Zu wenige Hebammen

In einigen Regionen haben Schwangere bereits Schwierigkeiten eine Hebamme zu finden.

BERLIN/DÜSSELDORF ▪ In Teilen Nordrhein-Westfalens gibt es zu wenige Hebammen – und das Problem wird sich weiter verschärfen. Die Gründe sind steigende Kosten bei anhaltend niedrigem Einkommen. Gestern scheiterten erneut Verhandlungen zwischen Krankenkassen und Hebammenverband, ein Gutachten zeigt, dass das Angebot der freien Hebammen immer weiter zurück geht. Von Sandra Oelschläger

„Unser Verdienst ist seit Jahren auf konstant niedrigem Niveau, die Kosten aber steigen stetig“, sagt Renate Egelkraut, Landesvorsitzende des Hebammenverbandes NRW. Das mache den Beruf der freiberuflichen Hebamme derart unattraktiv, dass die Bewerberzahlen in der Vergangenheit um 50 Prozent eingebrochen seien.

Im Sauerland droht ein Versorgungs-Engpass

In einigen Regionen herrsche bereits eine Unterversorgung. So etwa im Sauerland. Lange Fahrtwege zu den Müttern im Wochenbett machten den Beruf finanziell in der Region besonders unattraktiv.

„Und auch in Städten mit hohen Lebenshaltungskosten ist eine Unterversorgung bereits spürbar.“ So zum Beispiel in Düsseldorf. Schwangere hätten große Probleme, eine Hebamme zu finden. Die Kolleginnen seien bis Dezember ausgebucht. Ein gestern veröffentlichtes Gutachten des Bundesgesundheitsministeriums zeigt, dass freie Hebammen in den vergangenen Jahren ihr Geburtshilfe-Angebot eingeschränkt haben.

„Junge Frauen werden sich künftig gut überlegen, ob sie einen Beruf ausüben möchten, der kaum ausreicht, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren“, sagt Egelkraut. Auch gestern endete ein Treffen des Hebammenverbandes mit den Vertretern der Krankenkassen in Berlin ohne Ergebnis. Es war einmal mehr um die Anhebung des Bruttostundensatzes von 27,50 Euro gegangen. „Irgendwann muss der Knoten doch mal platzen“, sagt Egelkraut.

Und das sollte möglichst noch vor Juli passieren. Denn dann verteuert sich die Jahresprämie für die Berufshaftpflichtversicherung um 15 Prozent auf dann etwa 4200 Euro. Bei einem Jahreseinkommen, das im Mittel bei knapp 24 000 Euro liegt, ein ordentlicher Batzen Geld.

Der Appell von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) an die Kassen, die Situation der Hebammen „besser zu berücksichtigen“, entlockt Egelkraut nur ein müdes Lächeln. „Ändern wird sich dadurch ganz sicher nichts.“ Die Geburtshelferinnen werden lieber selbst aktiv, „damit Berlin auf uns aufmerksam wird“. So wie gestern bei einer Protestaktion vor dem Gesundheitsministerium.

Quelle: wa.de

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