NRW will Auskunft über Fracking-Pläne in den Niederlanden

DÜSSELDORF - Nordrhein-Westfalen lehnt die umstrittene Fracking-Gasförderung unter Chemikalien-Einsatz ab. Zu hohe und zu viele ungeklärte Risiken. Nun befasst man sich in den Niederlanden damit. Auch das Grenzgebiet wird nicht ausgeschlossen. Beschlossen ist aber nichts.

Berichte über niederländische Pläne, sich mit der umstrittenen Fracking-Gasförderung auch im Grenzgebiet zu NRW zu befassen, haben Unruhe in Nordrhein-Westfalen ausgelöst. Die Staatskanzlei bat das niederländische Wirtschaftsministerium um Informationen zum "Stand des Beteiligungsverfahrens zur Umweltprüfung", wie Regierungssprecher Thomas Breustedt am Donnerstag mitteilte. NRW-Grünen-Fraktionschef Reiner Priggen riet dem Nachbarland zum Verzicht. Ein Sprecher des niederländischen Wirtschaftsministeriums stellte daraufhin am Freitag klar, dass noch keine Entscheidung in Sachen Fracking-Zulassung gefallen sei und es auch keinerlei Festlegung auf das Grenzgebiet gebe.

Auslöser war ein Bericht der "Rheinischen Post", demzufolge das Nachbarland Fracking ab 2015 im Grenzgebiet zulassen könnte. Darauf hin hatte die NRW-Staatskanzlei Informationen angefordert.

Ein Sprecher des niederländischen Wirtschaftsministeriums versicherte nun: "Die Staatskanzlei wird bald eine Antwort bekommen." Es gebe aber keinen Grund zur Eile. "Der Bericht zur Umweltprüfung ist erst im Juli fällig. Wir werden bis dahin die Meinung von allen anhören." Erst dann wird es eine Berichts-Endfassung geben.

Der Sprecher betonte zugleich, dass bisher keine konkreten Pläne für ein Fracking nahe der Grenze vorliegen. "Bis jetzt gibt es lediglich eine Untersuchung, ob Fracking erlaubt werden kann. Und wenn das der Fall sein sollte, wird geprüft, welche Stelle dafür am besten geeignet ist. Das könnte an der Grenze sein, aber auch anderswo." Und: "Es kann aber auch sein, das es keine Genehmigung für das Fracking geben wird."

Bei dieser Technologie wird unter hohem Druck und Chemikalien-Einsatz Gestein in großer Tiefe aufgebrochen, damit Gas aus den Zwischenräumen entweichen kann.

Grünen-Fraktionschef Priggen appellierte: "Die Niederländer sollten auf diese Option verzichten, solange es nicht möglich ist, ohne jegliche Gefährdung des Grundwassers Gas zu gewinnen." In Düsseldorf forderte er laut Mitteilung, es müsse "ausgeschlossen werden, dass es zu Grundwasserbeeinträchtigungen in Deutschland kommt."

Die RP beruft sich auf einen Entwurf "Strukturvision Schiefergas" des niederländischen Wirtschaftsministeriums. Die dortige Regierung gehe von großen Schiefergasvorkommen in weiten Teilen des Landes aus - etwa in Teilen der Provinzen Limburg, Nord-Brabant und Gelderland. Anfang 2015 wolle das niederländische Parlament entscheiden, ob es Probebohrungen und Fracking zulasse.

Priggen zufolge hat das Nachbarland bei der konventionellen Gasförderung immer stärker mit Problemen zu kämpfen. So habe die Gasförderung 2013 eine Rekordzahl von 127 Erdbeben und erhebliche Gebäudeschäden in den Niederlanden ausgelöst. Deshalb rücke nun offenbar das riskante Fracking stärker ins Blickfeld.

NRW ist - wie auch die anderen Bundesländer - gegen Fracking mit Chemikalien. Die rot-grüne Landesregierung hat diese Fördertechnik ausgeschlossen, solange Risiken für Menschen und Umwelt nicht vollständig ausgeschlossen sind. Das hatte auch Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) mehrfach versichert. - lnw

Quelle: wa.de

Rubriklistenbild: © dpa

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