Im Wanderfieber: Biologen vermuten mehr als eine Million Froschlurche in NRW

+
Gerettet: In Eitorf-Mühleip sitzt eine Kröte auf der Hand einer Sammlerin.

RECKLINGHAUSEN - Erdkröten in den Startlöchern: Anfang März beginnt in Deutschland die Wandersaison der braunen Froschlurche, und ganze Heerscharen von Tieren machen mit. Doch Tausende von Kröten werden wohl auch in diesem Jahr den Verkehrstod sterben und plattgewalzt von Autoreifen auf der Straße enden.

An Schutzzäunen entlang der Wege zu den Laichgewässern sammeln ehrenamtliche Helfer allein in NRW alljährlich Hunderttausende Tiere ein und transportieren sie sicher über die Straßen. In Dortmund versucht man sogar, die Kandidaten auf gefährlichem Kurs in eigens angelegte Ersatzgewässer umzusiedeln, berichtet der zuständige Amtsleiter Wilhelm Grote. Vor allem an Neubaustrecken könnten die Amphibien vielerorts Krötentunnel nutzen, heißt es beim Landesbetrieb Straßen.NRW.

Derzeit laufen die letzten Vorbereitungen für den Massenansturm auf Hochtouren. Innerhalb von nur etwa drei Wochen können bei großen Beständen bis zu 2 000 Kröten auf Wanderschaft gehen, berichtet der Biologe Arno Geiger vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV). Auch wenn sich die große Mehrheit der Tiere in diesem Jahr noch nicht auf den Weg gemacht habe, seien „Speerspitzen“ der Bewegung bereits gesichtet worden.

In NRW schätzen die Biologen des Landesamts die Zahl der Erdkröten auf mehr als eine Million Tiere, von denen jedoch nur etwa 10 bis 20 Prozent den Weg in die Laichgewässer antreten. Bundesweit seien es mehrere Millionen Tiere, schätzt der Experte. Zahlen für ganz Deutschland existierten jedoch nicht, hieß es.

Als „sehr konservativ“ eingestellte Lurchart bevorzugten die Erdkröten in der Regel den Weg in ihr jeweils angestammtes Laichgewässer, so Geiger. Straßen würden von den Tieren dabei nicht als Todesfalle erkannt, sondern wegen des übersichtlichen Geländes von den Männchen sogar gern zur Brautschau genutzt. In „Spähhaltung mit durchgedrücktem Rücken“ warteten die Männchen dort oft auf das Objekt ihrer Begierde. „Wenn der eine Stunde dort steht, ist der dreimal totgefahren“, beschreibt der Experte die eher trüben Aussichten. Allein schon wegen ihrer Größe von bis zu 16 Zentimetern stoße der Schutz der Tiere auf viel Interesse, sagt Geiger. In Deutschland gehörten Erdkröten jedoch nicht zu den gefährdeten Tierarten. In der Schweiz und in Österreich seien sie bereits unter Beobachtung. - dpa

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare