Verunsicherte Versichterte

DÜSSELDORF ▪ Finanznöte bei Krankenkassen verunsichern immer mehr Versicherte in Deutschland.

Nach der Aufsehen erregenden Bekanntgabe der Schließung der City BKK zum ersten Juli musste nun mit der Vereinigten IKK auch eine bedeutendere Krankenkasse mit immerhin 1,7 Millionen Versicherten finanzielle Engpässe bestätigen. Nach Angaben einer Sprecherin der Kasse in Düsseldorf verhandle man derzeit mit anderen deutschen Innungskrankenkassen über eine „freiwillige finanzielle Unterstützung“. Mit Blick auf die laufenden Gespräche wollte sie keine Angaben machen, ob die Kasse künftig einen Zusatzbeitrag erheben will oder eine Fusion mit anderen Kassen plant: „Es gibt noch nichts Spruchreifes.“

Gleichwohl betonte man bei der IKK, dass sich ihr Fall deutlich von der Pleite der City BKK unterscheide. Die Vereinigte IKK sei weder verschuldet noch von der Schließung bedroht. Die Ursache für die Engpässe seien allerdings bei den Kassen gleich und strukturell bedingt. Beide Kassen hätten den Großteil ihrer Versicherten in Großstädten. Dort aber seien die Kosten für eine Kasse höher, weil Versicherte auf Grund des besseren Angebotes häufiger Fachärzte und teure Apparatemedizin in Anspruch nähmen als etwa auf dem Land.

Beim Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) in Berlin bestätigt man das. Generell, so ein GKV-Experte, sei die Lage bei den Kassen „mehr als stabil – es gibt keinen Grund zur Panik“. Problematisch werde es aber dann, wenn eine Kasse wegen finanzieller Schwierigkeiten Zusatzbeiträge erhebe. 13 Kassen tun das derzeit – und alle hätten, teils massiv, Versicherte verloren: „Durch die Zusatzbeiträge ist in das früher eher träge System richtig Dynamik reingekommen“, so der Experte. Ein weiteres Problem sei, dass die Krankenhauskosten je nach Land unterschiedlich seien – „auch da gibt es große regionale Unterschiede. Das gleicht der Gesundheitsfonds nicht aus.“

Das Problem lösen könnten die Kassen nur durch noch größere Einsparungen und durch weitere Fusionen, heißt es bei der GKV: „So kann man regionale Differenzen ausgleichen und auch eine stärkere Marktposition erhalten.“ Bei der Vereinigten IKK sieht man das genauso, wie deren Vorstandsvorsitzender Werner Terlohr der „Ärzte-Zeitung“ sagte: „Eine bundesweite IKK wäre wünschenswert.“ ▪ Holger Drechsel

Quelle: wa.de

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