Mann aus Ense (63) verurteilt

Lebenslängliche Haft nach Hammer-Mord an Ehefrau

+
Ein Justizbeamter nimmt aim Landgericht Arnsberg dem Angeklagten die Handschellen ab.

[UPDATE 14.30 Uhr] ENSE/ARNSBERG - Ein 63 Jahre alter Mann, der im April seine gleichaltrige Ehefrau im Schlaf mit einem Vorschlaghammer umgebracht hat, muss lebenslänglich ins Gefängnis. Das Arnsberger Landgericht verkündete am Donnerstag im Mordprozess das Urteil gegen den Mann aus Ense-Parsit.

Von Jörg Taron

Der Angeklagte nahm den Schuldspruch gefasst entgegen. "Er hatte sich schon damit abgefunden, dass er den Rest seines Lebens hinter Gittern verbringen muss, als er nach der Tat zur Polizei gefahren ist", sagte seine Verteidigerin Iris Grohmann nach der Urteilsverkündung.

Jahrelang hatte der Sozialarbeiter seiner als Leiterin des Arnsberger Jugendamtes beschäftigen Ehefrau seine Probleme mit dem Finanzamt verschwiegen. Als dann die Zwangsvollstreckung einer Steuerschuld von 60.000 Euro drohte und seine Frau gleichzeitig bei einem Glas Rotwein Reisepläne für ihren bevorstehenden Ruhestand schmiedete, habe der Mann den Entschluss gefasst, seine Frau zu töten, fasste der Vorsitzende Richer Willi Erdmann den Hintergrund des Verbrechens zusammen.

So haben wir bisher über den Fall berichtet:

- Gutachten im Enser Mordprozess: 63-Jähriger ist schuldfähig

- Mordprozess gegen Mann aus Ense (63): Viele Fragen

- Mordanklage gegen Ehemann aus Parsit

- 63-Jähriger Ende Sptember wegen Mordes vor Gericht

- Mordverdacht: Ehemann erschlägt seine Frau in Ense

"Ich kann es heute nicht verstehen, dass ich getötet habe - geschweige denn meine Frau", hatte der Mann vor Gericht gesagt. Mittlerweile sei ihm klar, dass es auch andere Lösungen gegeben hätte. Als seine Frau am Gründonnerstag nach dem Gespräch eingeschlafen war, holte der bisher bis auf seine Steuerprobleme unbescholtene Mann den 5 Kilo schweren Hammer aus einem Abstellraum und schlug drei Mal mit voller Wucht auf den Kopf des Opfers ein. "Der erste Schlag war tödlich", sagte Erdmann.

Danach hatte er Totenwache neben der Leiche gehalten, das Haus aufgeräumt und einen Abschiedbrief für seine beiden Söhne und ein Geständnis für die Polizei geschrieben. Außerdem meldete er seine Gattin am Morgen nach der Tat telefonisch beim Jugendamt krank. Zwei Tage später hatte er vergeblich versucht, sich mit Schlaftabletten das Leben zu nehmen. Dann fuhr er zur Polizei nach Werl. "Ich habe erst noch überlegt, einen letzten Kaffee in Freiheit zu trinken", sagte der 63-Jährige. Er sei aber sofort in die Wache gegangen und habe von der Tat berichtet. "Die Beamten haben ihn zunächst nicht ernst genommen, weil er so gefasst wirkte", sagte Anwältin Grohmann. Ihr Mandant habe die Beamten sogar noch auf die schrecklichen Bilder vorbereitet, die sie im Schlafzimmer seiner Ehefrau in Parsit erwarten würden.

Die 63-Jährige hätte keine Chance gehabt und sei völlig arglos gewesen, machte der Richter deutlich. Auch wenn der Mann Angst gehabt hätte, seine Frau könne sich wegen der Schulden selbst das Leben nehmen, sei dies kein Grund für eine mildere Strafe: "Sie haben für ihre Frau über deren Leben entschieden", sagte Erdmann. Ein Gutachter hatte den Mann als voll schuldfähig eingestuft. Deshalb kam für das Schwurgericht nur eine Verurteilung wegen Mordes in Betracht. "Sie fehlt mir" waren die letzten Worte des Mannes vor der Urteilsverkündung.

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare