Kreis Siegen-Wittgenstein

Überlegungen zu neuen Talsperren: Braucht NRW mehr Stauseen?

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Die Versetalsperre bei Lüdenscheid

Siegen/Essen - Die Trockenheit in diesem Jahr gibt Überlegungen Auftrieb, neue Talsperren anzulegen. Konkret geht es um den Kreis Siegen-Wittgenstein.

Nach dem Sommer mit monatelanger Trockenheit werden Überlegungen zum Bau neuer Talsperren im Kreis Siegen-Wittgenstein wieder aktuell. Die Kreisverwaltung regt eine Vorstudie für zwei mögliche Standorte an.

Der Landesentwicklungsplan enthält laut NRW-Wirtschaftsministerium insgesamt acht mögliche Standorte für Talsperren. Der Ruhrverband sieht für sein Gebiet keinen Neubau-Bedarf, da der Wasserbedarf der Industrie gesunken sei. "Ob wir am Ende wirklich in ein paar Jahrzehnten eine dritte oder vierte Trinkwassertalsperre in Siegen-Wittgenstein haben werden, kann heute niemand verlässlich vorhersagen.

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Aber vor dem Hintergrund des Klimawandels wäre es ein grober Fehler, nicht alle Optionen, die wir haben, ganz sorgfältig zu prüfen", sagte Landrat Andreas Müller in der Mitteilung. Es gebe keine Vorfestlegungen. "Alle Untersuchungen und Überlegungen sind völlig ergebnisoffen", unterstrich er.

Dass die Kreisverwaltung diese Frage gerade jetzt auf die Tagesordnung setze, hänge nicht zuletzt auch mit dem Rekordsommer 2018 zusammen. Konkret geht es in Siegen-Wittgenstein um die Chancen für eine Truftetalsperre im Bereich der Stadt Bad Berleburg und eine Elberndorftalsperre im Bereich der Gemeinde Erndtebrück und der Stadt Hilchenbach.

Nach Angaben von Bau- und Umweltdezernent Arno Wied wurde 1931 vor dem Hintergrund des Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstums erstmals intensiv über Trinkwassertalsperren für die Region nachgedacht. In den Jahren 1953 bis 1956 entstand die Breitenbachtalsperre. Nach den extrem trockenen Jahren 1957 und 1959 begannen die Planungen für die Obernautalsperre, die 1972 in Betrieb ging.

Probleme durch Rekordsommer

Wenig später, 1979, habe es die Empfehlung gegeben, eine dritte nördliche Talsperre zu bauen. Von damals 22 untersuchten Standorten seien die Truftetalsperre und die Elberndorftalsperre auch heute im aktuellen Regionalplan. Im Einzugsgebiet der Ruhr gibt es nach Einschätzung des Ruhrverbandes keinen Bedarf für neue Talsperren. Seit Mitte der 1970er Jahre sei der Wasserbedarf aus der Ruhr deutlich zurückgegangen - circa 1,4 Milliarden Kubikmeter Wasser im Jahr 1974 auf rund 500 Millionen Kubikmeter in den 2010er Jahren.

Eine regionale Klimastudie aus dem Jahr 2006 habe ergeben, dass das Talsperrensystem des Ruhrverbandes statistisch gesehen einmal alle 500 Jahre trockenfallen werde. Aufgrund des Klimawandels werde sich die Wahrscheinlichkeit bis zum Jahr 2100 auf einmal alle 200 Jahre erhöhen. "Nach derzeitigen Erkenntnissen ist die Sicherheit des Systems auch im Jahr 2100 voll gegeben", hieß es.

Der Ruhrverband betreibt acht Talsperren, die überwiegend im Sauerland liegen. In Nordrhein-Westfalen wird knapp ein Fünftel des Trinkwassers aus 28 Talsperren bereitgestellt, die sich insbesondere in der Eifel und im Bergischen Land befinden. Ob tatsächlich neue Talsperren gebaut werden, erläuterte eine Ministeriumssprecherin.

Quelle: wa.de

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