Urteile im Prozess um Tod von Arzu Ö. erwartet

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Arzu Ö.

DETMOLD -  Der Prozess um die Entführung und Ermordung der jungen Kurdin Arzu Ö. steht vor dem Abschluss. An diesem Mittwoch werden am Landgericht Detmold die Plädoyers und Urteile erwartet.

Die fünf angeklagten Geschwister hatten die Entführung im November 2011 bereits am ersten der bislang vier Verhandlungstage eingeräumt. Es habe aber keinen Plan gegeben, die 18-Jährige zu töten.

Seit Ende April mussten sich eine Schwester und vier Brüder der jungen Arzu wegen Geiselnahme verantworten. Zwei von ihnen sollen leichtfertig den Tod der Kurdin verursacht haben. Den anderen drei Geschwistern wirft die Anklage Mord vor. Der 22-jährige Osman Ö. hatte die tödlichen Schüsse vor Gericht zugegeben. Die Angeklagten müssen mit mehrjährigen Haftstrafen bis zu lebenslanger Haft rechnen.

In der Nacht zum 1. November hatten die fünf Geschwister Arzu gewaltsam aus der Wohnung ihres Freundes entführt, angeblich um ihr "den Kopf zu waschen". Dann seien drei der Angeklagten, Sirin, Kirer und Osman, über Hamburg in Richtung Lübeck gefahren. Bei einer Rast im Wald habe Arzu ihn beschimpft und angespuckt, hatte Osman ausgesagt. Da habe er die Kontrolle verloren und sie mit zwei aufgesetzten Schüssen in die Schläfe getötet. Arzus Leiche wurde erst Mitte Januar in Schleswig-Holstein gefunden. Ein psychiatrischer Gutachter hat alle Angeklagten für voll schuldfähig befunden. Auch Osman könne sich nicht auf eine Tat im Affekt berufen.

Die Ermittler gehen von "ehrbezogenen Motiven" aus. Die Familie ist jesidischen Glaubens. Streng genommen dürfen Jesiden nur Beziehungen innerhalb ihrer Glaubensgemeinschaft haben. Arzu habe aber heimlich einen nicht-jesidischen Freund gehabt, hieß es. Außerdem hatte die Kurdin ihren Vater und Bruder Osman angezeigt. Beide hatten sie verprügelt. Darum war sie ins Frauenhaus geflohen.

In der Region der Türkei, aus der die Familie vor gut 25 Jahren nach Deutschland kam, sei die patriarchale Struktur der Gesellschaft sehr stark, hatte ein Gutachter vor Gericht erklärt. Ein Verstoß gegen die sexuellen Regeln und Ungehorsam oder Respektlosigkeit gegen den Vater würden die Ehre der Familie verletzen.

Allerdings sei dieser Fall nicht wirklich typisch für einen geplanten "Ehrenmord", sagte der Psychologe. So werde dafür in der Regel ein Familienmitglied als Täter ausgesucht, das am ehesten entbehrlich sei. In diesem Fall stünden aber gleich fünf Geschwister vor Gericht. - lnw

Quelle: wa.de

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