Verbrechen 2013: Nur jeder siebte Wohnungseinbruch wird aufgeklärt

DÜSSELDORF - Wohnungseinbrüche, Computerkriminalität, Kinderpornografie - in diesen Bereichen kann die Polizei kaum Schritt halten. Das zeigt die neue Statistik.

Wohnungseinbrüche bleiben ein Riesenproblem in Nordrhein-Westfalen. Mit fast 55 000 registrierten Fällen stieg die Zahl der Einbrüche in Wohnungen und Häuser im vergangenen Jahr erneut um 1,5 Prozent. Unverändert werde nur etwa jedes siebte dieser Delikte aufgeklärt, berichtete NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) am Montag bei der Vorlage der Kriminalitätsstatistik 2013 in Düsseldorf. Die Polizei könne mit ihren Personalressourcen die steigenden Fallzahlen nicht bewältigen, stellte die Gewerkschaft der Polizei (GdP) in einer Mitteilung fest.

Die Entwicklung sei regional sehr unterschiedlich, sagte Landeskriminaldirektor Dieter Schürmann. So sei etwa die Zahl der Wohnungseinbrüche in Düsseldorf im Jahresverlauf um 16 Prozent gesunken. Der gestiegene Fahndungsdruck in einigen Städten führe allerdings dazu, dass mobile Einbrecherbanden dafür verstärkt in anderen Regionen oder Nachbarländern zuschlagen.

Generell sei eine Verschiebung weg von den inzwischen gut gesicherten Einfamilien- und Reihenhäusern hin zu Mehrfamilienhäusern in den Stadtzentren zu beobachten - selbst in sozial schwächere Vierteln. Mit brachialer Gewalt werde dort in kurzer Zeit in vielen Wohnungen Beute gemacht - überwiegend Bargeld und Schmuck.

"In vier von zehn Fällen scheiterte der Einbruch bereits im Versuch, weil Riegel und Alarmanlagen die Täter aufgehalten haben", betonte Jäger. "Das zeigt, wie wichtig die gute Sicherung der eigenen vier Wände ist." Die Polizei berate kostenlos.

Unter den insgesamt 5284 ermittelten Tatverdächtigen dieses Deliktsbereichs waren 2030 ausländische Wohnungseinbrecher. "Das ist die höchste Zahl seit 30 Jahren", stellte Jäger fest. Unter den Tatverdächtigen aus 22 Nationen seien neben Deutschen überwiegend Rumänen und Bulgaren entdeckt worden.

Die Gesamtzahl aller Straftaten ging um 2,2 Prozent auf 1,48 Millionen Fälle zurück. Fast jede zweite gemeldete Straftat konnte aufgeklärt werden. "Das ist ein Wert, der uns nicht zufriedenstellt", betonte Jäger.

Die GdP sieht den starken Anstieg der Internetkriminalität als besonders problematisch an. Sie stieg um 21,5 Prozent auf über 27 000 Fälle. "Uns fehlen die Auswertekapazitäten und IT-Experten, um mit dieser Entwicklung Schritt halten zu können", warnte der GdP-Landesvorsitzende Arnold Plickert.

Dringenden Handlungsbedarf gebe es bei der Kinderpornografie. Hier stiegen die Fallzahlen um fast 15 Prozent auf 1578. "Die Täter sind schwer zu ermitteln", sagte Jäger. "Sie verschleiern ihre Identität im Netz und gehen höchst konspirativ vor." Ohne Vorratsdatenspeicherung sei Deutschland möglicherweise zu einem Rückzugsraum für sie geworden, vermutet Jäger.

Allerdings habe das LKA ein Cybercrime-Kompetenzzentrum aufgebaut. Hier ermitteln rund 100 hoch spezialisierte Polizisten, Wissenschaftler und Techniker. Sie werten Kinderpornografie aus, kümmern sich um Telekommunikationsüberwachung und Computerforensik.

Ein spektakulärer Schlag sei Dank dieser Spezialisten-Truppe gelungen, berichtete Schürmann. Nach einem Hinweis sei das LKA im vergangenen Jahr auf schockierende Videos und Fotos eines Jungen gestoßen, der über mehrere Jahre von einem Täter brutal missbraucht worden sei.

"Er hielt den Jungen wie einen Sklaven in einem Käfig gefangen, um ihn anderen Männern anzubieten", sagte Jäger. Dank neuer Ermittlungstaktiken und technischer Lösungen sei es gelungen, den Peiniger und sein Opfer zu lokalisieren. "Danach befreite das FBI den Jungen in den USA. Weitere Täter wurden in den USA und Großbritannien identifiziert und festgenommen." - dpa

Quelle: wa.de

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