Harte Entgeltrunde

Sieben Fragen und Antworten zum Post-Streik

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BONN - Bei der Deutschen Post müssen in diesem Jahr zwei Tarifverträge neu verhandelt werden: Es geht um Entgelte und die Neuregelung von Arbeitszeiten. Angesichts der verhärteten Fronten droht in den kommenden Wochen einer der härtesten Arbeitskonflikte in der Geschichte der Post.

Erste Warnstreiks bei der Deutschen Post haben wenige Tage vor Ostern einen Vorgeschmack auf die diesjährige Tarifrunde geliefert. Briefe, Päckchen und Pakete blieben liegen und wurden verspätet ausgeliefert. Die Post musste bei der Zustellung unter anderem auf erfahrene Beamte und Service-Partner zurückgreifen. Dreht die Gewerkschaft Verdi weiter auf, könnte der weltweit größte Post- und Logistikkonzern in Bedrängnis geraten. Zunächst sind die Warnstreiks bis zu den nächsten Verhandlungen am 14. April ausgesetzt.

Was ist der Hintergrund des Tarifstreits?

Auslöser ist die Gründung von 49 regionalen Gesellschaften unter dem Dach der Posttochter DHL Delivery im Paketgeschäft am Jahresanfang. Die dort Beschäftigten werden nicht nach dem höheren Haustarif bezahlt, sondern nach den jeweils gültigen regionalen Tarifen des Logistikgewerbes. Die Post will im harten Wettbewerb Kosten sparen.

Warum geht Verdi auf die Barrikaden?

Die Gewerkschaft kritisiert, dass die Post auf diesem Wege Beschäftigte in eine kostengünstigere Tochter abschiebt. Zugleich wirft sie dem Unternehmen vor, tarifliche Vereinbarungen zum Schutz vor Fremdvergabe im Paketgeschäft gebrochen zu haben. Danach dürfen bis zu maximal 990 Paketzustellbezirke an interne oder externe Unternehmen vergeben werden. Das sind weniger als zehn Prozent aller Zustellbezirke. Mit der Gründung der regionalen Gesellschaften baue die Post aber ein zweites flächendeckendes Paketzustellnetz auf.

Wie kommt die Arbeitszeitverkürzung in Spiel?

Verdi hatte als Reaktion auf die Pläne der Post die tariflichen Regelungen zur Arbeitszeit aus dem Manteltarifvertrag gekündigt. Jetzt fordert sie gewissermaßen als Entschädigung für den nach ihrer Ansicht Bruch der tariflichen Vereinbarungen eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit von 38,5 auf 36 Stunden mit vollem Lohnausgleich für 140 000 Mitarbeiter.

Welche Position vertritt die Post?

Einen Vertragsbruch weist der Konzern entschieden zurück und betont, dass die fest angestellten Tarifbeschäftigten von der Neugründung gar nicht betroffen seien. Dauerhafte Jobs in den neuen Firmen seien lediglich den befristet Beschäftigten angeboten worden. Außerdem sollen neue Mitarbeiter angeworben werden. Derzeit arbeiten in diesen Unternehmen der Post zufolge bereits mehr als 5500 Menschen. Darunter befinden sich 3800 mit bislang befristeten Verträgen bei der Post, rund 1700 Mitarbeiter wurden neu eingestellt.

Welche Strategie verfolgt die Post?

Mit Neuordnung der Paketsparte antwortet die Post auf den anhaltenden Online-Boom und des von ihm getriebenen Paketgeschäftes. Dabei geht es vor allem um Kosteneinsparungen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Denn im Vergleich zur Konkurrenz zahlt die Post nach eigenen Angaben doppelt so hohe Löhne. Postchef Frank Appel hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass letzte Tariferhöhung im Mutterkonzern zu hoch ausgefallen sei. Schon früh brachte er niedrigere Einstiegslöhne ins Spiel, die jetzt bei Neueinstellungen in den Paketgesellschaften greifen.

Wie tief sind die Gräben zwischen Verdi und Management?

Sehr tief - auch wenn die Verhandlungen zur Arbeitszeit erst am Anfang stehen. In der ersten Runde hatten die Arbeitgeber am 19. März eigene Ideen zur Verkürzung und Flexibilisierung der Arbeitszeit präsentiert, die zum Teil weiter reichen, als die Verdi-Forderung. Verhärtet sind die Positionen deshalb, weil die Post über die Frage des Lohnausgleichs erst bei den Gehaltsverhandlungen sprechen will. Dieser Tarifvertrag läuft Ende Mai aus. Für Verdi hat das eine aber nichts mit dem anderen zu tun.

Sind die Türen schon zugeschlagen?

Nein. Am 14. April kommen die Tarifpartner in Berlin erneut zusammen, um über die Arbeitszeit zu sprechen. Der Arbeitgeber fordert dabei eine inhaltliche Auseinandersetzung über seinen Vorschlag. Verdi verlangt dagegen ein "ernsthaftes Angebot". Die Tarifverhandlungen über Entgelte beginnen voraussichtlich im Mai. Eine Forderung hierzu hat Verdi noch nicht aufgestellt.

dpa

Quelle: wa.de

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