WDR 4-Wettbewerb gewonnen

Kölner hinter sich gelassen: Westfalen rocken Karneval

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Die „Dreckskapelle“ aus Arnsberg-Herdringen und Ense-Bremen: (von links) Uwe Richthoff, Josef Weingarten und Robert Josek

Die Westfalen kommen in dieser Saison ganz groß im Karneval – zumindest musikalisch: Die „Dreckskapelle“ aus Arnsberg-Herdringen und Ense-Bremen haben den Karnevalshit der Saison gelandet. Von Holger Drechsel

Beim Wettbewerb der Heimatwelle WDR 4 schlugen sie die namhafte Konkurrenz aus dem Rheinland mit dem Lied „Ist das nicht schön?“, komponiert vom Unnaer Produzenten Wolfgang Pentinghaus.

"Dreckskapelle" landet DEN Karnevals-Hit

Im Karneval gilt Westfalen als hoffnungslos unterentwickeltes Wüstengebiet, gespickt mit wenigen bunten Oasen. Eine Region, der das jecke Rheinland immer etliche Pappnasenlängen voraus ist. Nur: Auf dem Felde der jecken Musik haben die Rheinländer jetzt eine herbe Niederlage einstecken müssen. Der Karnevalshit der Saison, offiziell gekürt von der Schunkelwelle WDR 4, kommt aus Westfalen.

„Dreckskapelle“ nennt sich das Trio, das sich mit „Ist das nicht schön?“ an die Spitze der Narren-Hitparade katapultiert hat. Und Sänger Uwe Richthoff (Bandname Heinz Leiff) ist hörbar überwältigt vom überraschenden Erfolg: „Das ist sensationell. Wir haben die ganze Kölner Elite hinter uns gelassen.“

So entstand die Idee zur "Dreckskapelle"

Tatsächlich hatten bei dem traditionellen WDR4-Wettbewerb alle Größen der Schunkel-Branche Lieder eingereicht. Doch Brings, Paveier und selbst die erfolgsverwöhnten Höhner mit Stefan Raab im Schlepptau hatten keine Chance gegen das närrische Westfalentrio aus Arnsberg-Herdringen und Ense.

Sie schrieben den Karnevalshit „Ist das nicht schön“: Wolfgang Pentinghaus und Ehefrau Claudia Stern.

Dabei ist die „Dreckskapelle“ noch recht neu auf dem Markt. „Wir haben uns am 11. 11. 2012 gegründet“, erzählt Sänger Richthoff. Der 47-Jährige aus Herdringen indes ist kein Musik-Frischling. Er ist seit Jahren mit seiner Schlager-Band „Playa Rouge“ unterwegs. Für die Musik gab er vor Jahren seine Beamtenlaufbahn auf: „Ich war sechs Jahre lang Polizist in Selm-Bork. Aber irgendwann musste ich mich entscheiden.“ Er entschied sich für die Musik: „Viele fanden das verrückt.“

Die Idee zur „Dreckskapelle“ kam ihm im vergangenen Herbst bei einem Weinfest-Auftritt in Bonn. Am Ende der Show habe ein Zuschauer gerufen: „Komm, Dreckskapelle, spiel noch einen!“ Hängen blieb der griffige Bandname.

Der Hit stammt aus Unna

Mitstreiter fand Richthoff in seinem Nachbarn Josef Weingarten. Der 20-jährige Schreiner gibt nun als Schlagzeuger André Snärr den Takt an. Dritter im Bunde ist Musikproduzent Robert Josek aus Ense-Bremen. Der 51-jährige ist als Partylöwe Koslowski der Akkordeon-Spieler der Truppe.

Der Hit selbst aber kommt aus Unna. Im Ortsteil Massen hat Musikproduzent Wolfgang Pentinghaus sein Studio. Der 59-Jährige ist ein alter Fahrensmann in der Schlagerbranche, hat schon Hits geschrieben für Ireen Sheer oder die Flippers. Und wollte „mal etwas ausprobieren“ auf dem Markt der Stimmungsmusik, wie er sagt. Mit Sänger Richthoff arbeitet er seit Jahren zusammen – nun starteten sie ihr jeckes Pilotprojekt. Der Text zu „Ist das nicht schön?“ stammt von Pentingshaus Ehefrau Claudia Stern, selbst Schlagersängerin. Die Musik schrieb er selbst. Und jetzt ist Pentinghaus „überrascht und auch stolz, die gesamte Kölner Mundart-Elite“ geschlagen zu haben. In der „Dreckskapelle“ mit ihre „schrägen Programm“ sieht er reichlich Potenzial, ein erstes Album sei in Planung.

"Das geht jetzt richtig los"

Die Band selbst ist bereit zum Durchstarten. Donnerstagabend Auftritt in Gelsenkirchen, heute der Ritterschlag bei der närrischen Gala des WDR in Köln: „Das geht jetzt richtig los“, freut sich Managerin Kerstin Schneider, Ehefrau von Sänger Richthoff: „Wir sind bis 2014 gut gebucht.“ Nach dem Karneval kämen Schützen- und Stadtfeste, Auftritte in Berlin und Hamburg seien schon fix. „Überwältigend“, findet die das Managerin. Die schrägen Westfalen kommen gewaltig.

Quelle: wa.de

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