NRW untersucht gefährliche Schächte - Rosterberg von unten verfüllt

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Ein Mitarbeiter der Autobahnmeisterei Hagen repariert die Autobahn 45 in Richtung Dortmund.

DORTMUND - Nordrhein-Westfalen rückt dem gefährlichem Altbergbau verstärkt zu Leibe und nimmt gefährdete Schächte unter die Lupe. 2011 ist ein Sonderprogramm aufgelegt worden. In Siegen sind Spezialisten den Gefahren des Erzbergbaus aus der Maulwurfperspektive angegangen.

Von Wolfgang Dahlmann

Manch ein Bewohner alter Bergbauregionen in Nordrhein-Westfalen bekommt angesichts immer wieder aufreißender Bergbaulöcher ein mulmiges Gefühl. Jeden dritten Tag reißt ein kleineres oder größeres Loch im Lande auf. Die meisten davon im südlichen Ruhrgebiet.

Der spektakulärste Tagesbruch dieses Jahres führte im Winter zur wochenlangen Sperrung der A 45 im Dortmunder Süden. Die Verfüllungsarbeiten sind noch nicht abgeschlossen, da klaffte vergangene Woche in einer Hauptstraße unweit der A 45-Baustelle ein 15 Meter tiefes Loch. Ursache ist im südlichen Ruhrgebiet fast immer oberflächennaher Altbergbau. Unter der Oberfläche bilden sich Hohlräume, weil alte Schächte und Stollen nach dem Ende des Kohleabbaus in vergangenen Jahrhunderten nicht richtig verfüllt wurden.

Seit mehr als zehn Jahren betreibt NRW aktiv ein Präventionsprogramm. Ausschlag gab der spektakuläre Tagesbruch kurz nach dem Millennium in Bochum-Höntrop. Damals taten sich zwei Krater in dem Wohngebiet auf, die als Bochumer "Millionenloch" bekannt wurden. Der Hauptkrater war 15 Meter tief und maß 20 Meter im Durchmesser. Er verschlang zwei Garagen und ein Auto.

Der damalige SPD-Ministerpräsident Wolfgang Clement versprach ein Prüfprogramm für NRW, das bis heute etliche Millionen Euro verschlungen hat. Nachdem der Vorort Höntrop in jahrelanger Arbeit von Bohrtrupps auf weitere Hohlräume untersucht worden war, wurden weitere Gebiete unter den Bohrer genommen. Vor allem das Siegerland rückte 2004 ins Blickfeld, als sich wieder in einem Wohngebiet ein Loch auftat. 90 Menschen mussten aus Mehrfamilien-Reihenhäusern in Sicherheit gebracht werden.

Der Rosterberg in Siegen ist durchzogen von alten Erzabbauanlagen. Das ließ den Behörden keine Ruhe. In den vergangenen Jahren wurde das Land am Rosterberg aktiv. Eine Firma aus Thüringen machte sich daran, alte Schächte wieder gangbar zu machen. Statt von oben Beton in die Löcher zu füllen, machten die Experten das Gegenteil: Sie gingen unter die Hohlräume und verfüllten von unten. "Die Arbeiten sind jetzt abgeschlossen", sagt Andreas Nörthen von der zuständigen Bergbauabteilung der Bezirksregierung Arnsberg.

Mitte 2011 hat die Landesregierung den Sieben-Millionen-Euro-Etat für Prävention und Gefahrenbeseitigung noch um zwei Millionen für das Risikomanagement alter Schächte erhöht. In Essen und Hattingen hat die Behörde bereits Risikoschächte einsturzfest gemacht, in Essen im Bereich einer Schule. Jetzt stehen Arbeiten in Dortmund, Sprockhövel, Witten, Wetter und auch weiter in Essen und Hattingen an, alles gefährdete Gebiete südlich der A 40. Nördlich der A 40 fallen kaum Tagesbrüche an, weil es dort Tiefenbergbau gab und gibt und alte Stollen vom Emscher Mergel überdeckt sind. - lnw

Quelle: wa.de

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