Der Mann ohne Gesicht

Babymord in Soest: Vater im Prozess nicht zugelassen

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Die Angeklagte Bianca N. (links) am ersten Prozesstag mit einem Justizbeamten.

SOEST/ARNSBERG - Im Babymord-Prozess vor dem Arnsberger Landgericht trägt die Schwurgerichtskammer Mosaiksteinchen um Mosaiksteinchen zusammen, um die Hintergründe des Dramas um den Tod der knapp vier Monate alten Fee im vergangenen November aufzuklären.

Das Gericht hörte Freunde, Bekannte, Psychologen, Ärzte, Betreuer und Polizeibeamte. Doch einer fehlt: Der Vater des Opfers. Sein Name fiel zwar schon häufiger, doch bisher wurde er vom Gericht nicht vernommen. Der Hintergrund ist klar: Er hatte sich schon vor längerem von der 22-jährigen Angeklagten getrennt und kann zum direkten Tatzeitraum keine Auskunft geben. Nach Aussage der angeklagten jungen Frau war die Beziehung sogar schon vor der Geburt beendet. Man habe sich nach der Trennung noch „unverbindlich“ getroffen. Als die junge Frau dann schwanger war, habe sie der Mann zum Abbruch überreden wollen.

Für die 22-Jährige, die nur einige Wochen zuvor schon ein Kind des Mannes abgetrieben hatte, war aber klar, dass sie diesen Schritt nicht noch einmal gehe.

Fotos aus dem Gericht in Arnsberg:

Prozess Soester Babymord in Arnsberg

Daraufhin brachen die Kontakte zwischen der 22-Jährigen und dem Mann gänzlich ab. Offenbar wollte der Mann dies. Denn Freundinnen der Angeklagten äußerten vor Gericht den Eindruck, dass die junge Frau hoffte, mit dem Kind auch ihren Ex-Freund zurückzugewinnen. Vergeblich.

Die Vaterschaft hatte der Soester nicht anerkannt. Das städtische Jugendamt hatte daraufhin eine Vaterschaftsanerkennung in die Wege geleitet. Das Verfahren wurde dann aber nach dem Tod der kleinen Fee abgebrochen. Doch nun wollte der Mann auf einmal selber die Vaterschaft feststellen lassen. Das gerichtliche Verfahren dazu läuft noch.

Er ist offiziell als Vater nicht anerkannt

Am zweiten Prozesstag vor dem Schwurgericht musste sich die Kammer mit einem Antrag des Soesters befassen: Er wollte als Nebenkläger zugelassen werden, um neben der Staatsanwaltschaft im Gerichtssaal Platz zu nehmen. Doch die Kammer erteilte ihm eine Abfuhr. Denn nur leibliche Väter dürfen als Nebenkläger die Interessen ihrer Kinder im Strafprozess wahrnehmen. „Aber offiziell ist er nicht als Vater anerkannt“, so die Kammer.

Fotos vom Tatort in Soest:

Baby tot in Soester Wohnung gefunden

Und das Verfahren unterbrechen, um eine Vaterschaftsfeststelllung abzuwarten – dazu sah das Gericht keine Notwendigkeit. Es kam dem Gericht auch komisch vor, dass der Mann, als Fee noch lebte, das Verfahren verzögert haben soll, sich auf Anerkennung der Vaterschaft verklagen ließ und nun gern diese Rolle haben wollte.

Vermutlich wird der Mann aber noch Gelegenheit haben auszusagen. Denn als Zeuge, der eine längere Beziehung mit der Angeklagten hatte, könnte auch er dazu beitragen, das Bild, das sich die Kammer von der 22-Jährigen machen möchte, zu komplettieren. Der Prozess wird am 16. Juni fortgesetzt. - jot

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Quelle: wa.de

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