgens Schwester, ein. Sie gibt eine Speichelprobe ab, die wird in Bern untersucht. 

Seit Anfang November steht fest: zu 99,9 Prozent stammt der gefundene Knochen von ihrem Bruder. „Den will man jetzt überführen und beisetzen“, sagt Frank Lemanis, Erster Polizeihauptkommissar und Pressesprecher der Polizei Bochum, die für die Stadt Witten zuständig ist. 

In einem hat die Familie – 53 Jahre nach dem Verschwinden des geliebten Sohns und Bruders – nun Gewissheit: Jürgen ist in den Schweizer Bergen ums Leben gekommen. 

Wie es aber dazu kam, das wird ein Geheimnis der Berge bleiben.

Quelle: wa.de

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