Rapper Najafi will trotz Todesdrohung weitermachen

KÖLN - Der iranische Rapper Shahin Najafi versteckt sich im Rheinland. Sein jüngster Song hat islamische Geistliche erzürnt, sie sehen das als Gotteslästerung. Todesdekrete und eine hohes Kopfgeld machen den Musiker zum Gejagten. Er will aber weiter texen. 

Gegen den in Deutschland lebenden iranischen Rapper Shahin Najafi sind inzwischen vier Todesdekrete von islamischen Geistlichen erlassen worden. Das sagte der seit einem Monat an geheimem Ort und unter Polizeischutz lebende Musiker der Nachrichtenagentur dpa am Mittwoch. "Die machen keinen Spaß. Es könnte jeden Tag zu Ende sein." Trotz der Gefahr wolle er weiter kritische Texte schreiben und plane eine Tournee. Der Kölner Journalist Günter Wallraff, der Najafi unterstützt, sprach von einem "ernsthaften Vernichtungswillen" des iranischen Regimes. Er hoffe auf eine breite Solidarität in Deutschland für den jungen Künstler.

Gegen den 31-Jährigen hatten im Mai zwei Großajatollahs zwei Dekrete - Fatwas - herausgegeben, in dem sie Najafi als Ketzer bezeichnen und ihm Gotteslästerung vorwerfen. Er habe in seinem jüngsten Song den von schiitischen Muslimen verehrten zehnten Imam beleidigt. Zwei weitere solcher Fatwas seien noch hinzugekommen, sagte Najafi, der Strafanzeige wegen Aufrufs zum Mord gestellt hat. Auf den Musiker ist zudem ein Kopfgeld von 100 000 Dollar ausgesetzt. "Das iranische Regime duldet keine Kritik, das ist lebensgefährlich", betonte Najafi. Dennoch wolle er seine Musik weiter veröffentlichen und in diesem Jahr eine Tournee in den USA beginnen. "Ich muss weiter singen und schreiben."

"In meinem Text geht es um gesellschaftliche und politische Probleme im Iran (...), um die Beschränkung von Freiheit." Sein jüngster Song sei satirisch und provozierend - und er bleibe bei seinen Aussagen, sagte Najafi, der 2005 nach Deutschland gekommen war. In seiner Heimat war er Untergrundmusiker und politischer Aktivist. Najafis Songs werden dort auf dem Schwarzmarkt gekauft oder im Internet heruntergeladen.

Wallraff will möglichst breite Solidarität für ihn organisieren. "Shahin Najafi ist jemand, der bereit ist, etwas zu riskieren und der jetzt Schutz und Hilfestellung braucht", betonte der Schriftsteller (69). "Man muss den Angstmachern in dem menschenverachtenden iranischen Regime zeigen, dass sie letztlich unterlegen sind, sich selbst entblöden und nur das Gegenteil erreichen. Shahins Texte werden im Iran umso mehr gehört." Wallraff hatte 1989 den iranischen Schriftsteller Salman Rushdie aufgenommen, der wegen seines Buchs "Die satanischen Verse" ebenfalls mit einer Fatwa mit dem Tode bedroht worden war.

Nach Wallraffs Worten kündigen inzwischen auch in Deutschland schon Unbekannte anonym auf Webseiten an, sie wollten "Vollstrecker" der Fatwas werden. Vor der deutschen Botschaft in Teheran werde in staatlich organisierten Demonstrationen die Auslieferung Najafis verlangt, Fotos von ihm würden verbrannt. - lnw

Quelle: wa.de

Rubriklistenbild: © dapd

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