Vorwurf: Erzieherin zwang Kinder, Erbrochenes zu essen

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BOCHUM - Eine Erzieherin aus Herne soll Kinder in einem Kindergarten jahrelang gequält und misshandelt haben. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Kleinen Erbrochenes essen oder stundenlang mit dem Gesicht zur Wand sitzen mussten.

Seit Mittwoch beschäftigen die Vorwürfe das Bochumer Amtsgericht. Die 32-jährige ist wegen Misshandlung Schutzbefohlener angeklagt, sie bestreitet aber alle Vorwürfe.

Eine der betroffenen Mütter weinte am ersten Verhandlungstag im Zeugenstand und sagte: "Mein Sohn stand jeden Morgen am Kindergartentor. Er hat am ganzen Körper gezittert und immer nur gesagt: Mama, nimm mich hier weg."

Der Herner Kindergarten war Ende 2012 in die Schlagzeilen geraten. Zwei Erzieherinnen hatten sich an die Leiterin der Einrichtung gewandt, dann übernahmen Polizei und Staatsanwaltschaft. "Die Kinder waren alle fix und fertig", sagte eine der Frauen den Richtern am Mittwoch. "Alle haben nur noch geweint." Besonders schlimm sei es beim Mittagessen gewesen. Die Angeklagte habe darauf bestanden, dass die Kinder auch ihr Gemüse essen. Dabei habe sie nicht einmal auf Kinder mit Essstörungen Rücksicht genommen. "Als sich ein Mädchen übergeben hat, hat sie den Löffel in das Erbrochene eingetaucht und dem Kind in den Mund getan."

Sie selbst sei am Ende nur noch in den Kindergarten gegangen, um aufzupassen, dass nicht noch Schlimmeres passiert, sagte die Zeugin. Dass die beiden Erzieherinnen jahrelang schwiegen, begründeten sie mit ihrer Angst vor der Kollegin und mit der Furcht, möglicherweise nichts beweisen zu können.

Die Angeklagte beteuerte ihre Unschuld: "Natürlich habe ich geschimpft, wenn die Kinder das Essen ausgespuckt haben. Ich habe dann versucht, sie zu motivieren und sie teilweise auch gefüttert. Aber nicht bis zum Erbrechen." Sie habe auch keine Kinder eingesperrt oder stundenlang mit dem Gesicht zur Wand stehen lassen.

Genau davon geht die Staatsanwaltschaft jedoch aus. In der Anklage ist von einem Klima der Feindseligkeit und Verängstigung die Rede, das die 32-Jährige durch häufiges Anschreien, psychischen Druck und Strafaktionen geschaffen habe. Darauf hätten die Kinder mit heftigem Weinen reagiert. Die Richter haben für den Prozess noch zwei Verhandlungstage bis zum 12. März vorgesehen.

Quelle: wa.de

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