EU will Rente mit 70

BRÜSSEL/NRW - 1990 oder später geboren wurde, wird seinen Lebensabend in Rente möglicherweise erst mit 70 beginnen können. Eine Studie der EU-Kommission kommt zu dem Ergebnis: Um eine „schmerzhafte Kombination aus geringeren Zahlungen und höheren Beiträgen“ zu vermeiden, muss das Renteneintrittsalter mit der Lebenserwartung steigen.

Derzeit gehen die EU-Bürger im Schnitt mit 60 in den Ruhestand. Die stetig steigende Lebenserwartung bei gleichzeitig sinkenden Geburtenzahlen würde laut Studie langfristig zum Kollaps führen. Heute finanzieren in der EU drei Erwerbstätige einen Rentner. Bleibt das Eintrittsalter in den Ruhestand unverändert, werden 2030 nur noch zwei Beschäftigte die Lasten aufzubringen haben. 2060 aber kippt die Alterspyramide endgültig: drei Berufstätige müssten dann für vier Pensionäre sorgen.

Die Studie geht davon aus, dass die Menschen in 50 Jahren rund sieben Jahre länger leben. Entsprechend sollte auch der Beginn des Ruhestandes schrittweise nach hinten geschoben werden. Als Grundsatz gilt: Höchstens ein Drittel der Lebenszeit über 18 darf in Rente verbracht werden. Dementsprechend müsse der Beginn der Zahlungen schrittweise auf 70 verschoben werden. Gut vorbereitet scheint da die Bundesrepublik, wo das gesetzliche Rentenalter bis 2030 auf 67 steigen soll. Eine Fortführung der Anhebung entspräche genau den Vorgaben.

Bei Spitzenpolitikern in NRW stößt der Vorschlag auf wenig Gegenliebe: Er sei „entschieden dagegen“, ließ NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann ausrichten. „Rente mit 70 bedeutet für die allermeisten Menschen, die aus körperlichen Gründen nicht bis 70 arbeiten können, einen Vorschlag zu einer verkappten Rentenkürzung. Das ist vor allem ein Beitrag zur Ausweitung der Altersarmut,“ sagte Grünen-Landesvorsitzende Daniela Schneckenburger. Die Forderung sei „absolut aberwitzig und unverschämt“, sagte Linke-Landtagsfraktionschef Wolfgang Zimmermann. In den allermeisten Branchen könne gar nicht so lange gearbeitet werden. Vor allen Dingen würde das bedeuten, „dass die Kosten der Krise weiterhin auf dem Rücken der Arbeitnehmer und Rentner ausgetragen werden“. - DETLEF DREWES/DETLEF BURRICHTER

Quelle: wa.de

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