Untersuchung beweist

Der Radtourismus im Ruhrgebiet boomt und bringt Geld in die Region

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Radeln im Revier: Viele Strecken führen an Industriedenkmälern entlang, wie hier nahe dem  Lippepark in Hamm.

Das Radfahren wird immer beliebter – nicht nur in der Stadt. NRW hat sich in den vergangenen Jahren zum beliebten Ziel für Radtouristen entwickelt, wie eine von der Ruhr Tourismus GmbH in Auftrag gegebene Untersuchung zeigt. Und so auch zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor geworden.

NRW – Axel Biermann ist sich relativ sicher, dass das Ruhrgebiet für Touristen schon länger kein Geheimtipp mehr ist. „Das es hier bei uns ziemlich grün ist, hat sich mittlerweile rumgesprochen“, sagt der Geschäftsführer der Ruhr Tourismus GmbH und blickt aus seinem Oberhausener Büro in den an diesem Tag recht blauen Winterhimmel. Für Biermann ist es deshalb wichtig, „am Ball zu bleiben“, wenn es darum geht, das Ruhrgebiet als Reiseziel weiter zu fördern.

Dieses Credo wurde in den vergangenen drei Jahren auch im Bereich der Radreisen umgesetzt. 1,9 Millionen Euro, von denen 80 Prozent Fördergelder von der EU waren, wurden dazu genutzt, den Radtourismus zwischen Rhein und Weser weiter anzukurbeln. Die Ergebnisse sind vielversprechend, wie die Auswertung einer umfangreichen Evaluation nun zeigt. Es ist nämlich nicht nur die Zahl der Radtouristen erheblich angestiegen. Das Ruhrgebiet profitiert auch finanziell davon.

So wurde im Jahr 2019 im radrevier.ruhr ein Bruttoumsatz von gut 76 Millionen Euro festgestellt, für den nicht nur Tagestouristen, sondern auch Radreisende, die in der Region übernachten, verantwortlich waren. Im Schnitt gab jeder einzelne Tagesausflügler 14,80 Euro und jeder Radreisende 95,60 Euro pro Tag aus. Für Stadtplaner Christian Eckert vom Ingenieurbüro Stolz, das die Radverkehrsanalyse durchgeführt hat, „ein echter Spitzenwert“. Und Biermann ergänzt: „Die Analyse belegt eindeutig, dass unsere strategische Entscheidung, das radrevier.ruhr als radtouristische Dachmarke für die Region aufzubauen, richtig war.“

Dichtes Radwegenetz durch drei Landschaften

Ein dichtes Radwegenetz bildet das Grundgerüst von radrevier.ruhr. Dazu gehören schöne Strecken entlang alter Bahntrassen, landschaftlich attraktive Kanaluferwege oder eben auch beeindruckende Industriedenkmäler. Die Hauptachsen bilden dabei die drei Fernradwege. „Wir haben den Riesenvorteil, dass wir drei unterschiedliche Landschaften haben“, sagt Axel Biermann. Im Norden die Römer-Lippe-Route über 295 Kilometer vom ostwestfälischen Detmold bis ins niederhreinische Xanten, im Süden den 240 Kilometer langen Ruhrtalradweg von Winterberg im Sauerland bis nach Duisburg und dazwischen die Radroute Industriekultur zwischen Dortmund und Duisburg. Hinzu kommen 15 neu entwickelte Revierrouten, so dass am Ende ein gut 1200 Kilometer langes Radwegenetz steht. „So haben wir auf dem Markt eine gewisses Alleinstellungsmerkmal: Bei uns kann man drei unterschiedliche Landschaften kennenlernen, die miteinander vernetzt sind“, sagt Biermann.

15 Radzählstellen und 2000 Interviews

Die Analyse wurde mithilfe von insgesamt 15 Radzählstellen im Untersuchungsgebiet – davon zwei auch in Heeren-Werve und Unna-Uelzen – sowie über 2000 Interviews erstellt. An den Messstellen wurden zwischen April und Oktober 1,85 Millionen Radfahrer gezählt, von denen allerdings gut 70 Prozent sogenannte Alltagsradler waren.

Radfahren im Ruhrgebiet ist beliebt und lukrativ: Stadtplaner Christian Eckert (links) und Ruhr-Tourismus Geschäftsführer Axel Biermann.

An vielen Stellen wie beispielsweise auf dem Rheinischen Esel oder nahe dem Kemnader Stausee wurden aber bis zu 50 Prozent Radreisende angetroffen. Gut zwei Drittel dieser Touristen auf zwei Rädern stammten dabei aus Nordrhein-Westfalen, viele kamen auch aus Niedersachsen, Hessen oder den Benelux-Ländern. „Vor 15 Jahren wurde noch davor gewarnt, den Radtourismus im Ruhrgebiet zu fördern“, erinnert sich Biermann: „Damals hieß es: Lasst die Finger davon.“ Heute habe sich diese Einstellung grundlegend geändert. Der Radtourismus werde schon länger als Chance angesehen.

Pedelecs werden immer beliebter

Während Tagestouristen im Schnitt gut 45 Kilometer am Tag fahren, kommen Radreisende auf knapp 63 Kilometer. In der Analyse wurde festgestellt, dass sich der Aktionsradius durch den steigenden Anteil von Pedelecs auf 60 bis 70 Kilometer erhöht hat. Mittlerweile nutzen gut 45 Prozent ein Rad mit elektrischer Unterstüzung. „Das bedeutet, dass wir auch in der Fläche etwas anbieten müssen“, so Biermann.

Die Digitalisierung spielt auch beim Radfahren eine immer wichtigere Rolle, weil ein Großteil der Radfahrer mittlerweile mit dem Smartphone und entsprechenden Apps wie „Komoot“ navigiert. Doch auch die Beschilderung spiele laut Biermann weiterhin eine große Rolle. Hier wurde ein „Knotenpunktsystem“ eingerichtet, wie es aus den Niederlanden bekannt ist, bei dem sich die Radfahrer an Zahlen orientieren.

Die drei Jahre Förderung sollen kein Strohfeuer gewesen sein, das nun wieder verglimmt. „Wir wollen das weiter fortsetzen. Diese Anschubförderung wollen wir dazu nutzen, dass sich das Projekt künftig selbst trägt“, sagt Biermann. Dazu wolle man sich mit den Partner wie aus dem Hotelgewerbe oder der Gastronomie zusammensetzen, um ein gemeinsames Finanzierungsmodell aufzubauen. - Jens Greinke

Quelle: wa.de

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