Probleme "auf dem Land"

Weiße Internet-Flecken in NRW: "Müssen improvisieren"

Arnsberg - Wenn das Internet nicht schnell genug ist, sind Alternativen gefragt. Im Sauerland sorgen Richtfunk und Fernsehkabel für eine gute Versorgung - allerdings noch nicht überall.

Von Jörg Taron, dpa 

Manchmal gibt Burkhard Tigges einfach auf. "Wenn ich hier mittags mal Online-Banking machen will, geht nichts", sagt der Geschäftsführer des Maschinenbau-Unternehmens Transfluid aus Schmallenberg. Dann seien Alternativen gefragt. "Wir müssen halt improvisieren." Daten-intensive Downloads mache so mancher Mitarbeiter lieber mal zu Hause und manchmal seien auch Daten nach Feierabend von privaten Rechnern zu Kunden geschickt worden.

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So offen wie die Schmallenberger Firma spricht kaum ein Unternehmen über den Frust mit dem langsamen Internet. "Es ist zwar besser geworden. Aber es gibt immer noch viele Firmen mit Problemen", sagt der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der IHK Arnsberg, Ralf Huess. Die wollten damit aber nicht an die Öffentlichkeit. "Das ist ja auch Negativ-Werbung."

Bis zum Jahresende will die Telekom das Problem gelöst haben. Dann soll auch das Gewerbegebiet am Rande Schmallenbergs an einer Leitung mit 50 Megabit pro Sekunde hängen. Damit die Telekom die Bagger anrücken lässt und einen Glasfaser-Knotenpunkt errichtet, mussten Transfluid und etwa 70 weitere Unternehmen Überzeugungsarbeit leisten. Mit Barem: "Wir haben letztlich jeder zwischen 100 und 3000 Euro als einmaligen Baukosten-Zuschuss gezahlt, damit das losgeht", berichtet Tigges.

Insgesamt liegt die Breitband-Versorgung des Hochsauerlandkreises über dem NRW-Landesschnitt. Mehr als 80 Prozent der Orte haben bereits einen 50 Megabit-Internet-Zugang. "Es gibt aber immer noch weiße Flecken", sagt Michael Stratmann von der Telekommunikationsgesellschaft Südwestfalen.

Die von fünf Kreisen finanzierte Gesellschaft hat mit Richtfunk abgelegene Orte ans weltweite Netz angeschlossen. "Wir haben unseren Richtfunk gebaut, wenn es 20 Kunden gab", sagt Stratmann. Dass der Hochsauerlandkreis bei der Breitband-Versorgung so gut dastehe, habe auch mit der in den 1990-er Jahren gelegten Kabel-TV-Struktur zu tun. "Da kann jetzt Internet mit bis zu 150 Megabit angeboten werden", sagt Hellmann.

Wie wichtig das Kabelnetz ist, zeigt der Nachbarkreis Olpe, der hat nur eine Versorgungsquote von rund 44 Prozent erreicht. "Da waren die Kabelfernseh-Anbieter damals nicht so aktiv", sagt Hellmann. Gleiches gelte für die Kreise Borken oder Coesfeld im Münsterland. Viel Fläche, wenig Menschen und viele Höfe in Alleinlage. "Da hat keiner Kabel hingelegt."

Die Breitband-Versorgung schwankt oft von Ort zu Ort - auch in der Eifel. In Tondorf (Kreis Euskirchen) läuft es prima, im Örtchen Hecken ist das Internet dagegen "vom Winde verweht", wie Karl-Heinz Monowski berichtet. Er betreibt dort ein Internetradio. Nur wenige Wolken genügten, um die zerbrechliche Funkverbindung einfach weg zu fegen. "Ich bin auf meine Sponsoren angewiesen, doch sobald es etwas mehr Regen gibt, fällt die Sendung aus." Weil Bitten und Beschwerden nichts genutzt hätten, ziehen Monowski und seine Partnerin Patricia Konsequenzen: "Wir ziehen jetzt um. Nach Wuppertal."

Quelle: wa.de

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