Zwei Jahre Verhandlung

Urteil im Düsseldorfer Al-Kaida-Prozess

+

DÜSSELDORF - Mehr als zwei Jahre lang hat das Düsseldorfer Oberlandesgericht hinter Panzerglas und Beton gegen vier mutmaßliche Al-Kaida-Terroristen verhandelt. Nach 163 Verhandlungstagen wird das Urteil verkündet.

Die beiden Hauptangeklagten haben sich lange Bärte wachsen lassen, wie sie die Islamisten so gerne tragen. Der mutmaßliche Al-Kaida-Terrorist Jamil S. hat zudem wegen fortwährender Missachtung des Gerichts 145 Tage Ordnungshaft angesammelt.

An diesem Donnerstag geht vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht der - abgesehen vom NSU-Prozess - aufwendigste und längste Terrorprozess der vergangenen Jahre in Deutschland zu Ende.

Die vier Angeklagten sollen die "Düsseldorfer Zelle" der islamistischen Terrorgruppe Al Kaida gebildet und Splitterbombenanschläge vorbereitet haben. An 163 Tagen - mehr als zwei Jahre und drei Monate - hat der Staatsschutzsenat unter Vorsitz von Richterin Barbara Havliza (56) im Hochsicherheitstrakt des Oberlandesgericht gegen das Quartett verhandelt.

Mehr zum dem Prozess finden Sie hier:

Al-Kaida-Prozess: Angeklagter will doch schweigen

Islamischer Terror: Angeschuldigten droht lange Haft

FBI-Agent als Zeuge im Düsseldorfer Al-Kaida-Prozess

Die Wohngemeinschaft der jungen Muslime in der Düsseldorfer Witzelstraße war rund um die Uhr observiert worden. Als die Aktivitäten in der Wohnung und die Einkäufe der Männer auf den Bau einer Bombe hindeuten, befehlen die Verantwortlichen den Zugriff. Drei von ihnen werden am 29. April 2011 festgenommen und aus dem unscheinbaren Haus in der Nähe der Düsseldorfer Universität geführt.

Zu diesem Zeitpunkt ist Osama bin Laden noch der meistgesuchte Terrorist der Welt. Fünf Wochen später stirbt er im Kugelhagel einer US-Militäroperation. Die Festplatten, die die Navy Seals aus seinem Versteck im pakistanischen Abbottabad mitnehmen können, werden die in Düsseldorf festgenommenen Männer später zusätzlich belasten.

Gleich mehrfach abgespeichert war in Osama bin Ladens Haus ein Schreiben, das ziemlich genau auf den Hauptangeklagten Abdeladim El-K. (33) hinweist, sogar sein Geburtsdatum nennt. Er soll der Kopf der "Düsseldorfer Zelle" sein, nach Europa entsandt mit dem Auftrag, ein Blutbad anzurichten. In E-Mails an die Al-Kaida-Führung heißt es: "Oh, unser Scheich, wir halten noch unser Versprechen. Wir werden mit dem Schlachten der Hunde anfangen."

Urteilsverkündung wird mehrere Stunden dauern

Der Senat hat in den vergangenen beiden Jahren 22 Sachverständige gehört und 145 Zeugen vernommen, darunter FBI-Beamte, Terrorexperten und Geheimdienst-Chefs. Der erhebliche Aufwand des Gerichts wird am Donnerstag fortgesetzt: Die Urteilsbegründung werde mehrere Stunden dauern und weit in den Nachmittag reichen, kündigte ein Gerichtssprecher an.

Die Verteidiger haben den - aus ihrer Sicht - nicht hinreichend aufgeklärten Einfluss der Geheimdienste auf das Verfahren beklagt. Dokumente seien massiv geschwärzt worden, berichtete Rechtsanwalt Johannes Pausch, der "die gebotene Trennung zwischen geheimdienstlichen und polizeilichen Ermittlungen" aufgeweicht sieht.

Die Bundesanwaltschaft hatte entgegnet, dass hinreichend Beweise rechtsstaatlich einwandfrei und ohne Zutun der Geheimdienste zusammengetragen wurden. Woher der erste Tipp kam, sei damit für das Verfahren unerheblich.

"Ich habe nichts zu sagen", hatte der Hauptangeklagte Abdeladim El-K. (33) in der vergangenen Woche erklärt und auf sein Recht des letzten Wortes verzichtet. Die Bundesanwaltschaft hat neuneinhalb Jahre Haft für ihn gefordert. Sie hält ihn für den bislang ranghöchsten Al-Kaida-Terroristen vor einem deutschen Gericht.

Zu den Terrorvorwürfen haben alle Angeklagten eisern geschwiegen. Die Ankläger haben für Jamil S. (34) acht Jahre, Amid C. (23) sechs Jahre und neun Monate sowie für Halil S. (30) sechs Jahre Haft beantragt. Die Verteidiger fordern Freisprüche, für Halil S. eine Strafe unter drei Jahren Haft und für den Hauptangeklagten El-K. maximal sieben Jahre Gefängnis. Dreieinhalb Jahre hat er bereits in Untersuchungshaft verbüßt.

dpa/lnw

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare