Unerwünschter Kindersegen: Mediziner sollen für Zwillinge zahlen

DORTMUND - Zwei Frauenärzte eines Kinderwunschzentrums werden ausgerechnet für das verklagt, was sie auf Wunsch und Drängen verzweifelter Paare tagtäglich machen. Von Lisa Moorwessel

Der biologische Vater von Zwillingen verklagt die Reproduktionsmediziner, weil sie angeblich gegen seinen Willen und ohne seine Zustimmung eine erfolgreiche künstliche Befruchtung durchgeführt haben. Diese fast schon absurd wirkende Klage wird jetzt vor der Arzthaftungskammer des Dortmunder Landgerichts verhandelt.

Ein 39-jähriger Verpackungsdesigner aus Hattingen ist davon überzeugt, dass seine frühere Lebensgefährtin ihn und auch die Ärzte hintergangen hat, um Kinder in die Welt setzen zu können. Mit gefälschten Unterschriften, einem womöglich fingierten Anruf und dank damals mangelnder Personenkontrollen in der Praxis habe die Frau es erreicht, dass sie nach einer künstlichen Befruchtung schwanger geworden sei. Der Junge und seine Zwillingsschwester sind mittlerweile vier Jahre alt, leben mit der Mutter in Norddeutschland und haben keinerlei Kontakt zu dem biologischen Vater. Dieser muss jedoch monatlich eine beträchtliche Summe an Unterhalt zahlen – Zahlungsverpflichtungen, die er auf die Reproduktionsmediziner übertragen will. Seine Chancen stehen dabei durchaus nicht schlecht. Das Gericht signalisierte bereits, dass die Ärzte womöglich insgesamt mehr als 100 000 Euro bis zur Volljährigkeit des Zwillingspärchens zu zahlen haben.

Entscheidend hierfür könnte ein Passus in einem Vertrag sein, den der Kläger vor mehr als sieben Jahren mit der Klinik geschlossen hatte. Damals hatte der junge Mann Spermien einfrieren lassen. Ein medizinische Leistung, die sich die Klinik gut bezahlen lässt und die nach einer Vertragsklausel automatisch nach einem Jahr Laufzeit erlöschen sollte. Tatsächlich jedoch wurden Jahre später die Spermien des ahnungslosen Mannes für die künstliche Befruchtung der Frau benutzt, von der sich der Samenspender nach eigener Darstellung längst getrennt hatte.

Das Gericht will nun die Zwillingsmutter als Zeugin laden.

Quelle: wa.de

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