Wallraff prangert Paketbranche an: Erste Reaktionen

DÜSSELDORF - Die Vorwürfe des Enthüllungsjournalisten Günter Wallraff über ausbeuterische, teilweise sklavenähnliche Zustände in der Paketbranche - insbesondere beim Zusteller GLS - haben erste Reaktionen ausgelöst.

Der Sprecher des Paketverbands Hermes, Thomas Voigt, kündigte in einer Diskussionsrunde mit Wallraff bei "stern TV" am späten Mittwochabend Verbesserungen für die Paketfahrer an. "In diesem System ist etwas nicht in Ordnung", räumte der Sprecher der Otto-Gruppe ein, zu der auch Hermes gehört. "Wir sind bei Hermes grundlegend dabei, das ganze System umzubauen. Wir werden die Bezahlung pro Paket abschaffen und einen Stundenlohn einführen."

Wallraff (69) war ab Ende 2011 unter falscher Identität an mehreren Standorten des europaweit tätigen Paketzustellers GLS als Paketbote im Einsatz. Die Ergebnisse seiner Undercover-Recherchen waren als Reportage am Mittwochabend bei RTL zu sehen und sind am Donnerstag im "Zeit-Magazin" erschienen. Die Hauptkritik gilt GLS, aber auch den Missständen in der Branche allgemein. Auch ein früherer Fahrer von Hermes kommt zu Wort.

Wallraff spricht von "Menschenschinderei mit System" und "einer Form von moderner Sklaverei." GLS arbeite ausschließlich mit Subunternehmern - meistens selbst Fahrer oder frühere Fahrer - und verpflichte diese zu ruinösen und schwer durchschaubaren Bedingungen. Eine Sprecherin von GLS Germany kündigte am Donnerstagmorgen gegenüber dpa eine Erklärung zu den Vorwürfen Wallraffs an. GLS (General Logistics Systems) mit Sitz in Amsterdam hat nach eigenen Angaben gut 210 000 Kunden in Europa. - lnw

Quelle: wa.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare