Werner S. auf freien Fuß gesetzt

Wende im Hollstein-Prozess: Angeklagter wird aus U-Haft entlassen

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Dr. Andreas Hollstein wurde mit einem Messer angegriffen.

[Update] Altena - Werner S., der Ende November 2017 Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein bei einer Messerattacke in einem Altenaer Imbiss angegriffen hat, ist wieder frei.

Das Schwurgericht des Hagener Landgerichts hob den gegen ihn verhängten Haftbefehl auf. Es gebe erhebliche Zweifel daran, dass der 56-Jährige mit Tötungsabsicht handelte, als er Hollstein Ende November 2017 in einem Döner-Imbiss ein etwa 20 Zentimeter langes Messer an den Hals hielt, sagte der Vorsitzende Richter Jörg Weber-Schmitz zur Begründung. 

Zu Ende ist der Prozess damit allerdings noch nicht: Der Angeklagte könne jetzt wegen vorsätzlicher Körperverletzung und Bedrohung verurteilt werden, heißt es im Beschluss der Kammer. Das Verfahren wird am Freitag fortgeführt.

Ein Bürgermeister ohne Hass

Weber-Schmitz bezog sich auf die Aussage, die Hollstein am vergangenen Freitag als Zeuge gemacht hatte. Danach hielt S. ihm zunächst etwa 30 Sekunden lang das Messer vor die Kehle, ohne dass etwas passierte. Zur Verletzung kam es danach erst, als der Bürgermeister sich wehrte und nach S. Hand griff.

Kein Tötungsvorsatz nachzuweisen

In diesem Moment habe der Angeklagte das Messer aber gar nicht mehr gezielt führen können, meint die Kammer. Auch deshalb könne keine Tötungsabsicht angenommen werden. Auf gar keinen Fall sei der Schnitt lebensbedrohlich gewesen, sagte eine Gerichtsmedizinerin als Zeugin aus.

Die gesamte Berichterstattung über den Messerangriff

Die Verletzung sei drei Zentimeter lang und einen Millimeter tief gewesen und habe kaum geblutet, heißt es im Arztbrief der Märkischen Kliniken. Das Gericht hatte gegen 14 Uhr von sich aus Zweifel am Mordvorwurf geäußert, die anderen Verfahrensbeteiligten damit aber offensichtlich nicht überrascht.

Psychisch angeschlagener Täter

Staatsanwalt Jörn Kleimann zeigte sich ebenfalls davon überzeugt, dass S. den Bürgermeister nicht töten wollte und dass er deshalb aus der Untersuchungshaft entlassen werden könne. Bedenken äußerte lediglich Nebenklägervertreter Martin Düerkopp: Immerhin habe es sich um einen Angriff auf einen Repräsentanten des Staates gehalten.

Außerdem sei S. psychisch angeschlagen und es sei unklar, wo er wohnen solle. Das Problem hatte der Verteidiger Michael Aßhauer aber schon gelöst: Ein in Hagen lebender Freund des Angeklagten wird ihn aufnehmen. Er hatte sogar schon Kleidung für ihn mitgebracht. 

Angeklagter lebte in "menschenunwürdigen" Verhältnissen

Das Gericht ging auch auf die Lebensumstände des Angeklagten ein: „Katastrophal“ und „menschenunwürdig“ seien die Zustände in seinem Haus in der Altenaer Innenstadt gewesen, nachdem die Stadtwerke ihm wegen eines Zahlungsrückstandes von unter 300 Euro das Wasser abdrehten – ein Vorgehen, das den Vorsitzenden des Gerichts zu der Frage veranlasste, ob das nicht „arg unverhältnismäßig“ sei. 

Hintergrund für S. persönliche Probleme war nach Darstellung eines als Zeugen befragten Arztes der Hans- Prinzhorn-Klinik eine schwere Depression. Er war deswegen drei Monate lang in stationärer Behandlung.

Quelle: wa.de

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