SPD will "virtuelles Kraftwerk" in NRW erproben

DÜSSELDORF - Die SPD will ein Vorzeigeprojekt zur Energiewende nach Nordrhein-Westfalen holen. Die Bundesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag ein Pilotprojekt vorgesehen, um zu prüfen, wie Erzeuger erneuerbarer Energien künftig einen verlässlichen Anteil zur Versorgungssicherheit garantieren könnten.

NRW sei mit seiner vielfältigen Struktur unterschiedlicher Energieversorger das ideale Bundesland für das Modellvorhaben, sagte der Landtagsfraktionschef der SPD, Norbert Römer, am Donnerstag in Düsseldorf.

Die Landesregierung soll sich dafür einsetzen, den Zuschlag und die finanzielle Unterstützung für das Projekt nach NRW zu bringen und eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben. Einen entsprechenden Antrag wollen SPD und Grüne in den Landtag einbringen.

Im Kern geht es um die Frage, ob und wie etwa Sonnen-, Wind- und Wasserenergie wetterunabhängig ganzjährig mit einem berechenbaren Anteil zur Stromerzeugung beitragen könnten. Diese sogenannte Grundlastfähigkeit haben die erneuerbaren Energien derzeit noch nicht. Die SPD will mit einem Pilotprojekt in NRW herausfinden, ob die erwünschte Versorgungssicherheit mit einem "virtuellen Kraftwerk" zu erlangen wäre.

Das Modell sieht ein Netz vieler unterschiedlicher Kraftwerke vor, das durch zentrale Steuerung exakt die jeweils benötigten Energiemengen bereitstellen kann. Wenn die Energiewende umgesetzt werde wie geplant, komme es langfristig zu einer erheblichen Überschussproduktion an Strom aus erneuerbaren Quellen, sagte Römer. Deswegen müssten auch ausreichend Speicherkapazitäten geschaffen werden.

Das Konzept sei noch nicht marktreif, sollte aber erprobt werden, unterstrich Römer. Das Vorhaben wäre ein Vorzeigeprojekt für die geplante Klima-Expo in NRW. Regional hätten bereits einige Stadtwerke Projekte zum virtuellen Kraftwerk auf den Weg gebracht, etwa Aachen, Düsseldorf und Unna. Wenn es funktioniert, könnten die großen langfristig durch ein Netz Zehntausender kleiner und mittlerer Anlagen in Deutschland ersetzt werden, sagte Römer.

Im vergangenen Jahr lag der Anteil erneuerbarer Energien an der bundesweiten Stromproduktion durchschnittlich bei 24 Prozent. Laut Koalitionsvertrag der Bundesregierung soll er bis 2035 auf bis zu 60 Prozent steigen. - dpa

Quelle: wa.de

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